Reise zu den Wurzeln: Papst Franziskus in Brasilien

Papst Franziskus bei einer Generalaudienz in Rom

Foto: dpa/Ettore Ferrari

Papst Franziskus, hier bei einer Generalaudienz im Petersdorm in Rom, macht vieles anders als seine Vorgänger. Bei seinem Besuch des Weltjugendtages in Rio wird er unter anderem auch eine Favela besuchen.

Reise zu den Wurzeln: Papst Franziskus in Brasilien
Papst Franziskus fliegt am Montag zum Weltjugendtag nach Brasilien. Für den früheren argentinischen Erzbischof wurde das Programm erweitert: Das Oberhaupt der katholischen Kirche will auch Kranke und Arme treffen. Es ist seine erste Auslandsreise.

Wenn Papst Franziskus an diesem Montag zu seiner ersten Auslandsreise außerhalb Italiens aufbricht, zieht es ihn zum 28. Weltjugendtag nach Brasilien. Für den bereits unter seinem Vorgänger Benedikt XVI. geplanten Besuch wurde allerdings das Programm angepasst: Neu aufgenommen sind Abstecher in eine Favela und in ein Krankenhaus. Franziskus ist der dritte Papst, der Brasilien besucht. Johannes Paul II. war viermal in dem Land mit den weltweit meisten Katholiken, Benedikt XVI. ein Mal. Der Weltjugendtag findet vom 23. bis 28. Juli in Rio de Janeiro statt.

Ein besonderer Akzent im Programm des Papstes ist ein Besuch im Marienwallfahrtsort Aparecida. An der Pilgerstelle will der ehemalige Erzbischof von Buenos Aires nicht nur - wie Benedikt XVI. und Johannes Paul II. - einer starken Marienfrömmigkeit Ausdruck verleihen. In Aparecida fand auch 2007 die Vollversammlung der lateinamerikanischen Bischofskonferenzen statt. Deren Schlussdokument gestaltete der heutige Papst damals entscheidend mit. Seit seinem Amtsantritt übergibt Franziskus jedem Politiker aus Lateinamerika bei Audienzen dieses Dokument als Lektüre für den Rückflug. Als "Redaktionsleiter" skizzierte der damalige Kardinal Jorge Mario Bergoglio darin das Bild einer katholischen Kirche an der Seite der Armen, die mehr Raum für Laien und Frauen bieten muss. Diesem Bild entspricht auch, dass der Papst nun eine Favela, ein Armenviertel, am Stadtrand von Rio besuchen will.

Der emeritierte Erzbischof von Sao Paolo, Claudio Hummes, gibt sich gewiss, das Franziskus dabei noch stärker eine neue Ausrichtung der Kirche entwickeln werde. Für den Papstvertrauten steht bei der Reise Franziskus' Idee einer Kirche im Vordergrund, die sich an die Peripherien der Welt begibt, zu den Armen und Bedürftigen, die nicht große Projekte benötigen, sondern häufig nur "ein Lächeln, eine Umarmung, Ermutigung, Verständnis für ihr Leben und Trost".

Kein Papamobil, keine Pressekonferenz im Flieger

Die Polizeipräsenz auf den Straßen, an denen der Papst so nah wie möglich Kontakt zu den Menschen suchen möchte, bat der Vatikan auf das Nötigste zu beschränken. Die Organisatoren des Weltjugendtags sollen zudem gebeten worden sein, bei Papst-Auftritten an der Copacabana keine Soldaten mit Gewehren einzusetzen. Angst vor gewaltsamen Protesten hegen die Organisatoren laut Vatikansprecher Federico Lombardi nicht.

Überdies wird Franziskus den Angaben zufolge auf das gepanzerte Papamobil verzichten. Stattdessen wolle er bei den Veranstaltungen an der Copacabana einen offenen weißen Jeep wie bei den Generalaudienzen auf dem Petersplatz benutzen. Zum Abendgebet und zur Abschlussmesse am 28. Juli werden in Rio 1,5 Millionen Menschen erwartet.

Vatikansprecher Lombardi gab vor wenigen Tagen bekannt, dass Franziskus während des Flugs nach Rio keine Pressekonferenz abhalten werde, wie dies seine beiden Vorgänger bei Auslandreisen getan hatten. Franziskus wolle vielmehr die einzelnen Journalisten persönlich kennenlernen, erklärte Lombardi. Ob Papst-Äußerungen aus diesen persönlichen Begegnungen veröffentlicht werden dürfen, ist noch offen.

Es sei eine besondere Reise, weil der "Papst vom anderen Ende der Welt" auf den Kontinent seiner Herkunft reise, sagte Lombardi. Der 28. Weltjugendtag steht unter dem biblischen Motto "Geht und macht zu Jüngern alle Völker". Die Großveranstaltung findet alle zwei bis drei Jahre statt, zuletzt 2011 in Madrid.