Die Kündigungswelle bei der Nachrichtenagentur dapd rollt

Die Kündigungswelle bei der Nachrichtenagentur dapd rollt
Für ein Drittel der Belegschaft ist das Kapitel dapd nun zu Ende: Die insolvente Nachrichtenagentur setzt ihr Sanierungskonzept um. Ob die Agentur dabei langfristig weiter auf die Associated Press als Partner setzen kann, ist in der Schwebe.

Die insolvente Nachrichtenagentur dapd hat am Mittwoch 98 Mitarbeitern gekündigt. "Uns ist bewusst, dass dies ein schwerer Tag für viele Mitarbeiter ist", teilte der in der Insolvenz eingesetzte Geschäftsführer Wolf von der Fecht mit. Die Geschäftsführung habe alles daran gesetzt, den Personalabbau so gering wie möglich zu halten. So könnten zwei Drittel der bislang 299 Stellen erhalten bleiben.

Die Agentur hatte die Zahl der Entlassungen bereits vor zweieinhalb Wochen mit dem Sanierungskonzept angekündigt, dem der Gläubigerausschuss zugestimmt hatte. Acht Gesellschaften, die das tagsaktuelle dapd-Geschäft bestritten, hatten Anfang Oktober Insolvenz angemeldet. In den insolventen Unternehmen sind 299 der 515 Mitarbeiter der dapd-Gruppe beschäftigt.

Alle Dienste wird es weiter geben

Mit dem Restrukturierungskonzept für die insolventen Unternehmen sei es gelungen, die dapd-Nachrichtenagenturgruppe aus eigener Kraft wieder auf eine solide wirtschaftliche Basis zu stellen, sagte von der Fecht. Die Nachrichtenagentur wird demnach das Tagesgeschäft ohne einen Investor weiterführen. Die Kündigungen wurden zwei Tage vor dem Auslaufen des Insolvenzgeldes der Bundesagentur für Arbeit ausgesprochen.

Alle Dienste der Agentur sollen weiter angeboten werden. Wesentliche Einschnitte werde es aber bei den Sport- und Videodiensten von dapd geben. Der Sportdienst werde künftig nur noch mit einem deutlich verminderten Umfang angeboten.

Weitere Anpassungen werde es bei den Landesdiensten geben, hieß es. Die derzeit 14 nach Bundesländern gegliederten Dienste sollen künftig in drei Cluster zusammengefasst werden. Ein wesentlicher Teil der Einsparungen gehe auch auf die flachere Organisation der Führungsstruktur zurück. Der neue Geschäftsleitungskreis bestehe nun aus der Chefredaktion mit Melanie Ahlemeier und Dirk von Borstel und Geschäftsführer von der Fecht.

Keine Einigung über AP-Vertrag

Noch in der Schwebe ist, ob dapd weiterhin auf die Dienste der amerikanischen Agentur Associated Press (AP) zurückgreifen kann, da noch ein Gerichtsverfahren zur Kündigung läuft. AP hatte am 15. November überraschend den langfristigen Vertrag mit dapd beendet und eine Kooperation mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) abgeschlossen, was als schwerer Rückschlag für die Rettungsbemühungen für die dapd gewertet wurde. Die dapd bestreitet einen Großteil ihrer Auslandsberichterstattung mit AP-Material.

Gegen die Kündigung hatte dapd rechtliche Schritte eingeleitet. Am Montag hatten sich dapd und AP vor einem US-Gericht geeinigt, dass die Lieferung der Nachrichten weitergehe, bis das Gericht über den Antrag der dapd, eine einstweilige Verfügung zu erlassen, entschieden habe. Im Gegenzug hat sich dapd verpflichtet, wöchentlich 65.000 Euro an AP zu zahlen. Am 18. Dezember wird sich das Gericht erneut mit der Kündigung des Vertrags beschäftigen.

Der deutsche Markt der Nachrichtenagenturen gilt im internationalen Vergleich als besonders umkämpft. Neben den großen Anbietern dpa und dapd sind auch die französische Agence France-Presse (AFP) sowie der kanadisch-britische Konzern Thomson Reuters mit deutschsprachigen Diensten vertreten. Hinzu kommen die zwei kirchliche getragenen Agenturen Evangelischer Pressedienst (epd) und Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) sowie mehrere Spezialdienste für Wirtschaft und Sport.
 

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