DRK fordert Bundesregierung zur Aufnahme syrischer Flüchtlinge auf

DRK fordert Bundesregierung zur Aufnahme syrischer Flüchtlinge auf
Die Lage der syrischen Flüchtlinge in den Camps der Nachbarländer verschlechtert sich offenbar dramatisch. Die Caritas warnt vor einer humanitären Katastrophe. Deutschland müsse mehr Flüchtlinge bei sich aufnehmen, bittet das Deutsche Rote Kreuz.

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) hat die Bundesregierung zur Aufnahme syrischer Flüchtlinge aufgefordert. "Ich würde es sehr begrüßen, wenn sich Deutschland zu einer Ad-Hoc-Aufnahme in nennenswertem Umfang entscheiden könnte", schreibt DRK-Präsident Rudolf Seiters in einem Brief an Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) und Außenminister Guido Westerwelle (FDP). Auch das katholische Hilfswerk Caritas International und "Cap Anamur"-Gründer Rupert Neudeck appellieren an die Bundesregierung, mehr Hilfe zu leisten.

In seinem Brief fordert Seiters eine allgemeine humanitäre Aufnahmeaktion für syrische Flüchtlinge. Zudem solle der Nachzug von syrischen Familienangehörigen nach Deutschland erleichtert werden, indem bei ihnen auf den eigentlich erforderlichen Nachweis der Lebensunterhaltssicherung verzichtet wird. Dies sei vertretbar, wenn die hier lebenden Angehörigen bereit und in der Lage sind, für einen Teil des Auskommens ihrer Verwandten zu sorgen, schreibt Seiters.

Humanitäre Hilfe vor Ort habe Priorität

Das Bundesinnenministerium erklärte am Freitag, es bleibe bei der bisherigen Position, dass die humanitäre Hilfe vor Ort Priorität habe. Ein Sprecher verwies dabei auf das Flüchtlingshilfswerk UNHCR, das die europäischen Staaten im vergangenen Jahr um die Aufnahme von insgesamt 500 Flüchtlingen gebeten hatte, seitdem aber keinen darüber hinausgehenden Aufruf gestartet habe. 200 der Flüchtlinge sollen den Angaben zufolge nach Deutschland kommen. Die Vorbereitungen liefen, sagte der Sprecher.

Seit Ausbruch des Konflikts in Syrien steigt die Zahl von Flüchtlingen aus dem Land in der Bundesrepublik an. 2012 kamen rund 2.600 Syrer nach Deutschland. Seit April 2011 gilt für sie ein Abschiebeverbot. Die Auslandsvertretungen in der Flüchtlingsregion seien zudem aufgefordert, Familienangehörige von in Deutschland lebenden Syrern unter Absehen von Spracherfordernissen Visa zum Zweck des Spracherwerbs in Deutschland zu erteilen, sagte der Sprecher. Nach DRK-Angaben fragen allein in der Hamburger Zentrale des Hilfswerks seit einigen Monaten im Durchschnitt täglich ein bis zwei in Deutschland lebende Syrer nach der Möglichkeit, Angehörige zu sich zu holen.

Caritas international fordert indes eine Ausweitung der internationalen Hilfe für Flüchtlinge in Jordanien und im Libanon. Mit Blick auf die steigenden Flüchtlingszahlen in den Camps sagte Caritas-Präsident Peter Neher: "Wir hatten es bislang mit einer humanitären Krise zu tun. Jetzt stehen wir vor einer humanitären Katastrophe." 80 Prozent der in den Flüchtlingslagern Registrierten seien Frauen und Kinder. fast 40 Prozent unter ihnen seien jünger als elf Jahre.

Bürokratische Hindernisse für Hilfen erleichtern

"Cap Anamur"-Gründer Neudeck forderte von der Bundesregierung die Einrichtung eines Büros für humanitäre Hilfe vor Ort. Solch eine Stelle mit einem Botschafter an der Spitze könnte die bürokratischen Hindernisse für Hilfen an der Grenze zwischen Syrien und der Türkei erleichtern, schreibt Neudeck in einem Gastbeitrag für die "Süddeutsche Zeitung" (Freitagsausgabe). "Das würde der Bevölkerung ein Zeichen geben, dass sie nicht alleingelassen sind", ergänzte er.

In Syrien sind nach UNHCR-Angaben rund fünf Millionen Menschen auf Hilfe angewiesen. Rund 700.000 Menschen sind in die Nachbarländer geflohen.

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