Bio, Öko, Fairer Handel - im Dschungel der Labels

Bio, Öko, Fairer Handel - im Dschungel der Labels
Die nachhaltige Wirtschaft boomt: Verbraucher machen sich verstärkt Gedanken darüber, woher ihre Waren kommen, wer die Produkte hergestellt hat. Labels und Siegel sollen helfen, den Weg zu Bio- oder Ökoangeboten zu finden. Doch welchen Zertifizierungen kann man als Verbraucher trauen? Eine kleine Auswahl.

Derzeit gibt sich die Bio-Szene in Nürnberg ein Stelldichein, bei der weltweit größten Fachmesse für die Bioprodukte. Und die Branche konnte zum ersten Mal seit Jahren kein zweistelliges Wachstum verkünden – im Gegenteil, der Umsatz rutschte sogar leicht ins Minus. Dennoch bleibt der Markt für Produzenten interessant. Denn schon seit langem haben Bio- oder Ökoprodukte den Sprung aus der Nische zum massentauglichen Martk geschafft. Es gilt einfach als schick, in der Stammkneipe um die Ecke Biolimonade oder Latte Macchiato aus fairer Produktion zu schlürfen.

Dabei kann die Öko-Branche auf einen harten Kern an Verbrauchern setzen: Sechs Prozent der Haushalte, das sind 2,3 Millionen, stehen für fast die Hälfte des gesamten Biomarktes, ergab eine aktuelle Erhebung. Im Gesamtdurchschnitt kaufen Verbraucher 20 Mal im Jahr Bioprodukte ein und geben dafür 84 Euro aus. Wer jetzt noch nicht zum harten Kern gehört oder direkt beim Bauern kauft, dem fällt es mitunter teils schwer, Öko- oder faire Ware zu erkennen. Denn von Kaffee über Wein und Kleidung bis zu Möbeln sind jede Menge Siegel und Label auf dem Markt. Ihre Zahl geht mittlerweile in die Hunderte. Wieder andere bewerben ihre Produkte mit naturnah, umweltschonend oder unbehandelt. Doch wer hier kontrolliert, bleibt oft im Unklaren. Deswegen an dieser Stelle eine kleine Übersicht über bekannte und häufige Siegel im Bereich Bio, fairer Handel und Umweltschutz:

Das Bio-Siegel: Vermutlich mit das bekannteste Siegel in Deutschland, hinter dem das Bundeslandwirtschaftsministerium steht. Kriterien für die Vergaben richten sich nach den EG-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau. Dazu gehört, dass die Zutaten landwirtschaftlichen Ursprungs zu mindestens 95 Prozent aus dem ökologischen Landbau stammen müssen. Bei der Kennzeichnung der Produkte muss der Name und/ oder die Codenummer der zuständigen Öko-Kontrollstelle angegeben werden. Das Schema der Codenummer für eine Kontrollstelle, die in Deutschland ansässig ist, lautet: DE-000-Öko-Kontrollstelle. Dabei steht "DE" für Deutschland und "000" für die dreistellige Kennziffer der Kontrollstelle. Bei Missbrauch oder Verstoß drohen Geldbußen und Freiheitsstrafen. Anderen Verbänden wie Demeter sind diese Vorgaben jedoch nicht streng genug. Weitere Informationen: www.bio-siegel.de

Fairtrade: Dahinter steht der gemeinnnützige Verein Transfair. Seit 1992 bemüht er sich darum, faire Bedingungen für die Hersteller von Kaffee, Tee, Honig, Schokolade und vielen weiteren Produkten vornehmlich in Afrika, Asien und Lateinamerika zu schaffen. Mittlerweile gehören auch ökologische Herstellungweisen zu den Mindestanforderungen des Labels, beispielsweise: Schutz des Wassers und der dazugehörigen Fauna, Verbot von gentechnischen Veränderungen oder auch beschränkter Einsatz von Pestiziden. Das Siegel gibt es in kleiner Abwandlung auch zur Kennzeichnung fair produzierter Baumwolle (für Bekleidung). Weitere Informationen: www.transfair.org

Blauer Engel: Der Engel ist das älteste Umweltschutzzeichen, schon 1978 hat es der Bundesinnenminister ins Leben gerufen. Er kennzeichnet Produkte und Dienstleistungen, die hohe Ansprüche an Gesundheits- und Arbeitsschutz erfüllen, eine lange Lebensdauer und eine hohe Umweltfreundlichkeit haben. Bei diesem Siegel werden immer Produktgruppen miteinander verglichen, also bsp. Lacke mit Lacken oder Farben mit Farben, um herauszufinden, welche sich durch besondere Umweltfreundlichkeit auszeichnen. Der Blaue Engel wird nicht im Bereich Lebensmittel vergeben. Weitere Informationen: www.blauer-engel.de

 

