Sein Lieblingsplatz ist auf der Empore

Burger, Eberhard

Foto: epd-bild/Norbert Neetz

Eberhard Burger, Baudirektor der Dresdner Frauenkirche, neben einem seiner Enkel.

Sein Lieblingsplatz ist auf der Empore
Frauenkirchen-Baudirektor Eberhard Burger wird 70 Jahre alt
Die Dresdner Frauenkirche ist sein Lebenswerk. Als Baudirektor hat Eberhard Burger ihren Wiederaufbau geleitet. Am Freitag wird der hochgewachsene Mann 70 Jahre alt. Seit 2007 im Ruhestand, lässt ihn der Barockbau dennoch nicht los.

Einen Vergleich mit Barockbaumeister George Bähr hat er immer abgelehnt. "Er hat die Frauenkirche entworfen, ich habe sie nur mit aufgebaut", sagt Eberhard Burger. Mehr als zehn Jahre lang begleitete Burger den Wiederaufbau der Dresdner Barockkirche. Am Freitag feiert der frühere Baudirektor seinen 70. Geburtstag.

Der gebürtige Berliner siedelte mit seiner Familie 1951 nach Dresden über, studierte Ingenieurwesen und ließ sich in der Elbestadt nieder. Nach Tätigkeiten im DDR-Industriebau wechselte Burger 1980 ins Baureferat der sächsischen Landeskirche. An Dresden schätzt er die Überschaubarkeit, genau wie bei der Frauenkirche. Den Kölner Dom hätte er vermutlich nicht als Baustelle übernommen. Der ist ihm wie die Hauptstadt Berlin viel zu groß, sagt er nüchtern.

Burger war von 1992 bis zur Weihe 2005 Chef des Wiederaufbaus der Frauenkirche. 2007 wurde er als Baudirektor und Geschäftsführer der Stiftung Frauenkirche in den Ruhestand verabschiedet. Der Bauexperte gilt als ruhig und besonnen. Doch die Rekonstruktion der Frauenkirche, eine handwerklich wie technische Meisterleistung, dürfte den verheirateten Vater zweier Kinder trotz seiner beherrschten Art auch viel Kraft gekostet haben. An sechs Tagen in der Woche habe er zehn bis zwölf Stunden gearbeitet, erinnert er sich. Dazu Geldsorgen, ein Orgelstreit und der ständige Druck der Öffentlichkeit.

Sechs bis acht Baustellen gleichzeitig

Einziger Vorteil: Anders als zuvor hatte er nur noch eine Baustelle im Kalender, noch dazu in Wohnortnähe. Zuvor betreute Burger Projekte wie den Wurzener Dom und die Dresdner Dreikönigskirche, manchmal sechs bis acht Baustellen gleichzeitig. Er sei viel unterwegs gewesen. Doch der Wiederaufbau der Frauenkirche, der zunächst sogar von vielen Dresdnern abgelehnt wurde und für den kaum Geld vorhanden war, schlug ein. Die Dresdner Bank wurde als Sponsor gewonnen, die Spenden flossen. Insgesamt kostete der Wiederaufbau knapp 183 Millionen Euro.

"Dass es so rasant vorangeht, hat keiner gedacht", sagt Burger rückblickend. Als die Außenmauern wuchsen, sei vielen klargeworden: "Mensch, die schaffen das!" Dabei musste vieles erst wieder entdeckt, die handwerklichen Fähigkeiten neu erlernt werden. "Ich musste mich mit vielen Dingen beschäftigen, von denen ich vorher nichts gewusst habe", sagt der ehemalige Baudirektor.

"Unseren Weg unbeirrt gegangen"

Oft sei der richtige Weg erst beim Bau gefunden worden. Dafür habe es auch immer wieder "Probeschritte" gegeben. Burger nennt unter anderem die Farbgebung der Kuppel. Gedanken um den Wiederaufbau hätten sich schließlich seit den 1950er Jahren viele gemacht. Einige haben sich dann auch zu Wort gemeldet. "Wir sind unseren Weg unbeirrt weitergegangen", sagt Burger.

Dass über der Frauenkirchen-Baustelle ein besonderer Geist wehte, habe er deutlich gespürt, sagt der bekennende evangelische Christ Burger. Das gemeinsame Feiern der Gottesdienste in der Unterkirche habe die Bauarbeiter sehr beeindruckt. Viele hätten den Weg zur Kirche zurückgefunden. Es sei auf der Baustelle nie gebrüllt worden. Alle hätten sich in den Dienst einer großen Sache gestellt.

Waldschlösschenbrücke schlanker gemacht

Doch Burger sorgte auch außerhalb des international beachteten Großprojekts für Schlagzeilen, so etwa mit seinem Engagement im Dresdner Welterbestreit. Mit einer Expertengruppe versuchte er, die umstrittene Waldschlößchenbrücke etwas schlanker zu gestalten. Stolz zeigt er seine Entwürfe, die inzwischen umgesetzt sind. Kurz vor der Fertigstellung der Elbbrücke sagt er: "Man kann damit leben."

In der Frauenkirche hat er seinen Lieblingsplatz auf der zweiten Empore in der Mitte. Von dort aus habe der Besucher den gesamten Raum vor sich, könne die freundliche, fröhliche Ausmalung der Kirche sehen und das Konzept George Bährs am besten nachvollziehen, betont Burger.

Zahlreiche Ehrenämter

Wünsche hat der Jubilar vor allem für seine Familie: Dass der Zusammenhalt so bleibt wie er ist, steht bei dem vierfachen Großvater ganz oben an. In zwei Jahren wollen er und seine Frau Goldene Hochzeit feiern. Im Ruhestand bekleidet Burger mehrere Ehrenämter. Er ist Domherr in Wurzen, im Stiftungsrat der Frauenkirche tätig und Vorsitzender des dortigen Bauausschusses. Und auch an seinem Geburtstag lässt ihn die Frauenkirche nicht los: Der Tag beginnt mit einer Andacht in der Unterkirche des Barockbaus. Rund 200 Gäste werden erwartet.