Trauer und Entsetzen in Titisee-Neustadt

Nach Großbrand in Caritaswerkstatt

Foto: dpa/Felix Kästle

Eine Fahne mit dem Wappen der Stadt Titisee-Neustadt und schwarzem Trauerflor hängt vor der Feuerwehrwache der Stadt in Baden-Württemberg.

Trauer und Entsetzen in Titisee-Neustadt
Das Feuer in der Caritas-Werkstatt ist die bisher schlimmste Brandkatastrophe in einer deutschen Behinderten-Einrichtung. Am Tag nach der Tragödie mit 14 Toten und mehreren Verletzten herrscht Trauer und Fassungslosigkeit.

Überall stehen verwaiste Rollstühle auf dem Gelände und auf den Außentreppen der Behinderten-Werkstatt in Titisee-Neustadt. Fassungslos blicken Menschen auf das verrußte Caritas-Gebäude, können das Ausmaß der Katastrophe nicht begreifen. Hier starben am Montag drei Männer und elf Frauen, darunter eine Betreuerin, bei einem Brand.

Mittlerweile ist klar, dass ein defekter Gasofen das Feuer ausgelöst hat. Kriminaltechniker und Sicherheitsexperten arbeiteten am Dienstag an dem Unglücksort in einem Gewerbegebiet der Schwarzwald-Stadt. Der Brand habe sich sehr schnell und mit sehr großer Hitze entwickelt, sagte Polizeisprecher Karl-Heinz Schmid dem epd.

In einer Art Vakuum

"Die Betroffenheit ist sehr groß", sagt der evangelische Pfarrer Fritjof Ziegler. "Im Moment wollen sehr viele Menschen helfen", ergänzt der Geschäftsführer des Diakonischen Werkes im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald, Albrecht Schwerer. Aber er glaubt, "dass es besser ist, wenn man erst mal die professionellen Kräfte vor Ort arbeiten lässt."

Eine seiner Mitarbeiterinnen sei unmittelbar nach der Brandkatastrophe mehrere Stunden vor Ort gewesen, berichtet Schwerer weiter. Schließlich gebe es in der betroffenen Caritas-Werkstatt auch behinderte Menschen, die von der Diakonie betreut werden. Sie trauern um ein Todesopfer aus ihren Reihen. Die Betroffenen seien durcheinander, sagt Schwerer. Auch viele ihrer persönlichen Utensilien sowie Ausweise oder Schlüssel seien verbrannt.

Tief erschüttert ist auch der Heilpädagoge Matthias Schulz, der für die Diakonie mit fünf Behinderten, die in der Caritas-Einrichtung beschäftigt waren, in einem Kurs zusammengearbeitet hat. "Ich weiß noch nicht, ob diese fünf Menschen unter den Opfern sind", so Schulz. Er sei "einfach nur traurig". Seiner Ansicht nach befinden sich die Überlebenden und Hinterbliebenen derzeit in einer Art Vakuum. Der Kurs, den Schulz derzeit in Kooperation mit der Caritas in Freiburg "für ältere behinderte Menschen auf dem Weg in den Ruhestand" anbietet, sollte eigentlich morgen fortgesetzt werden.

Gottesdienst am Samstag

Ein ökumenischer Trauergottesdienst findet am diesem Samstag (1. Dezember) in der St.-Jakobus-Kirche in Titisee-Neustadt statt. Bereits am Montagabend war in einem Gottesdienst im Freiburger Münster für die Opfer der Brand-Katastrophe gebetet worden.

Das Freiburger Netzwerk Psychosoziale Notfallversorgung und die Stadt Titisee-Neustadt haben kostenlose Hotlines geschaltet. Dort stehen Betroffenen, Angehörigen und belasteten Einsatzkräften unter anderem Psychologen und Theologen zur Verfügung, die bei der Bewältigung des Unglücks helfen. Die Erfahrung zeige, dass sich viele Menschen erst bis zu drei Tage nach einer solchen Katastrophe meldeten, weil es entweder "auf die Beerdigung zugeht oder Einsatzkräfte erst dann die Zeit finden", sagt der Vorstand des Netzwerks Psychosoziale Notfallversorgung, Michael Steil, dem epd.