"Germany is very good"

Warteschlange in der zentralen Aufnahmeeinrichtung für Asylbewerber in Berlin.

Foto: epd-bild/Rolf Zöllner

In der zentralen Aufnahmeeinrichtung für Asylbewerber in Berlin stehen die Menschen Schlange.

"Germany is very good"
Sie kommen aus Russland, Vietnam, Syrien oder Afghanistan. Sie haben Geld für Schleuser bezahlt und ihr Leben riskiert. Doch in der zentralen Aufnahmeeinrichtung für Asylbewerber in Berlin hebt sich bei vielen von ihnen die Stimmung: Hier bekommen Asylsuchende Unterstützung und treffen Menschen aus anderen Ländern. Die Anlaufstation liegt mitten in der Stadt.

Fast alle Plätze sind besetzt, manche haben schwere Reisetaschen dabei, einzelne Gruppen stehen an Tischen, Kinder spielen zwischen Stuhlreihen, in der Luft liegt ein babylonisches Sprachgewirr. An der Decke des großen Raums hängen mehrere Bildschirme, darauf Warte- und Zimmernummern: "Wir haben heute Vormittag etwa 170 Menschen registriert", sagt Vilwanathan Krishnamurthy, bevor er zur Mittagspause verschwindet.

Der Sachbearbeiter sitzt zusammen mit zwei weiteren Kollegen hinter einem langen Tresen der Zentralen Aufnahmeeinrichtung für Asylbewerber in Berlin. Für viele Neuankömmlinge ist Krishnamurthy der erste Behördenkontakt in Deutschland überhaupt.

Fotofix-Bilder und Fahrkarten werden bezahlt

Mit dem Aufnahmebogen und einem Laufzettel in der Hand geht es dann weiter im Haus. Dabei helfen bis zu 18 Dolmetscher, sogenannte Sprachmittler, die meist mehrere Sprachen verstehen. Die Ankömmlinge müssen etwa Passfotos machen für ihre "Bescheinigung über die Meldung als Asylsuchender". Chips für den Fotofix-Automaten gibt's vom Amt.

Außerdem erhalten sie Fahrscheine für die Fahrt zu einem der beiden Wohnheime, die als Erstaufnahmeeinrichtungen dienen. Oder sie werden in ein anderes Bundesland überwiesen - gemäß dem sogenannten Königsteiner Schlüssel, der die Quoten festlegt - und erhalten dafür eine Bahnkarte. Das eigentliche Asylverfahren läuft über das Bundesamt für Migration und Zuwanderung.

Die Berliner Anlaufstelle für Asylbewerber liegt mitten auf dem Gelände des ehemaligen Krankenhauses Moabit im Zentrum der Hauptstadt. Vor dem modernen Plattenbau stehen Bänke und mehrere Biertische. Auffallend viele junge Männer und Frauen zwischen 20 und 35 Jahren sind zu sehen, zahlreiche Kinder.

Zu Fuß, per Schiff und mit der Eisenbahn

In der Sonne sitzt eine Familie mit drei kleinen Kindern. Sie sind vor zwei Wochen aus Syrien geflohen, erzählt der Familienvater auf Arabisch. Sein Schwager, der schon lange in Berlin lebt, übersetzt. Zunächst ging es zu Fuß in die Türkei, dann weiter per Schiff und mit der Eisenbahn.

Die genaue Route kennt der Syrer mit palästinensischen Wurzeln nicht, sie wurde ihnen nicht gesagt. Pro Erwachsenem hätten sie 7.000 Euro an die Schleuser bezahlt, sagt er. In Damaskus hatte er ein Kleidergeschäft. Jetzt hofft die Familie, beim Bruder der Frau in Berlin auf einen Neuanfang: "Germany is very good", sagt er hoffnungsvoll und seine fünfjährige Tochter lacht dazu.

An erster Stelle der Asylsuchenden in Berlin stehen zur Zeit Menschen aus der Russischen Föderation, sagt Silvia Kostner, Sprecherin des Landesamtes für Gesundheit und Soziales, das für die Aufnahmeeinrichtung zuständig ist. Auch Vietnamesen, die derzeit aber offenbar keine großen Asyl-Chancen haben, Serben, Afghanen und eben Syrer hoffen auf einen Neubeginn in der Hauptstadt.

Trotz der vielen Menschen, denen tagtäglich der Weg in die deutsche Gesellschaft gewiesen werden muss, herrscht eine gute Stimmung in der Behörde, sagt Kostner. Das liege sicherlich auch daran, dass viele Mitarbeiter selbst einen Migrationshintergrund haben.

Keinen in die Obdachlosigkeit entlassen

Fahem Tahir etwa, ganz in Schwarz gekleidet und für die Sicherheit zuständig, steht breitbeinig in der offenen Zwischentür zwischen Warteraum und einem Raum der Sachbearbeiter. Der aus Tunesien stammende Tahir lebt seit mehr als 20 Jahren in Deutschland. Immer wieder gibt es Ratsuchende, denen er helfen kann, sei es auf Arabisch, Italienisch, Englisch, Französisch oder Deutsch. Er erzählt, dass er bei seinem Job mache Beleidigung einstecken muss. Trotzdem findet er es gut, dass Asylsuchenden hier geholfen wird.

Bis zu 5.000 neue Asylbewerber erwartet Berlin in diesem Jahr. Ein Asylverfahren kann sich über viele Monate hinziehen. Für ihre Unterbringung werden derzeit leerstehende Gebäude zu Wohnheimen umgebaut. Weil Wohnraum knapp ist, gibt es zehn Notunterkünfte. Teilweise gibt es dagegen auch Protest von Anwohnern. Aber, betont Kostner, "wir haben schließlich die Verpflichtung, keinen in die Obdachlosigkeit zu entlassen".