Gauck und Merkel verurteilen Terrorakte in Nigeria

Gauck und Merkel verurteilen Terrorakte in Nigeria
Deutschland hat die brutalen Gewalttaten der Boko-Haram-Terroristen in Nigeria scharf verurteilt. Bundespräsident Joachim Gauck schrieb am Freitag in einem Kondolenztelegramm an Nigerias Präsidenten Goodluck Jonathan

Ihn hätten der jüngste Angriff mit vielen Toten und die andauernde Geiselnahme von Schülerinnen "zutiefst schockiert", schrieb Gauck. Für die Bundesregierung drückte der Sprecher von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Steffen Seibert, Entsetzen aus. "Das sind barbarische Akte jenseits jeglicher Moralvorstellung", sagte er in Berlin.

Dabei versprach Seibert deutsche Hilfe. "Wo immer Deutschland im Kampf gegen den fundamentalistischen Terror und für die Wahrung der Menschenrechte hilfreich sein kann, wird es das auch tun", sagte er, ohne jedoch konkret zu werden. Die USA haben bereits mehrere Experten nach Nigeria entsandt, um die dortigen Behörden bei der Suche nach den mehr als 240 Mädchen zu unterstützen, die vor über drei Wochen von Boko Haram verschleppt wurden.

Derweil wurde bekannt, dass am Donnerstag bei einem Anschlag nahe dem Dorf Gamboru Ngala, in dem am Montag mehr als 300 Menschen von Boko Haram getötet worden waren, mindestens weitere 30 Personen starben. Die Täter, die nach Angaben aus der Bevölkerung ebenfalls zur Terrorgruppe gehörten, hatten eine Brücke gesprengt, die die Grenzposten zwischen Nigeria und Kamerun verbindet, wie die nigerianische Zeitung "Punch" (Online) berichtete. Gleichzeitig zum Anschlag fand in dem Dorf die Beerdigung der Opfer von Montag statt.

Mazyek: zwischen Boko Haram und dem Islam differenzieren

Die Chefanklägerin des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag, Fatou Bensouda, sagte, die Entführung der Schulmädchen falle möglicherweise in die Zuständigkeit ihres Gerichts. Das beunruhigende Phänomen, dass Frauen in Konflikten zum Ziel würden, müsse unterbunden werden. Alles nur erdenklich Mögliche müsse getan werden, um die Verantwortlichen für derartige Gräueltaten vor Gericht zu bringen, entweder in Nigeria oder in Den Haag.

Entsetzen über die Entführung und Anschläge äußerten auch Religionsvertreter in Deutschland. Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Marx, erklärte in Bonn, die Attacken und die Verschleppung der Schülerinnen erfüllten ihn mit Trauer und Empörung. "Wir verurteilen die feigen Akte der Gewalt und wissen uns mit allen solidarisch, die sich nicht davon abbringen lassen, auch weiterhin entschieden für ein friedliches Miteinander der Religionen in Nigeria einzutreten", sagte der Münchener Erzbischof.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, forderte, die Bundesrepublik solle die Suche nach den entführten Schülerinnen unterstützen. Auch die Strukturen und Hintergründe von Boko Haram müssten aufgeklärt werden. "Die Regierung in Nigeria scheint damit hoffnungslos überfordert", sagte Mazyek dem epd.

Der Vorsitzende des Islamverbands forderte zudem, in der Debatte stärker zwischen Boko Haram und dem Islam zu differenzieren. "Die Boko-Haram-Extremisten berufen sich auf den Islam, aber in Wirklichkeit arbeiten sie wie eine Mafia-Organisation", die mit Terror Geld mache, sagte Mazyek. Die menschenverachtenden Taten stünden mit keiner Religion in irgendeinem Kontext. "Die Anhänger von Boko Haram sind Verbrecher, die den Muslimen großen Schaden zufügen", sagte er.

Boko Haram versteht sich als Teil des Terrornetzwerks Al-Kaida. Der Name bedeutet "Westliche Bildung ist Sünde". Bei Anschlägen der Gruppe sind seit 2009 Tausende Menschen ums Leben gekommen.

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