Von Syrien bis Nordkorea: Hier werden Christen verfolgt

Von einer Bombe getroffene Kirche in Maaloula (Syrien)

Foto: Reuters/Omar Sanadiki

Diese Kirche in der christlichen Stadt Maaloula (Syrien) wurde von einer Bombe getroffen (August 2014).

Von Syrien bis Nordkorea: Hier werden Christen verfolgt
In vielen Ländern der Welt, vor allem aber in einigen islamischen Staaten, werden Christen nach Berichten der Kirchen und Menschenrechtsorganisationen wegen ihres Glaubens verfolgt oder unterdrückt. Ein Überblick über einige Länder, in denen die Lage besorgniserregend ist oder bis vor kurzem noch war.

NORDKOREA: Straflager für Bibelbesitz

Nordkoreaner, die von der Staatsideologie Juche abweichen, leben gefährlich. Das gilt auch für Christen. Im Weltverfolgungsindex 2014 des christlichen Hilfswerks Open Doors belegt Nordkorea zum zwölften Mal in Folge den ersten Platz. Unter dem neuen Machthaber Kim Jong Un hat sich die Lage nicht verbessert. Wer ihn nicht verehrt, wird verfolgt. Flüchtlinge erzählen, das Bekenntnis zum Christentum und der Besitz einer Bibel reiche als Grund für eine Verhaftung.

Nordkoreanische Christen beim Beten.

Allerdings gibt es keine genauen Angaben über die Verbreitung unabhängiger Christengemeinden. Laut Koreanischem Christenbund KCF, der fest im herrschenden System verankert ist und der nach Angaben von Open Doors "Showkirchen" betreibt, leben etwa 14.000 Christen in dem Land. Beobachter im Ausland gehen von weit höheren Zahlen aus - nach einigen Schätzungen sind es mehr als 400.000 gläubige Christen, die zumeist im Untergrund leben. Wer entdeckt wird, kommt in ein Straf- oder Arbeitslager. Die Zahl der inhaftierten Christen ist kaum zu ermitteln.

IRAK: Neue Terrorwelle trifft auch Christen

Es gibt im Irak Christen unterschiedlicher Konfessionen, unter anderem so genannte Chaldäer, Assyrer und Aramäer. "Wir sind die ursprünglichen Einwohner dieses Landes, wir dürfen den Irak nicht verlassen", lautet die Botschaft der Bischöfe im Zweistromland. Doch das war einmal. Seit Jahren werden die Christen durch staatliche Behörden schikaniert, in jüngerer Zeit immer stärker durch islamische Extremisten unter Druck gesetzt, entführt und vertrieben. Zuletzt jagte die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) Christen mit Gewalt aus ihren traditionellen Wohnorten wie Mossul oder Karakosch. Kreuze wurden heruntergerissen und Kirchen zerstört, die betroffenen Christen flüchteten ins nördliche Kurdengebiet und warten dort gemeinsam mit geflüchteten Jesiden auf Hilfe. "Das erste Mal überhaupt, dass Christen im Irak unter Zelten leben müssen", sagt Emanuel Youkhana, Erzpriester der Assyrischen Kirche des Ostens, der sich mit der Hilfsorganisation "Christian Aid Program Northern Iraq" (CAPNI) für die Christen im Irak engagiert.

SYRIEN: Christen sind von Gewalt bedroht

Unter dem Assad-Regime ging es Christen in Syrien nicht unbedingt schlecht. Ihr Anteil an der Bevölkerung lag bei etwa zehn Prozent und sie genossen einen gewissen Minderheitenschutz. Doch seit dem Ausbruch des Bürgerkrieges hat sich die Lage verschlechtert, auf dem Weltverfolgungsindex von Open Doors ist Syrien von Platz elf auf Platz drei nach oben gerutscht. Mehrere islamisch-extremistische Gruppen kämpfen in Syrien mit- oder gegeneinander, die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) ist auch hier auf dem Vormarsch. Christen - überwiegend syrisch-orthodoxe und römisch-katholische - leben traditionell in Gebieten, die im Krieg strategisch wichtig geworden sind, daher sind sie jetzt besonders von Gewalt bedroht und fliehen in die Nachbarstaaten und nach Europa.

