"Vierhändig" verfasste Enzyklika über den Glauben

Franziskus und Benedikt

Foto: dpa/Handout

Papst Franzikus betet gemeinsam mit dem emeritierten Papst Benedikt im Castel Gandolfo, am 23. März 2013.

"Vierhändig" verfasste Enzyklika über den Glauben
Lehrschreiben belegt theologische Kontinuität von Benedikt zu Franziskus
Einmaligkeit in der Kirchengeschichte: Auch wenn als Autor Franziskus genannt wird, stammt die Substanz seiner ersten Enzyklika als Papst vom Vorgänger Benedikt XVI. Das Lehrschreiben warnt vor einem Verlust des Glaubens an Gott.

Die Weltöffentlichkeit bejubelt Papst Franziskus wegen seiner lockeren Umgangsformen als Reformer. Doch Kirchenexperten warnen vor überhöhten Erwartungen an das aus Argentinien stammende Kirchenoberhaupt. Dieser stehe wie sein Vorgänger Benedikt XVI. für eine konservative Theologie. Die erste Enzyklika von Franziskus bestätigt das: es handelt sich um einen Entwurf des emeritierten Papstes Benedikt XVI., dem der Nachfolger eigene Kapitel hinzufügte.

"Lumen fidei" (Licht des Glaubens) war ursprünglich als Abschluss einer Trilogie gedacht. Der im Februar zurückgetretene Benedikt hatte zuvor bereits zwei Enzykliken den Themen Liebe und Hoffnung gewidmet. Zu dem von ihm persönlich ausgerufenen Jahr des Glaubens sollte eine entsprechende Enzyklika über die Grundlagen des Glaubens erscheinen.

Säkularisierte Gesellschaften sind Gottvergessen

Am Freitag stellten die Präfekten der Glaubens- und der Bischofskongregation, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller und Kardinal Marc Ouellet, die in mehreren Sprachen - darunter in Deutsch - erschienene Enzyklika vor. "Alles ist Franziskus, und vieles ist Benedikt", sagte Kardinal Ouellet auf die Frage, welchem der beiden Autoren welche Abschnitte zuzuordnen seien. Die Enzyklika sei jedoch "kein Patchwork", fügte Müller hinzu.

Hatte Benedikt in seiner Sozialenzyklika "Caritas in veritate" noch moderne Wirtschaftssysteme angeprangert, so beschränkt sich nun das gemeinsam mit Franziskus verfasste Lehrschreiben darauf, bekannte Glaubensinhalte zusammenzufassen. Einen festen christlichen Glauben bezeichnet die Enzyklika als Voraussetzung für den Dialog mit anderen Religionen. Demnach existiert überdies ein einziger Glaube, der in der katholischen Kirche durch die apostolische Sukzession - so wird die Traditionslinie genannt, die heutige Bischöfe mit den Aposteln vor rund 2.000 Jahren verbinden soll - gesichert sei.

Franziskus macht sich in der nach seinen Worten "vierhändig" verfassten Enzyklika die Weltsicht seines Vorgängers zu eigen, der weitgehend säkularisierten Gesellschaften Gottesvergessenheit und eine Ausgrenzung des Glaubens vorwarf.

Enzyklika geht nicht auf aktuelle theologische Debatten ein

Moderne Gesellschaften tendierten dazu, den Glauben als Illusion zu verurteilen, "die unseren Weg als freie Menschen in die Zukunft behindert", heißt es in dem vermutlich von Franziskus verfassten Einführungskapitel der Enzyklika. "Nach und nach hat sich jedoch gezeigt, dass das Licht der eigenständigen Vernunft nicht imstande ist, genügend Klarheit über die Zukunft zu vermitteln." Nur wer glaubt, kann demnach zu wahrer Erkenntnis gelangen.

Die moderne Welt glaube nur an eine Wahrheit der Technik oder der individuellen Wahrnehmung des einzelnen Menschen, so die Auffassung der beiden Päpste. Dagegen steht der Wahrheitsanspruch des christlichen Glaubens. Die Enzyklika räumt ein, das ein absoluter Wahrheitsanspruch an totalitäre Welterklärungen der Vergangenheit erinnere. Dagegen wird die Hoffnung gestellt, dass der religiöse Glauben den Horizont des in sich verschlossenen Menschen öffnen könne.

Ohne auf aktuelle theologische Debatten einzugehen, fasst die Enzyklika des neuen und des zurückgetretenen Papstes bekannte Grundsätze zusammen, ohne diesen neue Elemente hinzuzufügen. Bereits der letzte Band der Jesus-Trilogie von Benedikt XVI. unterschied sich von den vorangegangenen Veröffentlichungen des Kirchenoberhaupts durch eine größere Schlichtheit des Inhalts. Ein Großteil der nun veröffentlichten Enzyklika dürfte zum Ende seines Pontifikats verfasst worden sein, als er bereits mit Gedanken über den eigenen Rücktritt und die immense Tragweite dieses Schritts beschäftigt war.