Botsuana teilt seine Diamanten

Botsuana teilt seine Diamanten

Foto: epd/Benjamin Duerr

Dimakatso Nnume aus Old Naledi, dem Armenviertel von Botsuanas Hauptstadt Gaborone, verkauft vor ihrem Haus Bananen, Handyguthaben und Kaugummis. Demnächst könnte ihr Haus auf Staatskosten renoviert werden, so wie die Nachbarhütten.

Botsuana teilt seine Diamanten
In den Armenvierteln werden neue Straßen gebaut und Häuser gestrichen: Anders als viele andere afrikanische Staaten lässt Botsuana die Menschen am Rohstoff-Reichtum teilhaben. Die Diamanten füllen jährlich Milliarden in die Kassen des Landes.

Die Häuser der Nachbarn haben bereits einen neuen Anstrich. Sie leuchten in hellem blau und rosa. Demnächst, hofft Dimakatso Nnume, könnte auch ihr Haus mit der Nummer 08-007 an der Reihe sein. Die stämmige Frau mit den kurzen Locken und der sanften Stimme sitzt hinter einem Tisch im Armenviertel von Gaborone, auf dem sie Kaugummis, Handy-Guthaben und Bananen verkauft.

Nach und nach renoviert die Verwaltung der botsuanischen Hauptstadt nun die Gebäude des Viertels Old Naledi. Das Geld dafür stammt aus den Diamanten-Minen des Landes. In vielen anderen Ländern Afrikas, etwa im Kongo, heizen die Rohstoffvorkommen Bürgerkriege an. In Botsuana dagegen soll der Reichtum sozialen Frieden bringen - indem die Bevölkerung davon profitiert.

Die Diamanten sorgen für ein Drittel des Bruttoinlandsprodukts

"Botsuana ist äußerst gut darin, den Reichtum unter der Erde - die Diamanten - in Reichtum über Tage, etwa Bildung und Humankapital, zu transformieren", erklärt Rick van der Ploeg, Wirtschaftsprofessor an der Universität im englischen Oxford. "Grundsätzlich wäre es zwar besser, die Einnahmen in einem unabhängigen Fonds anzulegen", sagt er. "In vielen Entwicklungsländern herrscht allerdings ein Mangel an Kapital, deshalb ist es für solche Länder sinnvoll, das Diamanten-Geld für Investitionen im Land zu verwenden."

Die Hälfte der Staatseinnahmen und ein Drittel des Bruttoinlandsprodukts - etwa 3,3 Milliarden US-Dollar - kommen in dem Land im südlichen Afrika aus dem Diamanten-Handel. Die Regierung ist am Joint-Venture-Bergbauunternehmen "Debswana" beteiligt, das die Edelsteine fördert: 50 Prozent der Einnahmen gehören dem Diamanten-Konzern De Beers, 50 Prozent der Regierung.

Zwar fließt auch ein beträchtlicher Teil des Diamanten-Geldes ins Militär, doch in Botsuana werden mit den Einnahmen unter anderem auch viele Straßen gebaut und Jobs geschaffen. Dimakatso Nnume und ihre Nachbarin Gaonyadiwe Keithatile im Armenviertel Old Naledi bekommen 400 Pula im Monat, etwa 37 Euro. Dafür müssen sie ihre Kreuzung sauber halten. Die Stadtverwaltung stellt Leute an, die die neuen Teerstraßen kehren oder Gras mähen. "Das ist nicht viel" sagen Nnume und Keithatile. "Aber davon können wir zumindest die Miete zahlen."

"Die meisten würden normalerweise keine Kredite bekommen"

Ein anderes Projekt, das mit dem Diamantengeld finanziert wird, ist die "Agentur für Selbsthilfe beim Wohnungsbau": Arme Familien bekommen zinslose Kredite und Zuschüsse, um sich damit ein Dach über dem Kopf zu errichten. Oft teilten sich in den Armenvierteln sieben oder mehr Menschen eine Ein-Zimmer-Wohnung, sagt Agentur-Mitarbeiterin Neo Lesego Seitshiro. "Die meisten Bewohner würden normalerweise keine Kredite bekommen", erklärt sie. Deshalb zahle ihnen die Regierung bis zu 45.000 Pula, fast 4.000 Euro für das Baumaterial.

Die Strategie "Mit Diamanten gegen die Armut" zeigt Erfolge: Laut dem internationalen Wirtschaftsbericht "African Economic Outlook" ist die Zahl der Menschen unter der Armutsgrenze zwischen 2002 und 2010 von 31 auf 21 Prozent gesunken. Botsuana gilt daher nicht nur wegen seiner politischen Stabilität als Vorbild in Afrika, sondern auch wegen der Fortschritte im Kampf gegen die Armut.

Der Schatz im Boden ist endlich

Der Weg ist allerdings noch lang. Trotz eines starken Wirtschaftswachstums sei die Zahl der Armen und Arbeitslosen noch immer sehr hoch, heißt es im "African Economic Outlook". Auch die Einkommensunterschiede und die Perspektivlosigkeit von Jugendlichen seien weiterhin Probleme.

Dennoch soll Botsuana in den kommenden Jahren, so ein ehrgeiziger Plan der Regierung, ein Land mit mittleren Einkommen werden. Mit Investitionen in Bildung und die Köpfe der Menschen will es dabei unabhängiger werden von dem Schatz in seinem Boden. Denn der ist endlich. Schon in ungefähr zwanzig Jahren könnte der letzte Diamant gefördert sein.