Protest gegen "Mietenwahnsinn"

Protest gegen "Mietenwahnsinn"
Der Mieterbund schlägt Alarm: Selbst viele Gutverdiener könnten sich die Mieten in großen Städten kaum mehr leisten, sagt Verbandspräsident Rips. Am Samstag gingen Tausende auf die Straße, um gegen die explodierenden Wohnkosten zu demonstrieren.

Tausende Menschen haben am Wochenende gegen steigende Mieten demonstriert. An einem Protestzug unter dem Motto "Mietenwahnsinn stoppen" beteiligten sich am Samstag in Hamburg mindestens 2.800 Menschen. Auch in Berlin gingen nach Polizeiangaben mehrere hundert Menschen auf die Straße, um gegen hohe Wohnkosten zu demonstrieren. Derweil warnte der Deutsche Mieterbund vor den sozialen Folgen explodierender Mieten. Viele Menschen hätten massive Probleme, eine bezahlbare Wohnung zu finden, sagte Mieterbund-Präsident Franz-Georg Rips: "Dieser Trend wird sich weiter verschärfen."

Groß- und Universitätsstädte, in denen es bereits jetzt an preiswerten Wohnungen fehle, steuerten "auf eine mittlere Katastrophe zu", sagte Rips dem Nachrichtenmagazin "Focus". Die Verteuerung der Wohnkosten treffe nicht nur Einkommensschwache, Rentner und Studenten. "Auch normal- und sogar viele gutverdienende Haushalte können das nötige Geld kaum noch aufbringen."

Konfetti aus dem Fenster geworfen

Ein großes Problem sieht der Mieterbund-Präsident in der wachsenden Altersarmut. "Wenn die Menschen künftig weniger Rente bekommen, aber immer höhere Wohnkosten zahlen müssen, dann ist das ein brandgefährlicher Zustand", sagte er. "Niemand sollte die soziale Sprengkraft unterschätzen."

Der Demonstrationszug in Hamburg führte vom Hauptbahnhof durch die Innenstadt bis zur Hafenstraße. Zu der Aktion gegen steigende Wohnkosten hatten über 80 Initiativen und Verbände aufgerufen. Am Rande kam es mehrfach zu spontanen Solidaritätsbekundungen. Anwohner hängten Transparente an die Balkone und warfen Konfetti aus dem Fenster. "Wir sind begeistert von der großen Resonanz", sagte Maarten Thiele vom Bündnis "Mietenwahnsinn stoppen".

Gesetzlich festgelegte Mietobergrenze

In St. Pauli kam es laut Polizei am Abend zu Auseinandersetzungen um ein leerstehendes Gebäude. Dabei wurden auch Flaschen geworfen und Gegenstände angezündet. 18 Personen wurden vorläufig festgenommen, fünf Polizisten leicht verletzt.

Der Sprecher des Bündnisses "Mietenwahnsin stoppen", Thiele, forderte eine gesetzlich festgelegte Mietobergrenze bei allen Neuvermietungen, die weit unter dem aktuellen Mietendurchschnitt in Hamburg liegt. Das Bündnis will zudem erreichen, dass Wohnraum dem profitorientierten Markt entzogen wird und setzt sich für seine Vergesellschaftung ein.

"Die Verhältnisse drohen zu kippen"

Mieterbund-Präsident Rips beklagte, dass bestimmte Bevölkerungsschichten aufgrund der massiv gestiegenen Mieten kaum noch Chancen hätten, in den Zentren der Großstädte zu leben. "Noch sind unsere Städte relativ gut durchmischt, das ist ein Ausdruck für die stabile soziale Lage unserer Gesellschaft. Diese Verhältnisse drohen gerade zu kippen."

Massive Kritik übte Rips an den Verkäufen kommunaler Wohnungsbestände. "Immer mehr ausländische Investoren, die das schnelle Geld machen wollen, stürzen sich auf den deutschen Wohnungsmarkt." Beispiele aus der Vergangenheit hätten gezeigt, welche Risiken ein Verkauf öffentlicher Wohnungen an Immobilienfirmen mit sich bringe. Entweder vernachlässige der neue Eigentümer die Instandhaltung der Wohnungen, um Kosten zu sparen, oder es komme es zu Luxussanierungen, so Rips.

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