Erzbischof Tutu wendet sich vom ANC ab

Erzbischof Tutu wendet sich vom ANC ab
Der ehemalige anglikanische Erzbischof Desmond Tutu wird bei der Parlamentswahl im nächsten Jahr in Südafrika nicht mehr für den Afrikanischen Nationalkongress (ANC) stimmen.

Die seit zwei Jahrzehnten regierende Partei müsse in ihren Führungsstrukturen erneuert werden, schreibt der Friedensnobelpreisträger in einem am Freitag veröffentlichten Zeitungsbeitrag. "Wir brauchen wirklich einen Wechsel", so Tutu. In all den Jahren seit dem Ende des Apartheidregimes habe er ANC gewählt, "aber wie sich die Dinge entwickelt haben, kann ich nicht mehr für sie stimmen".

Einst unverzichtbar

Als führende Kraft sei der Nationalkongress in jener Zeit unverzichtbar gewesen, "in der wir gegen die Unterdrückung und für unsere Freiheit kämpften", so der frühere Erzbischof von Kapstadt. Der ANC sei ein guter "Freiheitskämpfer" gewesen. "Aber mir scheint, dass ein Freiheitskämpfer nicht so einfach zu einer politischen Partei werden kann."

Der ANC regiert in Südafrika seit 1994. Charismatische Führungsfigur war Nelson Mandela, der über Jahrzehnte als Anti-Apartheidkämpfer im Gefängnis saß und 1994 bis 1999 Präsident war. Mandela wird im Juli 95 Jahre alt, er ist schwer krank. Unter seinen Nachfolgern geriet der Afrikanische Nationalkongress zunehmend in die Kritik, errang bei nationalen Wahlen aber stets rund zwei Drittel der Stimmen.

"Gott ist kein Christ"

Desmond Tutu, heute 81 Jahre alt, war neben Mandela einer der wichtigsten Kämpfer gegen die Rassentrennung in Südafrika. Nach dem Ende der Apartheid leitete er die Kommission zur Aufarbeitung der Vergangenheit des Landes. Er gilt als einer der populärsten Geistlichen weltweit. Tutu hat zahlreiche Bücher veröffentlicht, zuletzt erschien "God Is Not a Christian: Speaking the Truth in Times of Crisis" (Gott ist kein Christ. Die Wahrheit in Zeiten der Krise aussprechen).