"ChristSoziale Katholiken" sammeln sich zum "C" des Südens

"ChristSoziale Katholiken" sammeln sich zum "C" des Südens
Thomas Goppel (CSU) lud - durch Wildbad Kreuth ermutigt - Mitte Februar zur Gründung der "ChristSozialen Katholiken in der CSU" ein. Für Samstag ist das erste Treffen angesetzt. Und Goppel kann mit Zuspruch rechnen.

Bei der traditionellen Winterklausur der CSU-Landtagsfraktion in Wildbad Kreuth gab es geistlichen Zuspruch. Der evangelische Landesbischof Johannes Friedrich und Erzbischof Reinhard Marx von München-Freising kamen zu Andacht und gemeinsamen Austausch mit den Politikern der CSU, die nach vier Jahrzehnten im Freistaat die absolute Mehrheit eingebüßt hatte. Marx sagte über seine Mission in Wildbad Kreuth: "Ein Bischof ist immer dazu da, auch Mut zu machen."

Ermutigt hat der bischöfliche Zuspruch wohl Thomas Goppel, den ehemaligen bayerischen Umwelt- und Wissenschaftsminister sowie Ex-CSU-Generalsekretär. Mitte Februar lud er zur Gründung der "ChristSozialen Katholiken in der CSU" ein. Für diesen Samstag ist das Treffen in München anberaumt. Wie verlautete, haben rund 120 Parteimitglieder Interesse gezeigt, darunter auch zahlreiche Mandatsträger. Zunächst soll über die Organisationsform gesprochen werden, am Montag werde mit der Parteispitze über das Vorhaben beraten. Goppel ist zuversichtlich, dass Parteichef Horst Seehofer für die engagierten CSU-Katholiken Geburtshilfe leisten werde.

Entfremdung befürchtet

Mit seiner Initiative für ein Katholikenforum in der CSU kehrt Goppel dem "Arbeitskreis Engagierter Katholiken" den Rücken, der sich Ende 2009 aus Unzufriedenheit über den zu wenig christlich profilierten Kurs der Unionsparteien etabliert hatte. Neben Sprecher Martin Lohmann gehörten zu den Initiatoren des Kreises Goppel und der CSU-Bundestagsabgeordnete Norbert Geis. Motiv dabei ist die Sorge, dass sich die Unionsparteien durch Anpassung an gesellschaftliche Modernisierung etwa in der Familienpolitik ihren christlichen Stammwählern entfremden.

Beim Evangelischen Arbeitskreis der CSU werden die Bestrebungen, katholischen CSU-Mitgliedern ein eigens Forum zu geben, grundsätzlich positiv gesehen. Vorsitzender Ingo Friedrich sieht darin ein Indiz, dass christlicher Glaube und christliche Grundwerte zunehmend eine wichtige Rolle spielten. Der langjährige Europaabgeordnete kann sich durchaus auch eine Zusammenarbeit mit den Christsozialen Katholiken vorstellen, beispielsweise beim Ökumenischen Kirchentag im Mai in München.

Die Protestanten sind nicht nur in Bayern, sondern auch in der CSU klar in der Minderheit. Von den 160.000 CSU-Mitgliedern sind laut Statistik noch immer rund 78 Prozent katholisch. Im Jahr 1990 lag der Katholiken-Anteil bei 80 Prozent. Parteikenner versäumen allerdings nicht den Hinweis, es sei keineswegs mehr selbstverständlich, dass komplette Jahrgänge aus der katholischen Jugend als CSU-Nachwuchs zur Verfügung stehen.

Alois Glück mit Vorbehalten

Mit Vorbehalten begegnet den Bestrebungen, dass christlich-konservative Profil in den Unionsparteien zu schärfen, der CSU-Politiker Alois Glück. Als die Konfessionen noch auf Abgrenzung bedacht waren, seien die C-Parteien die erste große ökumenische Bewegung gewesen, erinnerte er in "Die Welt". Deshalb wäre es eine Tragik, so der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, wenn es nunmehr in den Parteien wieder zur konfessioneller Polarisierung komme. Zudem warnt Glück davor, dass sich Konservative aufs Moralisieren beschränkten und es darüber an Konzepten fehlen ließen, wie die gesellschaftliche Veränderungen zu gestalten sind.

Auch die stellvertretende CDU-Vorsitzende Annette Schavan wirbt dafür, zwischen christlich und konservativ zu unterscheiden: "Wer eine christliche Seele vor allem als konservative Seele versteht, fügt ihr Schaden zu." In der katholischen Akademie Berlin machte die bekennende Katholikin kürzlich klar: "Das 'C' steht nicht für Beharrungsvermögen."

Ähnlich sieht dies auch Erzbischof Reinhard Marx: "Es stört mich, dass 'konservativ' und 'christlich' oft synonym verwendet werden im Blick auf die Zielgruppen, die eine Partei nicht verlieren sollte", schrieb er in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Das Christliche sei kein Auslaufmodell und keine rückwärtsgewandte Ideologie, argumentiert der Erzbischof, sondern die Quelle nachhaltiger Innovation.

epd