Vati, Papa, Kind? Die Homo-Ehe bei Jauch

Günther Jauch

Foto: dpa/Rainer Jensen

Günther Jauch talkte zur Homo-Ehe.

Vati, Papa, Kind? Die Homo-Ehe bei Jauch
Das Bundesverfassungsgericht hat homosexuellen Paaren das Recht zugestanden, das Adoptivkind des Partners oder der Partnerin zu adoptieren. Weitere Entscheidungen in Sachen Gleichberechtigung stehen an. Selbst in der konservativen CDU regen sich Stimmen, die eine volle Gleichstellung der eingetragenen Lebenspartnerschaft mit der Ehe anregen. Auch Günther Jauch nahm die Debatte zum Anlass, das Thema in der ARD zu diskutieren.

Eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts holt das Thema der gleichgeschlechtlichen Ehen im Wahljahr zurück auf die Agenda. Ob Homosexuelle komplett gleichgestellt werden sollen, fragt Günther Jauch deshalb am Sonntagabend. Und die Auswahl seiner Gäste verrät bereits, welche Partei den größten Streit zu erwarten hat.

Im Kindergarten war die Welt ganz einfach. Beim "Vater-Mutter-Kind-Spiel" wurden die Puppen - frei nach Belieben - mal von zwei Vätern, dann von zwei Müttern oder auch ganz bunt gemischt umsorgt. Auch das wahre Leben kennt mehr Varianten als das traditionelle Familienbild. In Patchworkfamilien wachsen Kinder oft mit mehr als zwei Eltern auf, Söhne und Töchter von Alleinerziehenden haben hingegen manchmal nur einen Elternteil als Bezugspunkt. Und auch die Regenbogenfamilien, bei denen Kindern von gleichgeschlechtlichen Elternteilen aufgezogen werden, gibt es längst. Günther Jauch eröffnet seine Gesprächsrunde zum Thema "Kinder, Steuer, Ehe - gleiches Recht für Homosexuelle?" in kleiner Runde mit Thomas Welter und Ingmar Zöller, die gemeinsam zwei Adoptivkinder großziehen.

Der Einspielfilm zeigt: eine scheinbar völlig normale Familie. Welter und Zöller sind seit 21 Jahren ein Paar und leben seit 2002 in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft. Beide sind berufstätig und teilen sich die Kindererziehung. In Berlin-Prenzlauer Berg fallen die beiden Väter zwar auf - erleben jedoch viel Offenheit und wenig Vorurteile. Doch es gibt einen weiteren Unterschied, der nicht ins Auge fällt. Juristisch gesehen ist nur Thomas Welter der Vater. Denn - bislang - durfte zwar eine einzelne Person ein Kind adoptieren, nicht jedoch ein gleichgeschlechtliches Paar.

Sollte Welter etwas zustoßen, könnten die Kinder deshalb nicht automatisch bei Ingmar Zöller bleiben. Wenn sich die beiden trennten, hat Welter keinen Anspruch auf Unterhaltszahlungen. Hier setzt die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts an. Künftig dürfen Partner das adoptierte Kind ihres Lebenspartners adoptieren. Bislang war das nur möglich, wenn einer der beiden der leibliche Elternteil eines Kindes war.

CDU auch bei Jauch gespalten

Damit hat das Gericht eine weitere Hürde auf dem Weg zur Gleichstellung der Homo-Ehe aus dem Weg geräumt. Vor allem in den Unionsparteien rumort es derweil. Die Spaltung innerhalb der CDU zeigte sich auch bei den Gästen. Stefan Kaufmann ist nicht nur Bundestagsabgeordneter der Christdemokraten und bekennender Katholik, sondern steht auch offen zu seiner Homosexualität. Er fordert mehr Rechte für gleichgeschlechtliche Partner.

Ganz anders beurteilt es seine Parteifreundin Katherina Reiche. Warum gerade die Politikerin, die 2002 noch als Familien-Expertin Edmund Stoibers Kompetenzteam angehörte und heute Staatssekretärin in Umweltministerium ist, von der Partei in den Ring geschickt wurde, kann nur spekuliert werden. Vielleicht will die Partei das Thema nicht prominenter besetzen, um ihm nicht zu viel Gewicht zu geben - an ihrer Diskussionsstärke bei diesem Thema wird es eher nicht gelegen haben. 

Für Reiche ist die Gleichstellung der Homo-Ehe indirekt eine Gefährdung der Gesellschaft, die nur durch Mann und Frau aufrecht erhalten werden könne. Kaufmanns Einwand, dass durch mehr Rechte für Homosexuelle nicht weniger Kinder geboren würden, teilt die Politikerin nicht. Wenig später legte sie nach: Mann und Frau würden sich nicht dazu entscheiden Kinder in die Welt zu setzen, „wenn alles egal ist.“ Damit brachte sie dann irgendwann den sonst besonnenen SPD-Politiker Hennig Scherf aus der Fassung. Dabei forderte er nicht nur als Politiker fortschrittlicheres Denken, sondern wusste auch aus der eigenen Familie zu berichten. Seine lesbische Tochter zieht gemeinsam mit ihrer Frau und einem befreundeten schwulen Paar ein Kind groß.

"Nicht jedes Paar hat ein Recht auf Kinder"

Da auch Thomas Welter Teil der Diskussionsrunde war, stand der Politikerin allein Reinhard Müller zur Seite. Der FAZ-Journalist vertritt unverrückbar die These, dass „jedes Kind ein Recht auf Vater und Mutter hat, aber nicht jedes Paar ein Recht auf Kinder.“ Einschlägige Argumente lieferte er aber auch nicht. Einzig bei der Diskussion ums Ehegattensplittig - auch das fehlt ja zur völligen Gleichstellung - bemängelte er, dass dann ja auch zwei Schwestern, die zusammen lebten, eine besondere Form der steuerlichen Berücksichtigung fordern könnten. Darauf hatte Welter aber eine Antwort parat: „Ehegattensplitting braucht kein Mensch mehr. Man muss Kinder fördern.“ An diesem Punkt wäre es sich spannend gewesen zu erfahren, warum Reiche am Ehegattensplitting festhält und nur über eine Ergänzung eines Familiensplittings nachdenkt, wenn es ihr vor allem um den Fortbestand der Gesellschaft geht.

Doch die Frage blieb die Sendung - wie einige andere spannende Aspekte - schuldig. Dass die Runde trotzdem nicht öde wirkte, lag zum einen am Thema - aber gewiss auch an den Beispielen „aus dem Leben“. Neben Welter und Zöller hatte Günther Jauch auch eine andere Regenbogenfamilie eingeladen. Zwei Frauen aus dem Westerwald - eine davon die leibliche, die andere die Adoptivmutter - haben Sohn und Tochter gemeinsam groß gezogen. Beide sind inzwischen erwachsen und scheinen den Trubel um ihre Familie nicht ganz zu verstehen - eigentlich sei alles ziemlich normal gewesen. So scheint die Realität der Politik mal wieder ein Stück voraus zu sein.