Familienpapier: Theologe kritisiert "unevangelischen" Umgang mit Bibel

Familienpapier: Theologe kritisiert "unevangelischen" Umgang mit Bibel
Der Theologieprofessor Wilfried Härle hat die Verfasser der EKD-Orientierungshilfe zu Ehe und Familie heftig angegriffen. Er wirft ihnen einen "unevangelischen" Umgang mit der Bibel vor.

Das Papier des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland setze an die Stelle der Heiligen Schrift verschiedene Textauslegungen von Theologen und Kirchen, sagte Härle am Samstag in Bad Boll. "Wenn unsere Auslegungen an die Stelle des biblischen Textes treten, verlieren wir die Orientierung", so der evangelische Theologe, der von 1998 bis 2010 Vorsitzender der EKD-Kammer für Öffentliche Verantwortung war.

In der Orientierungshilfe mit dem Titel "Zwischen Autonomie und Angewiesenheit - Familie als verlässliche Gemeinschaft stärken" wird eine Anerkennung aller Familienformen gefordert. Darunter fallen auch homosexuelle Lebensgemeinschaften oder Patchworkfamilien. Katholiken, aber auch prominente Protestanten kritisieren, dadurch werde die traditionelle Ehe zwischen Mann und Frau entwertet.

Härle kritisierte, dass die Orientierungshilfe undifferenziert auf die Vielfalt von Lebensformen in der Bibel hinweise. Dabei nehme die Heilige Schrift Wertungen vor, wenn etwa die Polygamie in verschiedene Familien "Kummer und Herzeleid" hineinbringe. Die Kirche sei durch die Orientierungshilfe nun herausgefordert, ein neues Leitbild zu Ehe, Familie und Lebensformen zu entwickeln.

Karle begrüßt Gleichstellung homosexueller Paare

Die Theologieprofessorin Isolde Karle unterstützte bei der Tagung der Evangelischen Akademie Bad Boll die in dem EKD-Text geforderte Gleichstellung homosexueller Paare. Auch bei solchen Paaren seien Verantwortung und Verlässlichkeit zu finden, an der der Kirche so viel liege. Ein komplementäres Geschlechterverhältnis lasse sich nicht biblisch begründen. Problematisch seien dagegen polygame und polyamore Partnerschaften; verurteilen müsse man inzestuöse und pädophile Beziehungen.

Der Theologieprofessor Klaus Tanner warf der Orientierungshilfe vor, sozialpolitische Forderungen von einer höheren Warte aus aufzustellen, ohne die bereits bestehende Debatte in Politik und Gesellschaft abzubilden. Tanner forderte eine Einordnung der Frage nach den Rechten gleichgeschlechtlicher Paare. So habe es seit 2001 in Deutschland nur 27.000 eingetragene Lebenspartnerschaften gegeben, gleichzeitig aber 3,8 Millionen Eheschließungen. Die Ehe dürfe aus evangelischer Sicht zwar nicht idealisiert werden, doch sei ihre Verankerung etwa im Bürgerlichen Gesetzbuch eine Folge des christlichen Ehegedankens.

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