"Für Frieden beten" - Weihnachten im Ostkongo

DR Congo M23 rebels 'end insurgency'

Foto: dpa/Dai Kurokawa

Eine Gruppe von M23-Rebellen sitzt auf einem Wagen - sie bereiten sich darauf vor, die Stadt Goma zu verlassen.

"Für Frieden beten" - Weihnachten im Ostkongo
Auf der Straße fielen Schüsse, die das Leben in der Stadt lähmten. Simon Masasu zeigt zum Fenster: Auch direkt hier, vor dem Pfarrhaus, wurde geschossen. Zu den Gottesdiensten kam kaum noch jemand - sofern sie überhaupt stattfanden. Masasu ist Pfarrer in Gisenyi und Goma. Die zwei Städte sind aneinander gebaut, Goma im Westen gehört zum Kongo, Gisenyi im Osten zu Ruanda. Das Pfarrhaus steht in Gisenyi nur 200 Meter von der Grenze entfernt. Seit Jahren wird in der Region zwischen Kongo, Ruanda und Uganda gekämpft, mehr als fünf Millionen Menschen sind bereits getötet worden.

Vor einem Jahr eskalierten die Spannungen: Rebellen der M23-Miliz hatten Goma eingenommen, sie mordeten und plünderten. Weihnachten 2012 war Angst und Unsicherheit. Weihnachten 2013 ist Hoffnung: Rebellen legen ihre Waffen nieder, die M23 hat aufgegeben. Zum ersten Mal seit langem scheint Frieden in der Region wieder möglich.

In den Tagen vor Weihnachten ziehen Jugendliche aus der Gemeinde von Pfarrer Masasu von Haus zu Haus, um die Menschen auf die Feiertage einzustimmen. Im vergangenen Jahr war niemand in den Straßen unterwegs, diesmal machen mehr als 100 Kinder und Jugendliche mit, erzählt Simon Masasu.

Vor einem Jahr fielen die Gebete am Heiligen Abend aus

Vor einem Jahr fielen die Gebete in der Nacht des Heiligen Abends und die Gottesdienste an den Feiertagen aus. "2012 haben wir für Frieden in unserer Region gebetet", erzählt Pfarrer Masasu. In diesem Jahr wollen sie für jeden Einzelnen beten. "Wer Frieden für sich selbst gefunden hat, kann Frieden geben."

Rund 30 verschiedene Rebellen-Gruppen sollen in der Grenzregion zwischen Ruanda und dem Kongo kämpfen. Die kongolesische Armee und Soldaten im Auftrag der Vereinten Nationen versuchen seit Jahren, die Region zu stabilisieren. Seit diesem Jahr dürfen die Truppen Rebellen aktiv bekämpfen.

Friedensabkommen: positiver Schritt für die Region

Die M23 war eine der stärksten und aggressivsten Rebellengruppen im Kongo und in Ruanda. Anfang November kündigte die Gruppe nach einer militärischen Niederlage an, die Waffen niederzulegen. Vor gut einer Woche unterzeichnete sie ein Friedensabkommen mit der kongolesischen Regierung. Experten und Politiker sehen darin einen entscheidenden positiven Schritt für die Region.

In Goma und Gisenyi sieht man diese Veränderungen auf der Straße. Normalität soll einkehren: Jedes Jahr vor Weihnachten findet am Ufer des Kivu-Sees in Gisenyi die Expo statt, ein Markt mit Musik und Präsentationen. Vor einem Jahr fiel sie aus, nun schlendern Menschen zwischen den Zelten. Soldaten und Polizisten sichern den Ort.

Auch am Grenzübergang strömen die Menschen wieder in beide Richtungen. Vor einem Jahr verlief der Fluss vor allem in eine Richtung: vom Kongo nach Ruanda. In anderthalb Jahren haben die M23-Rebellen etwa 800.000 Menschen vertrieben und zu Flüchtlingen gemacht. Viele kamen aus Goma über die Grenze nach Gisenyi.

An Weihnachten: Ganz normaler Kirchgang

Zur 50.000 Mitglieder starken katholischen Gemeinde in Gisenyi gehören deshalb viele Flüchtlinge. "Sonst nichts Besonderes, alles ist normal", sagt Eugène Urayeneza, der Priester der Gemeinde Stella Maris in Gisenyi. Wie die Protestanten gehen die katholischen Gläubigen dieses Weihnachten wieder normal zur Kirche.

In ihrem Hoffen auf Frieden sind die Konfessionen und Religionen der Region vereint. "Wir können nur für Frieden beten", sagt Urayeneza. Er sitzt in seinem Arbeitszimmer neben dem Kirchengebäude in Gisenyi. Eine Regenbogen-Flagge mit der Aufschrift "Friede" hängt hier. Von Hand wurde ein Wort in Kinyarwanda dazugeschrieben: "Danke".