NRW-Ministerpräsidentin Kraft bittet NSU-Opfer um Vergebung

NRW-Ministerpräsidentin Kraft bittet NSU-Opfer um Vergebung
Die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) hat sich bei den Opfern des NSU-Terrors für die jahrelangen falschen Verdächtigungen entschuldigt.

"Wir können nur um Vergebung bitten, so lange so unentschuldbar blind gewesen zu sein", sagte Kraft dem "Kölner Stadt-Anzeiger" (Freitagsausgabe) anlässlich des zehnten Jahrestages des Nagelbombenattentates in der Kölner Keupstraße. Die Ermittler hatten jahrelang die Opfer und Anwohner der Straße, die überwiegend von Türken bewohnt wird, fälschlicherweise der Tat verdächtigt, die von rechtsextremen Terroristen verübt wurde.


Kraft kündigte an, die Landesregierung und die Ermittlungsbehörden in NRW würden im geplanten Untersuchungsausschuss des Landtags alles Notwendige zur Aufklärung des Anschlags beitragen. "Wo es Fehler, Pannen, Versäumnisse und mögliche Vertuschungen gab, müssen diese offen benannt und die Konsequenzen gezogen werden. Das sind wir insbesondere den Opfern und ihren Angehörigen schuldig", erklärte Kraft.

Die Ministerpräsidentin warnte davor, die Gefahr durch Neonazis zu unterschätzen: "Wir sollten uns auch nichts vormachen: Wir müssen wachsam bleiben. Der braune Bodensatz ist immer noch da." Das zeigten die Neonazi-Aufmärsche in NRW.

Zum zehnten Jahrestag des Nagelbombenanschlags am 9. Juni 2004, bei dem 22 Menschen verletzt wurden, findet zu Pfingsten in Köln ein großes Kultur- und Aktionsprogramm statt. Rund 100.000 Besucher werden dazu rund um die Keupstraße im Stadtteil Mülheim erwartet. An der zentralen Kundgebung am Montag will auch Bundespräsident Joachim Gauck teilnehmen.

Der Terrorgruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) wird auch die Ermordung von neun Migranten und einer Polizistin zwischen 2001 und 2007 zur Last gelegt. Der rechtextremistische Hintergrund der Taten blieb jahrelang unentdeckt.

Meldungen

Top Meldung
 Theologin Margot Käßmann (Archivbild)
Die Theologin Margot Käßmann rät Eltern davon ab, ihre Kinder zu tracken. Anstatt die eigenen Kinder zu überwachen, sollten Eltern ihnen vertrauen, schrieb die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in der "Bild am Sonntag".