Bulgarische Roma weisen "Sozialtourismus"-Vorwurf zurück

Bulgarische Roma weisen "Sozialtourismus"-Vorwurf zurück
In einem offenen Brief an die Bundesregierung haben bulgarische Roma-Vertreter ihre Irritation über die deutsche "Sozialtourismus"-Debatte zum Ausdruck gebracht.

Übermittelt hat das Schreiben aus Anlass des Internationalen Roma-Tages (8. April) der Bochumer Stadtsoziologe Sebastian Kurtenbach, der über die größte Roma-Siedlung Stolipinovo in Bulgarien forscht. Die Roma-Vertreter seien "ein wenig verblüfft" gewesen, dass man ihrer Minderheit unterstelle, wegen Sozialleistungen nach Deutschland zu kommen, sagte Kurtenbach am Dienstag im Deutschlandradio Kultur. "Dem ist schlichtweg nicht so." Vielmehr wollten die Menschen arbeiten.


"Die fragen nicht nach einem Formular, wo man Sozialhilfe beantragen könnte, sondern die suchen einen Job", sagte der Bochumer Soziologe. Unter den bulgarischen Roma herrsche eine "sehr viel schärfere Situation der Armut, als wir das in Mitteleuropa gewohnt sind".

So lebten beispielsweise in Stolipinovo etwa 50.000 Menschen auf eineinhalb Quadratkilometern. Die Arbeitslosenquote dort betrage nach Angaben der Roma-Selbsthilfeorganisation mehr als 90 Prozent. "Und Armut in Bulgarien unter diesen Bedingungen, ohne die wohlfahrtsstaatlichen Leistungen, die wir in Nord- und Mitteleuropa kennen (?), hat nochmal schlichtweg eine andere Dimension."

Es gebe Probleme mit der Verfügbarkeit von Waren, die Schulen seien "katastrophal" und eine Gesundheitsversorgung "kaum vorhanden", so Kurtenbach. Das Geld, das die Arbeitsmigranten aus Westeuropa schickten, sei insofern sehr wichtig. Es halte den Stadtteil zur Zeit "sehr stark am Leben."

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