Psychotherapeut Lütz gegen Verlängerung des Lebens "um jeden Preis"

Manfred Lütz

Foto: dpa/Thomas Schulze

Psychotherapeut Lütz gegen Verlängerung des Lebens "um jeden Preis"
Bestsellerautor Manfred Lütz lehnt aktive Sterbehilfe ebenso ab wie eine Lebensverlängerung um jeden Preis. "Man muss Menschen, die sterben wollen, auch sterben lassen", sagte der katholische Arzt und Psychotherapeut dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Frankfurt am Main.

Weder das Töten noch die manipulative Verlängerung des Lebens respektierten die Würde des Menschen. Die Kirchen böten Institutionen an, die das Sterben begleiteten, sagte Lütz. "Es wäre ratsam, das stärker in den Vordergrund zu stellen."

Viele Menschen hätten den Eindruck, die katholische Kirche wolle die Menschen nicht sterben lassen, unterstrich der Mediziner. "Das ist nicht unsere Auffassung." Abzulehnen seien allerdings gesetzliche Regelungen, die einer "Freigabe des Tötens" gleichkämen. Wenn man eine solche Tür öffne, führe das für alte, kranke oder behinderte Menschen zu einem unerträglichen Druck, sagte Lütz. "Das wäre schrecklich und würde die humane Temperatur der Gesellschaft auf den Gefrierpunkt absenken."

"Je näher das Sterben rückt, desto mehr muss der Arzt zurücktreten"

Die Freigabe der Sterbehilfe in Belgien, Luxemburg und den Niederlanden hatte eine breite internationale Diskussion ausgelöst. In Deutschland steht die gezielte Herbeiführung des Todes eines Patienten unter Strafe. Beihilfe zum Suizid ist aber erlaubt. Die beiden großen Kirchen lehnen aktive Sterbehilfe strikt ab. Mit der derzeit laufenden "Woche für das Leben" wollen sie auf die Schutzwürdigkeit des Lebens "in allen seinen Phasen" aufmerksam machen. Die Veranstaltungsreihe endet am Samstag.

Lütz verwies darauf, dass die Begriffe aktive und passive sowie direkte und indirekte Sterbehilfe das Problem vernebelten. Die Frage sei, ob man einen Menschen sterben lasse oder ihn töte. "Und da gilt für uns Christen: Du sollst nicht töten." Die Parole vom "selbstbestimmten Sterben" werde gerne von Befürwortern der Tötung verwendet, betonte der 60-Jährige. In Wirklichkeit sei etwa ein Hospiz ein Ort, an dem man selbstbestimmt sterben könne. "Je näher das Sterben rückt, desto mehr muss der Arzt zurücktreten hinter den Willen des Patienten."

Als zynisch bezeichnete Lütz das Argument einiger Sterbehilfe-Befürworter, sie wollten als Pflegefall nicht auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen sein. "Das diskriminiert alle Menschen, die Hilfe brauchen", mahnte der Mediziner. "Wir sind alle auf die Unterstützung anderer Menschen angewiesen. Das darf man nicht ausblenden." Manfred Lütz leitet das Alexianer-Krankenhaus für psychisch kranke Menschen in Köln. Zu seinen Büchern zählen "Gott. Eine kleine Geschichte des Größten", "Irre! Wir behandeln die Falschen" sowie "Lebenslust in unlustigen Zeiten".