Triumphaler Wahlsieg der Opposition in Indien

Triumphaler Wahlsieg der Opposition in Indien
Die regierende Kongress-Partei wurde abgestraft. Indiens Wähler heben Wirtschaftsfreund Narendra Modi ins Regierungsamt - und das mit einer Rekordwahlbeteiligung von mehr als 66 Prozent.

Machtwechsel in Indien: Der wirtschaftsfreundliche Oppositionspolitiker Narendra Modi hat die Parlamentswahl haushoch gewonnen und wird damit neuer Regierungschef. Hochrechnungen zufolge errang Modi mit seiner hindunationalistischen Bharatiya Janata Party (BJP) eine deutliche Mehrheit im Unterhaus mit über 280 von 543 Sitzen.

Damit kann Modi als nächster Premierminister eine starke Regierung bilden. Erstmals seit 30 Jahren kann eine Partei in Indien ohne einen Koalitionspartner regieren. Die bisher regierende Kongress-Partei fuhr die schlimmste Niederlage ihrer Geschichte ein und verlor über 150 ihrer Sitze.

Kongress-Chefin Sonia Gandhi gestand die Wahlniederlage ein und versprach, gute Arbeit in der Opposition zu leisten. Die Partei, die Indien in den sechs Jahrzehnten seit seiner Unabhängigkeit fast ausschließlich regiert hat, ist mit knapp 50 Sitzen nur noch ein Schatten ihrer selbst. Viele Wähler machten sie für die Wirtschaftskrise, die hohe Arbeitslosigkeit und die ausufernde Korruption verantwortlich.

Es war die größte demokratische Wahl der Welt: Rund 551 Millionen Inder hatten in einem fünfwöchigen Wahlmarathon in 930.000 Wahllokalen ihre Stimme abgegeben. Die Wahlbeteiligung war mit 66,4 Prozent so hoch wie nie zuvor in der Geschichte des Landes. Zur Abstimmung stellten sich 8.251 Kandidaten, davon 668 Frauen und fünf Transgender-Politiker.

Der 63-jährige Modi, der sich vom Teeverkäufer an die Spitze der BJP hochgearbeitet hat, gilt als Hoffnungsträger der indischen Unternehmen. Er ist politisch jedoch eine polarisierende Figur. Gegner beschuldigen ihn, als Regierungschef seines Heimatstaates Gujarat die brutalen Ausschreitungen zwischen Muslimen und Hindus 2002 absichtlich nicht gestoppt zu haben. Dabei waren mehr als 1.000 Menschen - die Mehrzahl Muslime - ums Leben gekommen. Die USA verweigerten Modi daher bislang ein Einreise-Visum.

Modi gilt jedoch trotz seiner religiösen Überzeugung als pragmatischer Politiker: Pakistans Regierungschef Nawaz Sharif erklärte, er freue sich auf eine Zusammenarbeit mit Modi. Das islamische Pakistan hatte sich nach der Unabhängigkeit 1947 von Indien abgespalten. Die Wunder der Teilung sind nie verheilt. Die beiden Atmmächte haben bereits drei Kriege gegeneinander geführt. Das starke politische Mandat von Modi könnte es leichter machen, die Friedensgespräche zwischen den Erzrivalen wieder zu beleben, die in den letzten Jahren eingeschlafen waren.

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