Erste Resistenzen gegen Tamiflu in Deutschland

Erste Resistenzen gegen Tamiflu in Deutschland
Erstmals sind in Deutschland bei Schweinegrippe-Patienten - einer Zehnjährigen und einem 31 Jahre alten Mann - Resistenzen gegen das Grippemittel Tamiflu nachgewiesen worden. Beide seien mit Vorerkrankungen und einer "schwachen Abwehr" ins Universitätsklinikum Münster gekommen, teilte die Klinik am Freitag mit. Sie seien bereits bei der Aufnahme mit Schweinegrippe infiziert gewesen.

Tamiflu-Resistenzen sind bereits in anderen Ländern wie Norwegen, Großbritannien und Dänemark nachgewiesen worden. Unempfindlichkeiten gegen das Medikament kommen auch bei der saisonalen Grippe vor - aus Expertensicht ist es deshalb nicht überraschend, dass es auch bei der Schweinegrippe zu Resistenzbildungen kommt. Auf die bisherigen therapeutischen Empfehlungen hätten die Fälle in Münster keine Auswirkungen, hieß es am Freitag beim Robert-Koch-Institut. Man werde die Entwicklung beobachten.

Weil Tamiflu bei den in Münster behandelten Patienten nicht angeschlagen hatte, wurden sie mit dem Alternativ-Grippemittel Relenza behandelt. "Bei dem Kind haben wir das H1N1-Geschehen mittlerweile im Griff, der Mann wird beatmet", sagte Prof. Georg Peters, Direktor des Instituts für klinische Mikrobiologie. Der Zustand des 31-Jährigen sei schlecht, aber stabil.

"Die Geschichte ist noch nicht zu Ende"

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Peters geht davon aus, dass mit einer zu erwartenden weiteren Schweinegrippe-Welle auch die Zahl der Resistenzen steigt. "Wahrscheinlich gibt es bereits weitere Resistenzen in Deutschland, sie wurden nur noch nicht nachgewiesen. Die Geschichte ist noch nicht zu Ende." Allerdings sei derzeit bei den meisten der im Umlauf befindlichen Viren von einer Empfindlichkeit gegenüber Tamiflu auszugehen. Das Mittel wirkt also in den meisten Fällen noch gegen den Erreger.

Angesichts der niedrigen Impfzahlen in Deutschland warnten die Experten davor, die Gefahren zu unterschätzen oder herunterzuspielen. Eine Impfung sei der beste Schutz, auch vor Resistenzbildungen, sagte der Ärztliche Direktor der Uniklinik, Prof. Norbert Roeder: "Sonst sind die Waffen, die wir haben, irgendwann stumpf."

Tamiflu ist durch die hohe Nachfrage ein Riesengeschäft für den Hersteller, den Schweizer Pharmakonzern Roche. Schon im Oktober hatte der Konzern mitgeteilt, allein in den ersten drei Quartalen 2009 hätten die Verkäufe des Medikaments zwei Milliarden Franken (rund 1,3 Milliarden Euro) in die Kassen von Roche gespült.

dpa

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