Eine Lebensader für das blutende Herz Afrikas

Traditioneller Fährbetrieb im Kongo

Foto: epd-bild/Andreas Herzau

Noch immer ist es schwierig, Waren im Kongo schnell und sicher zu transportieren. Vielerorts sind die Beförderungsmöglichkeiten - wie bei diesem Fährbetrieb - eher traditionell als modern.

Eine Lebensader für das blutende Herz Afrikas
Vom ostkongolesischen Goma bis Walikale, 160 Kilometer weiter westlich, brauchte ein Lkw früher eine Woche. Heute ist es ein Tag. Für Bauern und Händler bedeutet die neue Straße der Welthungerhilfe Entwicklung - und Sicherheit in der Krisenregion.

Der Dschungel breitet seinen Deckmantel über die Rebellen. Nach Überfällen, Plündereien, Vergewaltigungen, Morden bietet der dichte Wald den idealen Rückzugsort für die bewaffneten Banden im Kongo. Die Deutsche Welthungerhilfe hat jedoch eine Schneise in das Versteck geschlagen: Eine Straße vom Osten bis ins Innere des riesigen Landes im Herzen Afrikas leistet einen Beitrag zu mehr Sicherheit und Entwicklung.

"Der Straßenbau hat viel mit Sicherheit zu tun", erklärt der deutsche Botschafter im Kongo, Wolfgang Manig. "Mit der Straße kommt die Öffentlichkeit." Nachrichten von Raubzügen bewaffneter Gruppen gelangen schneller nach außen, Militär und die in der Region stationierte UN-Mission können schneller reagieren. Den Rebellen hingegen nutzt die Straße als Fluchtweg nichts: Sie sind zu Fuß unterwegs.

Trotz Frieden bleibt der Osten des Kongo ein Pulverfass

Zehntausende Menschen, die in den Kriegswirren der letzten zwei Jahrzehnte aus ihren Urwald-Dörfern flohen, haben sich inzwischen entlang der Straße niedergelassen. Dort sind sie sicherer. Denn obwohl seit rund zehn Jahren offiziell Frieden im Kongo herrscht, bleibt der Osten des Landes ein Pulverfass. Kämpfer verschiedener Milizen verbreiten vor allem in den abgelegenen Gebieten Angst und Schrecken. Erst im Mai flammten neue Kämpfe zwischen Rebellen und Regierungstruppen auf.

Für die Orte, die sich an der neuen Lehmstraße auffädeln, ist die Verkehrsachse nach Kisangani an den Kongo-Fluss und damit bis in die Hauptstadt Kinshasa und ans Meer aber nicht nur Schutz. Sie ist auch Entwicklungssprungbrett. Es lohnt sich endlich, Gemüse, Milch und Öl zu produzieren, weil es die Ware frisch auf die Märkte der größeren Orte schafft und dort ihre Käufer findet.

"Es ist eine Win-Win-Win-Situation. Alle Beteiligten haben Vorteile", sagt Welthungerhilfe-Landeskoordinator Georg Dörken. "Die Bauern können ihre Produkte verkaufen und bekommen bessere Preise, die Händler können ihre Lkws ausnutzen und haben geringere Kosten, und die Verbraucher erhalten frischere und billigere Ware." Mit einer landwirtschaftlichen Starthilfe, Schulen und Krankenhäusern in den Dörfern entlang der Straße hat die Welthungerhilfe den Neuanfang zusätzlich unterstützt.

Nationalstraße aus der Kolonialzeit vom Dschungel zurückerobert

Vom Ausgangspunkt, der ostkongolesischen Provinzhauptstadt Goma direkt an der Grenze zu Ruanda, bis ins rund 160 Kilometer westlich gelegene Walikale brauchte ein Kleinlaster früher sieben Tage. Irgendwann war die Straße dann so verengt, dass überhaupt kein Durchkommen mehr war. Heute schafft es der Lkw locker an einem Tag.

Dabei hatten die Belgier eine gut befahrbare 600 Kilometer lange Nationalstraße zwischen Goma und Kisangani hinterlassen, als sie den Kongo 1960 in die Unabhängigkeit entließen. Im Laufe der Jahrzehnte holte sich der Dschungel jedoch sein Terrain zurück. Die Lebensader nach Westen war gekappt.

Jetzt halten Verantwortliche aus den Dörfern, die die Welthungerhilfe ausgebildet hat, den Dschungel im Zaum. Sie kümmern sich darum, dass die Entwässerungsgräben geräumt sind und die Straße frei bleibt. Für jeden Kilometer ist ein anderer Mitarbeiter zuständig, Vorarbeiter haben jeweils zehn Straßenkilometer unter ihren Fittichen.

"Wenn die Straße bis Punia fertig ist, bringt uns das enorm voran"

Derzeit binden Dörken und seine Leute auch die Stadt Punia südlich der Verkehrsachse an die Entwicklungsader an. Der Osten des Kongos zählt zu den ärmsten Regionen der Welt, obwohl er voller Bodenschätzen steckt. Diese aber plündern skrupellose Profiteure aus, Kämpfer aller Couleur füllen ihre Kriegskassen.

In dem Dörfchen Mangandu fiebert eine Gruppe von Landwirten bei den Bauarbeiten der Deutschen mit: "Wenn die Straße bis Punia fertig ist, bringt uns das enorm voran", sagt Simon Shindano Bendera, der Vorsitzende der Dorfinitiative. Im Schatten eines Baumes unterrichtet er die 26 Mitglieder der Gruppe zwei Mal wöchentlich über richtige Anbau- und Bewässerungstechniken. Wenn der Weg zum Markt für Reis und Süßkartoffeln offen ist, wollen die Frauen und Männer schließlich gut vorbereitet am Start stehen.