Demeter: Der Verband setzt strenge Kriterien an seine Mitglieder. Der gesamte landwirtschaftliche Betrieb muss auf eine ökologische Produktionsweise umgestellt werden. Auf den Höfen spielen Kühe eine zentrale Rolle. Dazu gehört beispielsweise auch, dass jeder Hof nur so viele Kühe halten darf, wie es zu seiner Struktur und seiner Fläche passt. Alle Tiere müssen zu 100 Prozent Biofutter erhalten, das wieder zu 50 Prozent vom eigenen Hof stammen muss. Nach den Vorgaben von Demeter bilden die Betriebe mit ihren Menschen, Tieren, Pflanzen und dem Boden eine Einheit, die wechselseitig von einander profitiert. Die Anfänge gehen auf den Antroposophen Rudolf Steiner zurück, das erste Demeter-Logo entstand bereits 1928. Weitere Informationen: www.demeter.de

Grüner Strom: Ein noch sehr junges Label (2008), das unter anderem von Umweltschutzverbänden getragen wird. Dieses Label erhalten Energieerzeuger, deren Strom aus Solarstrahlung, Wind- und Wasserkraft, Biomasse, Klärgas (ohne Deponiegas) oder geothermischen Quellen erzeugt wird. Die Anbieter werden jährlich überprüft. Weitere Informationen: www.gruenerstromlabel.org

Oekocontrol: Ein Verbandssiegel von derzeit rund 55 unabhängigen Möbelhäusern. Wer hier Mitglied werden möchte, muss Möbel – dazu zählen nicht nur Holz, sondern auch Sofas, Polster oder Matratzen – aus ökologischer und nachhaltiger Produktion anbieten. Dazu gehört Holz aus nachhaltiger Produktion und möglichst aus Europa, sparsamer Umgang mit dem Ausgangsstoff, massives und offenporiges Material, möglichst Verzicht auf den Einsatz von Klebemitteln und bei Polstern der Verzicht auf synthetische Materialien. Weitere Informationen: www.oekocontrol.com

Textiles Vertrauen 100 plus: Siegel kennzeichnet seit 1992 gesundheitlich einwandfreie Textilien, die zum Beispiel keine allergieauslösenden Farbstoffe enthalten. Für Inhaltsstoffe wie Schwermetalle oder Pestizide sind Grenzwerte vorgeschrieben, die sich auch daran orientieren, ob ein Produkt für Babys vorgesehen ist oder ob es direkten oder indirekten Hautkontakt mit der Ware gibt. Weitere Informationen: www.oeko-tex.com

Naturtextil.com: Derzeit wohl das Siegel, dass im textilen Bereich die höchsten Anforderungen an Produktion, Handel und Vertrieb stellt. Die Fasern – Grundlage jeder Textilie – müssen zu 100 Prozent aus Naturfasern bestehen, die wiederum aus kontrolliert biologischem Anbau oder kontrolliert biologischer Tierhaltung stammen müssen. Die strengen Kriterien setzen sich beim Spinnen, Färben und Transportieren fort. Bei letzterem muss ausgeschlossen sein, dass die so produzierten Textilien mit herkömmlichen Produkten in Berührung kommen und dadurch verunreinigt werden könnten. Weitere Informationen: www.naturtextil.com

Bioland: Das Siegel zählt ebenfalls zu den bekanntesten in Deutschland, seit 1979 wird es stetig weiterentwickelt. Bioland umfasst nicht nur die klassischen Hobereiche wie Ackerbau und Viehzucht ein, sondern umfasst auch den Weinanbau oder die Bienenhaltung. Auch bei Bioland ist die gesamte Umstellung des Bauernhofs auf eine ökologisch einwandfreie Produktion vorgeschrieben. Über 50 Prozent des Futterbedarfs müssen vom eigenen Hof oder aus einer regionalen Kooperation stammen. Grundsätzlich müssen die Tiere 100-prozentiges Biofutter erhalten, Ausnahmen davon sind streng geregelt. Bei der Weiterverarbeitung von Fleisch sind Phospate, Nitritpökelsalz oder Geschmacksverstärker verboten. Weitere Informationen: www.bioland.de

FSC: Die Abkürzung steht für Forest Stewardship Council. Die gemeinnützige Organisation wurde 1993 im Nachgang zum Umweltgipfel von Rio de Janeiro gegründet und wird weltweit von Umweltorganisationen, Unternehmen und Gewerkschaften getragen. Die Organisation legt fest, welche ökologischen und sozialen Minimumstandards bei der Bewirtschaftung von Wald eingehalten werden müssen. Teilnehmende Waldbesitzer werden jährlich überprüft. Weitere Informationen: www.fsc-deutschland.de

MSC: Die Abkürzung steht für Marine Stewardship Council. Viele Fischbestände weltweit gelten heutzutage als gefährdet oder bereits überfischt, was das Aus für viele beliebte Speisefische bedeutet. Zudem sind Millionen Arbeitsplätze von Fischer gefährdet, die nicht mehr ihren Lebensunterhalt verdienen können. Die Organisation versucht, Fischbestände zu überwachen und die Auswirkungen der Fischerei auf die Umwelt zu minieren, um so zu einer nachhaltigen Fischerei zu kommen, bei der sich bedrohte Fischstände wieder erholen können. Weitere Informationen: www.msc.org/de

Eine gute Übersicht über die Vielzahl der Siegel gibt es auf der Seite www.biobay.de sowie auch bei Ökolandbau.de


Frauke Weber arbeitet bei evangelisch.de als Redakteurin für die Ressorts Wirtschaft und Magazin.