Personelle Umbrüche erschüttern finanziell angeschlagene Diakoniestiftung

Personelle Umbrüche erschüttern finanziell angeschlagene Diakoniestiftung
Die finanziell angeschlagene Bremer Diakoniestiftung Friedehorst kommt nicht zur Ruhe.

Das Kuratorium der Einrichtung habe die gleichberechtigten Vorstände Pastor Christian Frühwald und Lothar Lotzkat abberufen, sagte der Vorsitzende des leitenden Gremiums, Christian Lürßen, am Dienstag. Das Verhältnis zwischen den beiden Vorständen sei so gestört gewesen, "dass eine vertrauensvolle Zusammenarbeit nicht mehr möglich war". Ab sofort übernimmt Bremens Landesdiakoniepfarrer Michael Schmidt (49) den Vorstandsposten des Sozialunternehmens mit einer Bilanzsumme von knapp 70 Millionen Euro.

Frühwald war erst im Oktober vergangenen Jahres nach Friedehorst gekommen. Er leitete seither zusammen mit dem kaufmännischen Vorstand Lotzkat die größte diakonische Einrichtung im Land Bremen. Zur Stiftung Friedehorst zählen 1.600 Beschäftigte, die in Pflege, Betreuung, Rehabilitation und bei der beruflichen Neuorientierung für etwa 2.500 Menschen sorgen.

In kurzer Zeit hatte Frühwald gemeinsam mit der Mitarbeitervertretung in Friedehorst einen über Jahre schwelenden Tarifkonflikt entschärft. Er beendete die seit 2005 andauernde Leiharbeit und damit die Tarifflucht im Unternehmen, mit der Friedehorst bundesweit in die Negativ-Schlagzeilen geraten war. Seinen Absprachen zufolge sollen künftig alle Beschäftigten nach den Arbeitsvertragsrichtlinien der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) bezahlt werden. Dieser Weg solle fortgeführt werden, bekräftigte Lürßen.

Mehrere Unternehmensbereiche arbeiten defizitär

Mitarbeitervertreter zeigten sich dennoch bestürzt  von der Entscheidung, den promovierten Theologen Frühwald abzuberufen. "Wir sind geschockt", sagte ihr Vorsitzender Helmut Schümann dem epd. Frühwald habe ihr Vertrauen gehabt, das sich der neue Vorstand Schmidt erst erarbeiten müsse. Über Lotzkat, der für die Einführung der Leiharbeit mitverantwortlich war, sagte Schümann nichts.

Mehrere Unternehmensbereiche der Stiftung wie etwa die Altenhilfe und das Berufsförderungswerk arbeiten defizitär. "Friedehorst ist in einer sehr problematischen Lage", räumte Kuratoriumsmitglied Johann Daniel Noltenius ein. Auch der neue Vorstand Schmidt sprach von einer "richtiggehend tiefen Krise". Deshalb soll möglichst schnell der Posten des kaufmännischen Vorstandes neu besetzt werden.

Die Mitarbeiter haben sich in einer Dienstvereinbarung unter anderem bereiterklärt, zeitlich befristet Abschläge in Höhe von zehn Prozent ihres Lohnes hinzunehmen, um zur Sanierung des Unternehmens beizutragen. Ob diese mit Frühwald getroffene Vereinbarung nun noch Bestand hat, blieb zunächst offen.

Frühwald ist seit Juni 2009 der dritte Theologe an der Spitze von Friedehorst, der nun die Stiftung verlässt. Bevor der gebürtige Bayer nach Bremen kam, war er Personaldezernent der mitteldeutschen Kirche und dann Geschäftsführer Personal im Diakoniekrankenhaus Rotenburg bei Bremen.

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