PAKISTAN: Massaker in einer anglikanischen Kirche

Auf Christen in Pakistan wurde im September 2013 der bislang schwerste Anschlag gegen die Minderheit in der Geschichte des Landes verübt. Zwei Selbstmordattentäter rissen an einer anglikanischen Kirche in Peschawar nach offiziellen Angaben 86 Menschen mit in den Tod. In der Gemeinde ist von mehr als 150 Opfern die Rede. Zwar werden Christen im mehrheitlich islamischen Pakistan oft zur Zielscheibe meist absurder Blasphemievorwürfe, in deren Folge auch Menschen getötet werden. Massaker an Christen wie in Peschawar hat es vorher aber nicht gegeben. In der Regel können Christen ihre Gottesdienste weitgehend ungestört feiern - wenn auch hinter hohen Schutzmauern. In dem muslimischen Land liegt der Anteil der Christen laut Open Doors bei 2,5 Prozent.

NIGERIA: Besonders Mädchen sind in Gefahr

Vor allem im islamischen Norden des Landes werden Christen drangsaliert und unterdrückt. Die islamistische Sekte Boko Haram setzt den Kampf für einen islamischen Staat und gegen die Christen fort: Bei Anschlägen auf Kirchen gibt es immer wieder Tote und Verletzte. Kinder werden zu Islamunterricht gezwungen, Mädchen zwangsweise verheiratet und islamisiert. Im Frühjahr 2014 wurden mehr als 200 Schülerinnen von Boko Haram verschleppt. Aus Angst vor dem islamistischen Terror sind Zehntausende in den christlich gepägten Süden geflohen. Boko Haram lehnt sich nicht zuletzt gegen den christlichen Präsidenten Goodluck Jonathan auf.

SUDAN: Regierung macht Jagd auf Christen

Während der neu gegründete südliche Staat Südsudan christlich-animistisch geprägt ist, leben im nördlichen Staat Sudan überwiegend Muslime. Der Präsident des Sudan, Omar al-Bashir, hat angekündigt, aus dem Norden einen islamischen Staat gemäß den Regeln der Scharia zu machen. Dementsprechend bedroht sind die Christen, die im Norden leben. Der Sudan steht auf dem Weltverfolgungsindex von Open Doors auf Platz 11. Laut der Hilfsorganisation schließt oder konfisziert die Regierung Kirchengebäude und schreckt auch nicht davor zurück, Christen gezielt anzugreifen und zu vertreiben. Besonders bedroht sind Konvertiten, also Christen, die vorher Muslime waren. Apostasie, die Abkehr vom Islam, wurde auch Meriam Ibrahim vorgeworfen: Der Fall der zum Tode verurteilten jungen Frau hatte weltweit Aufsehen erregt. Ibrahim kam frei und konnte im Juli in die USA ausreisen

ÄGYPTEN: Aufatmen über neue Verfassung

Knapp zehn Prozent der Ägypter sind Christen, die meisten von ihnen gehören der koptisch-orthodoxen Kirche an. Die christliche Minderheit gehört zu den Gewinnern des Machtwechsels in Kairo. Zwar hatten Extremisten während der gewaltsamen Niederschlagung von Protesten der Muslimbrüder mehrere Kirchen und christliche Schulen verwüstet.

Doch in dem später verabschiedeten Entwurf für eine neue Verfassung sind die Rechte der Christen stärker verankert als in der Verfassung, die 2012 unter dem islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi beschlossen worden war. Christen klagen dennoch weiterhin über Diskriminierung, besonders auf dem Land. Open Doors warnt vor dem im Mai 2014 neu gewählten Präsident al-Sisi, der "den grundlegenden Menschenrechten und dem demokratischen Pluralismus eher skeptisch bis ablehnend gegenüber" stehe. Die religiöse Freiheit von Christen sei nicht gesichert.

CHINA: Christen unter staatlicher Kontrolle

Die Situation der Christen in China hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Open Doors bescheinigt Peking Fortschritte für die auf 80 Millionen geschätzten Christen im Land. Doch die Kirchen werden staatlich kontrolliert: Peking schreibt etwa vor, dass sich Protestanten in der sogenannten Drei-Selbst-Patriotischen-Kirche und Katholiken in der Katholisch-Patriotischen Vereinigung registrieren müssen. Es gibt staatlich anerkannte "rote" und illegale "schwarze" Kirchen: Wer die Staatskirchen ablehnt, dem bleiben nur geheime Hausgemeinden und der Untergrund. Schwierig einzuordnen sind die Vorfälle im vergangenen Frühjahr in der Provinz Zhejiang: Dort wurden Kirchen durch staatliche Gewalt zerstört und abgerissen - selbst die genehmigten Gebäude.