Die Amtszeit von Präses Schneider: Das Ende einer Dekade

Porträt Nikolaus Schneider

Foto: Sandra Stein

Die Amtszeit von Präses Schneider: Das Ende einer Dekade
Die rheinische Kirche ist für Nikolaus Schneider eine Herzenssache. "Ich bin wirklich überzeugter Rheinländer", sagt der Theologe, der seit zehn Jahren an der Spitze der zweitgrößten deutschen Landeskirche steht. Die bevorstehende Landessynode löst in dem 65-jährigen Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland dennoch gemischte Gefühle aus. Denn es ist seine letzte: Am 10. Januar entscheidet das Kirchenparlament, wer in seiner Nachfolge künftig die 2,8 Millionen Protestanten zwischen Niederrhein und Saar repräsentiert.

"Ein bisschen bin ich ja noch da", tröstet sich Schneider, der am 3. März aus dem Amt scheidet und dann im Interesse seines zweiten Spitzenamtes mit seiner Frau nach Berlin zieht: Bis 2015 bleibt Schneider Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) - anschließende Rückkehr ins Rheinland nicht ausgeschlossen.

Bilanz-Interviews zu seinem Jahrzehnt als rheinischer Präses will er noch nicht geben. Aber der Abschied falle ihm sehr schwer, bekannte er schon zu seinem 65. Geburtstag Anfang September im epd-Gespräch. Er sei sehr gerne Präses gewesen und habe schließlich "nicht nur einen Job gemacht". Von Sonntag an leitet Schneider letztmalig die traditionell im rheinland-pfälzischen Kurort Bad Neuenahr tagende Landessynode, die ihn zum Abschluss ihrer Beratungen am 12. Januar verabschiedet.

739 Gemeinden und 38 Kirchenkreise

Wer ihn als Präses beerbt, steht dann schon fest. Bei zwei Kandidatinnen und einem Kandidaten könnte erstmals eine Frau leitende Geistliche der zweitgrößten EKD-Mitgliedskirche werden. Zwei Bewerber sind Mitglieder der Kirchenleitung, beide wohnen in Wuppertal: Petra Bosse-Huber unterlag 2003 nur hauchdünn gegen Schneider und amtiert seither als Vizepräses. Die 53-jährige Theologin erledigt wegen Schneiders EKD-Verpflichtungen bereits seit zwei Jahren häufig Präses-Aufgaben und vertritt die rheinische Kirche nach außen und in zahlreichen Gremien.

Oberkirchenrat Manfred Rekowski (54) ist als Leiter der Personalabteilung seit zwei Jahren für die knapp 2.000 Theologen der rheinischen Kirche zuständig. Der langjährige Wuppertaler Superintendent nimmt für sich in Anspruch, noch recht gut zu wissen, wie die 739 Gemeinden und 38 Kirchenkreise in der basisorientierten rheinischen Kirche "ticken".

Als einzige Kandidatin "von außen" strebt Kirchentags-Generalsekretärin Ellen Ueberschär aus Berlin an die Spitze der rheinischen Kirche. Die promovierte Theologin ist mit 45 Jahren deutlich jünger als ihre Mitbewerber und hat anders als diese als Pfarrerin keine Gemeinde-Erfahrung. Sie schätzt aber den basisdemokratischen Kirchenaufbau im Rheinland, wo stets gewählte Gremien das Sagen haben, und wirft ihre Kirchentagserfahrungen in die Waagschale.

Sprungbrett in den Chefsessel der EKD

Die Entscheidung fällt am Donnerstag spätestens im dritten Wahlgang, wenn in einer möglichen Stichwahl die einfache Mehrheit entscheidet. Am Vortag stellen sich die Kandidaten der Synode offiziell vor, anders als bei früheren Wahlen ist dann auch die Öffentlichkeit zugelassen.

Nachdem das rheinische Präses-Amt für Schneider wie schon für seinen Vorgänger Manfred Kock unverhofft das Sprungbrett in den Chefsessel der EKD war - Kock setzte sich 1997 bei der Wahl zum Ratsvorsitzenden überraschend gegen Wolfgang Huber durch und Schneider übernahm das EKD-Amt 2010 nach dem Rücktritt von Margot Käßmann -, dürfte sich der oder die neue Präses in den kommenden acht Jahren ganz auf die eigene Landeskirche konzentrieren können.

An Herausforderungen mangelt es dabei nicht. So muss sich die neue Spitze sicher erst finden - auch die wichtigen Ämter des leitenden Juristen und des Finanzdezernenten werden in Bad Neuenahr neu besetzt. Nach Millionenverlusten beim kircheneigenen Dienstleistungsunternehmen bbz gilt es ferner neues Vertrauen aufzubauen und mögliche Konsequenzen zu ziehen.

Schon im kommenden Jahr steht zudem eine Sparsynode bevor, die das Kunststück fertigbringen soll, die Kirche für weiteren Mitglieder- und Einnahmeschwund zu präparieren und zugleich neue Aufbrüche zu ermöglichen. Mit der demografischen Entwicklung "müssen wir einfach zurechtkommen", stellt der scheidende Präses Schneider nüchtern fest: "Wenn der Leib kleiner wird, muss der Mantel auch kleiner werden."