Dimas Galvão: "Auch Obdachlosen steht Spaß an der WM zu"

Dimas Galvão aus Salvador da Bahia setzt sich für Obdachlose ein

Foto: Brot für die Welt/Movimento de Populacao de Rua

Dimas Galvão aus Salvador da Bahia setzt sich für Obdachlose ein

Dimas Galvão: "Auch Obdachlosen steht Spaß an der WM zu"
Foul am Zuckerhut - Was die WM 2014 in Brasilien für die Menschen vor Ort bedeutet
In unserer Serie "Foul am Zuckerhut" stellen wir in kurzen Artikeln Menschen vor, die von der WM und ihren Auswirkungen betroffen sind, unmittelbar oder mittelbar. Und wir lassen sie zu Wort kommen. Sie berichten mit ihren Stimmen, was die WM für sie bedeutet. So wie Dimas Galvão aus Salvador da Bahia. Er setzt sich für Obdachlose ein und fordert, dass sie respektiert werden - auch während der WM.

Sie sind ärmer als die meisten Armen in Brasilien: Die Obdachlosen der WM-Stadt Salvador da Bahia. Ihr Hab und Gut tragen sie immer mit sich herum. Manchmal errichten sie notdürftige Unterkünfte aus Kartons und Plastikfolie. Menschen ohne festen Wohnsitz – mit diesem verstörenden Bild möchte sich Salvador offenbar nicht präsentieren. Die Stadtverwaltung startete "Säuberungsaktionen" und siedelte die Menschen gegen ihren Willen mit Zwang um. Dimas Galvão, Koordinator für Projekte mit Obdachlosen bei der Ökumenischen Koordinationsstelle CESE, einem Projektpartner von Brot für die Welt, sieht dadurch Menschen diskriminiert und im wahrsten Sinne des Wortes an den Rand gedrängt: "Die Leute, die auf der Straße leben, sind Menschen mit Rechten und wir können nicht verstehen, dass es heißt, sie verschmutzen die Stadt."

Umgesiedelte Obdachlose in einer ehemaligen Nervenheilanstalt in Salvador da Bahia

Das sehen offenbar einige Verantwortliche in Politik und Verwaltung anders: Während des Confed-Cups vor einem Jahr, der als Generalprobe für die WM galt, deportierte die Verwaltung der Millionenstadt Obdachlose. Projektpartner von Brot für die Welt berichten, dass in Salvador da Bahia an mehreren Stellen Dutzende nachts in Fahrzeuge eingeladen und gegen ihren Willen in eine ehemalige Nervenklinik gebracht wurden. Dort fehlte es an fast allem: sauberem Wasser, funktionierenden Toiletten, Elektrizität, Essen. Kein gutes Leben – doch die Verwaltung zwang sogar schwangere Frauen in das Haus. Dort gebaren sie ihre Kinder.

Unrecht und verletzte Menschenrechte als Vorbereitung für ein weltweites Fest des Fußballs? Dimas Galvão macht auf diesen Widerspruch aufmerksam: "Die Obdachlosen sind auch Fußballfans und sollten respektiert werden. Sie sind Bürger wie alle anderen. Die gleiche Freude, die gleiche Teilhabe, die der brasilianische Staat der brasilianischen Bevölkerung entgegenbringt, sollte auch den Obdachlosen zustehen. Sie sind Individuen mit Rechten und auch ihnen steht zu, dass sie Spaß an  der Weltmeisterschaft haben."

Was würde der Menschenrechts-Fachmann gerne der FIFA mit auf den Weg geben? Dimas Galvão überlegt kurz und sagt dann: "Jedes Land, das die Weltmeisterschaft ausrichtet, sollte in seiner Autonomie, in seiner Souveränität, respektiert werden. Oft verfolgt die FIFA eine Politik, die die Rechte der Bevölkerung verletzt und in die Souveränität und Politik der Gastgeber eingreift." Brasilien sei zwar Partner der FIFA – denn das Land wollte die Weltmeisterschaft –, aber der Weltfußballverband sollte die Bevölkerung, die Regierung und die Menschenrechte respektieren: "Die Weltmeisterschaft soll stattfinden, aber die brasilianische Bevölkerung sollte frei sein und respektiert werden, wenn sie für ihre Rechte auf die Straße geht. Egal, ob es WM-kritische oder -freundliche Demonstrationen sind."

Infos zur Serie
Die Fußball-WM 2014 in Brasilien wird begleitet von Protesten und Demonstrationen, von Polizeieinsätzen und den Sorgen der Bevölkerung. Das Geld, das Brasilien für die WM ausgibt, kommt den Falschen zugute, sagen die Kritiker. Wir lassen auf evangelisch.de Brasilianer zu Wort kommen, die ihre Sicht der Dinge zeigen.