EKD-Friedensbeauftragter Brahms erinnert an deutsche Verantwortung

Friedenstaube

Foto: Photocase/Miss Jones

EKD-Friedensbeauftragter Brahms erinnert an deutsche Verantwortung
Deutschland hat nach Ansicht des evangelischen Friedensbeauftragten Renke Brahms eine besondere Verantwortung, sich weltweit gegen Gewalt einzusetzen.

Der jahrzentelange Frieden in fast allen Regionen Europas verpflichte zur Hilfe für Menschen in Not, sagte der Beauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) am Donnerstag dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Rande der 10. Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) im südkoreanischen Busan. Wer das Glück habe, Teil der "europäischen Friedensgeschichte" zu sein, dürfe gegenüber anderen nicht gleichgültig werden.

Deutschland habe aus seiner Geschichte heraus zudem eine besondere Verantwortung "für eine deutliche Stärkung der zivilen und gewaltfreien Konfliktbearbeitung". Daraus müsse auch eine schärfere Kontrolle und Reduzierung der Waffenexporte folgen, betonte Brahms. 

Pilgerreise für den Frieden

Auf seiner an diesem Freitag zu Ende gehenden Vollversammlung, die nur alle sieben Jahre tagt, rief der ÖRK eine "Pilgerreise" für Gerechtigkeit und Frieden für die nächsten Jahre aus. Die Tagung mit rund 3.000 Delegierten steht unter dem Motto "Gott des Lebens, weise uns den Weg zu Gerechtigkeit und Frieden." Der Weltkirchenrat repräsentiert mehr als 500 Millionen Christen weltweit. 

Brahms zufolge kommt dem Tagungsort Südkorea eine besondere Bedeutung zu. "Ihr Deutschen müsst mehr erzählen von euren Erfahrungen mit der Wiedervereinigung", habe er oft von Koreanern gesagt bekommen. Zugleich warnte Brahms davor, den Koreanern "kolonialistisch" mit gut gemeinten Ratschlägen zu begegnen.

Koreaner wollen mehr über deutsche Wiedervereinigung erfahren

Bei vielen Gemeinsamkeiten unterscheide sich die Geschichte Koreas von der deutschen erheblich. "Wir konnten ja wenigstens Pakete schicken", sagte der leitende Bremer Theologe mit Blick auf die Spaltung Deutschland in einen West- und Ostteil. Dennoch sei er schon lange nicht mehr an das "Wunder der deutschen Wiedervereinigung" erinnert worden, wie auf dem ÖRK-Kongress in Südkorea.

Zuvor hatte der Weltkirchenrat konkrete Schritte zur Wiedervereinigung von Nord- und Südkorea gefordert. Nach Jahrzehnten des Konflikts müsse ein Friedensvertrag das Waffenstillstandsabkommen von 1953 ersetzen. Eine Normalisierung der Beziehungen zwischen Süd- und Nordkorea könnte der Wiedervereinigung des Landes den Weg ebnen.

Die 350 ÖRK-Mitgliedskirchen haben sich dazu verpflichtet, zu humanitären Lösungen beizutragen. Dazu gehöre die Problematik getrennter Familien, ein freier Briefwechsel sowie gegenseitige Besuche.