NABU: Fast alle Kreuzfahrtschiffe schaden Umwelt und Gesundheit

NABU: Fast alle Kreuzfahrtschiffe schaden Umwelt und Gesundheit
Nur drei von 20 neuen Schiffen schneiden passabel ab
Nur drei von insgesamt 20 neuen Kreuzfahrtschiffen werden mit umweltschonender Technik ausgerüstet, wie der Naturschutzbund NABU am Dienstag in Hamburg mitteilte.

Damit seien diese Neubauten zwar nicht umweltfreundlich, aber "immerhin nur graue Schafe unter den vielen schwarzen", sagte NABU-Verkehrsexperte Dietmar Oeliger bei der Präsentation des "Kreuzfahrtschiff-Rankings".

Der NABU hat 20 der zwischen 2013 und 2016 für den europäischen Markt vom Stapel laufenden Schiffe auf ihre Abgastechnik untersucht. Es sei das erste Mal, dass es Unterschiede gebe, sagte Oeliger. Beim ersten Ranking im vergangenen Jahr sei noch für kein Schiff eine Abgasreinigung geplant gewesen. 

Die Neubauten von Hapag-Lloyd und TUI Cruises würden mit Stickoxid-Katalysatoren ausgestattet. Einen Rußpartikelfilter bekämen jedoch auch diese Schiffe nicht. Die Ausstattung mit einem sogenannten Scrubber, einer Entschwefelungsanlage, sei nicht in die Wertung mit eingeflossen, da sie sehr umstritten sei.

20 Schiffe stoßen so viel aus wie 120 Autos

Klarer Verlierer des NABU-Rankings war die Rostocker Reederei Aida. "Anspruch und Wirklichkeit klaffen bei dem Unternehmen weit auseinander", sagte Oeliger. "Von bereits angekündigter Abgastechnik ist derzeit nichts mehr zu hören." Aida kündigte an, ihre Schiffe ab 2015 mit "Dual-Fuel-Motoren" auszustatten. Diese könnten mit allen Schiffstreibstoffen oder umweltfreundlichem Flüssiggas betrieben werden. Welchen Treibstoff sie dann aber tatsächlich einsetzen, beantwortete die Reederei auf epd-Anfrage nicht.

Der internationale Kreuzfahrtverband "Cruise Lines International Association" (CLIA) sprach von "kontinuierlichen Fortschritten der Kreuzfahrtindustrie beim Umweltschutz". Dass ein Kreuzfahrtschiff so viele Emissionen ausstoße wie fünf Millionen Pkw auf gleicher Strecke, sei eine unzutreffende Behauptung, sagte Helge Grammerstorf von CLIA Deutschland.

Laut NABU stößt ein modernes Kreuzfahrtschiff täglich 450 Kilogramm Rußpartikel, 5.250 Kilogramm Stickoxide und 7.500 Kilogramm Schwefeloxide aus. Die Schadstoffbelastung, die von den untersuchten 20 Schiffen ausgehe, entspreche damit insgesamt der von rund 120 Millionen modernen Autos.

Ruß schadet der Gesundheit

Vor zwei Jahren hatte der NABU die Kampagne "Mir stinkt's! Kreuzfahrtschiffe sauber machen" gestartet, um auf die Gesundheits- und Umweltgefährdung durch die Ozeanriesen aufmerksam zu machen. Grund für die hohe Belastung ist der Antrieb mit Schweröl, durch den ungefilterte Stickoxide und Rußpartikel freigesetzt werden. Die Umweltschützer fordern eine Schadstoff-Filterung bei Schiffen, die mit Schweröl betrieben werden, beziehungsweise die Umstellung auf schadstoffärmeren Schiffsdiesel.

Weltweit kämen nachweislich etwa 50.000 Menschen durch Schiffsemissionen ums Leben, sagte Axel Friedrich, selbstständiger Berater für Verkehr und Luftreinhaltung. Die freigesetzten Rußpartikel seien so klein, dass sie nicht nur die Lunge befallen, sondern auch in den Blutkreislauf eindringen, erklärte der Experte, der Umweltorganisationen und Behörden berät. "Ein Rußfilter würde sie zu 99,9 Prozent herauslösen." Gefährdet seien nicht nur die Passagiere, sondern auch die Bewohner der angelaufenen Hafenstädte.

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