Anglikanische Kirche: Frauen im Bischofsamt?

England, London, The Millennium Bridge. People walking across the Millennium Footbridge towards St Pauls Cathedral.

Foto: Robin Whalley/Loop Images/laif

Menschen laufen über die Milleniums-Brücke in London Richtung St. Pauls Cathedral. Wagt die anglikanische Kirche den Schritt in die Zukunft und ordiniert bald Frauen zu Bischöfinnen?

Anglikanische Kirche: Frauen im Bischofsamt?
Kurz vor dem Wechsel auf dem Stuhl des Erzbischofs von Canterbury steht die anglikanische Kirche vor einer historischen Entscheidung. Die Generalsynode entscheidet am Dienstag darüber, ob Frauen Bischöfe werden.

Wenn in der kommenden Woche die Synode der anglikanischen Kirche von England zusammen kommt, ist es kein gewöhnliches Treffen des Kirchenparlaments. Es steht eine historische Entscheidung an, die seit Jahren die Kirche vor eine Zerreißprobe stellt. Letztmalig wird dann über einen Kirchengesetzentwurf abgestimmt, der Frauen den Zugang zum Bischofsamt in der Church of England ermöglichen soll.

Bereits 2005 hat die 467 Mitglieder zählende Synode die Weihe von Frauen zu Bischöfen grundsätzlich befürwortet. Seither dauert jedoch das Ringen um die Änderungen des Kirchenrechts an. Für die Annahme der Änderung ist eine Zweidrittelmehrheit erforderlich. Zuletzt war das Gesetz im Juli in der Synode gescheitert, da die Befürworter der Bischofsweihe von Frauen die Formulierung eines Kompromisses als diskriminierend empfanden.

Unter den Aposteln habe es auch keine Frauen gegeben

Der Kompromiss sieht vor, dass traditionalistische Gemeinden einen männlichen Bischof hinzuziehen können, wenn ihre Diözese eine Bischöfin hat. Allerdings behält die Bischöfin auch dann ihr volles Handlungs- und Weisungsrecht.

Nach dem Scheitern des Entwurfs versucht die Kirche nun ein weiteres Mal, den Weg für Frauen im Bischofsamt frei zu machen. Traditionalistische Anglikaner hatten sich aus theologischen Gründen gegen die Weihe von Frauen als Bischöfe ausgesprochen und mit Abspaltung gedroht. Im Frühjahr hatten mehr als 2.000 weibliche Gläubige in einer Petition gefordert, den Entwurf nochmals zu ändern. Man befürchtet, dass Frauen künftig ihrer traditionellen Rolle in der Gesellschaft beraubt würden, wenn sie auch Ämter in der Kirche übernehmen müssten.

Außerdem sieht eine Gruppe von Anglo-Katholiken den Gesetzentwurf als weitere Entfernung von der römisch-katholischen Kirche an. Nach Schätzungen der Traditionalisten sind etwa 20 Prozent der Anglikaner gegen Frauen im Bischofsamt. Ihrer Meinung nach erlaubt die Bibel keine Weihe von Frauen, da es unter den Aposteln in der Bibel auch keine Frauen gegeben hat.

Ganz anders sieht das die Organisation "Women and the church" (Frauen und Kirche). Frauen und Männer seien Gottes Ebenbild, deswegen spreche nichts dagegen, auch Frauen zum Bischofsamt zuzulassen, argumentiert die Organisation. Um für den neuen Entwurf zu werben, startete man eine großangelegte Kampagne auf Facebook und Twitter. Tausende Nutzer bekundeten auf den Plattformen der sozialen Netzwerke ihre Zustimmung, versahen sogar ihr Profilbild mit einem Kampagnenlogo.

Lehnt die Synode in der kommenden Woche den Gesetzentwurf ab, ist er endgültig gescheitert. Dann wäre ein neues kirchenrechtliches Gesetzgebungsverfahren notwendig, um Frauen dennoch als Bischöfe zuzulassen. "Das dauert sicherlich wieder mindestens fünf Jahre", sagte der Generalsekretär der Generalsynode, William Fittall vor dem Treffen des Kirchenparlaments, das von Montag bis Mittwoch dauert. Wird die Gesetzesänderung jedoch verabschiedet, könnten 2014 die ersten Frauen zu Bischöfen geweiht werden.

Vorbehalte des Moskauer Patriarchats

Die Abstimmung gilt auch als erste Bewährungsprobe für den künftigen Erzbischof von Canterbury, Justin Welby. Der Nachfolger von Rowan Williams befürwortet die Zulassung von Frauen zum Bischofsamt. Nicht zuletzt die Gruppe "Frauen und Kirche" begrüßte seine Ernennung. "Wir sind erfreut, dass Bischof Justin Welby als Erzbischof von Canterbury berufen wurde", sagte Rachel Weir, Pfarrerin und Vorsitzende der Kampagne. "Er ist ein starker Unterstützer von Frauen im Kirchenamt und hat alle Fähigkeiten und Erfahrungen, die sich die Kirche von einem neuen Erzbischof wünschen kann." Geht der Antrag nicht durch, könnte Welby bereits geschwächt in sein neues Amt starten. Dabei wird es nach Einschätzung von Beobachtern ohnehin nicht leicht werden, die Kirche langfristig zu einen, ganz egal, wie die Entscheidung ausfällt.

Kurz vor der Generalsynode erhielt der designierte Erzbischof Post aus Moskau. In seinem Glückwunschschreiben für Welby erneuert der russisch-orthodoxe "Außenminister" Hilarion die Vorbehalte des Moskauer Patriarchats gegen die Bischofsweihe von Frauen. In den "brüderlichen Beziehungen" der anglikanischen und russisch-orthodoxen Kirche hätten sich zuletzt handfeste Differenzen gezeigt. Als Beispiele listet der Metropolit von Wolokolamsk die Zulassung von Frauen zum Priester- und Bischofsamt, die Segnung von "Homo-Ehen" sowie die Priester- und Bischofsweihe Homosexueller auf.