Für gute Spiele braucht es keinen Medaillenregen

Die Medaillenvorgabe und der olympische Eid

Foto: iStockphoto/PeskyMonkey

Das höchste der Gefühle? Nicht unbedingt. Auch ohne Goldregen können Athleten erfolgreiche Spiele haben.

Für gute Spiele braucht es keinen Medaillenregen
Bei den Olympischen Spielen geht es nicht nur um Medaillen und den Sieg. Die Leistung der Athleten ist nicht alles. Olympia steht für mehr als nur Edelmetall am Bande - auch wenn Sportfunktionäre das anders sehen.

"Im Namen aller Athleten verspreche ich, dass wir an den Olympischen Spielen teilnehmen und dabei die gültigen Regeln respektieren und befolgen und uns dabei einem Sport ohne Doping und ohne Drogen verpflichten, im wahren Geist der Sportlichkeit, für den Ruhm des Sports und die Ehre unserer Mannschaft."

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So lautet der Olympische Eid, der im Namen aller Athleten bei der Eröffnungszeremonie der Spiele in London gesprochen wurde. Den Sportlerinnen und Sportlern war die Ergriffenheit anzusehen, als sie im Stadion diesem olympischen Moment beiwohnen durften. Für einen Augenblick konnte man glauben, der wahre Geist der Sportlichkeit wehe durch London.

Dann begannen die Spiele, und die deutschen Athleten blieben erstmal weit weg vom Edelmetall. "Totaler Olympia-Fehlstart! …über uns lachen sogar die Kasachen" titelte die deutsche Nationalstolz-Kanone "Bild". Nix mit Sportsgeist. Von wegen "dabei sein ist alles": Medaillen müssen es sein!

Das Geld hängt am Gold

Das sieht auch der Deutsche Olympische Sportbund so. Die Kollegen vom WAZ-Recherche-Blog haben sich damit ausführlich beschäftigt: Die einzelnen Sportverbände haben klare Vorgaben, wie viele Medaillen sie holen müssen, damit sie weiter gefördert werden. Das Geld hängt am Gold.

Selbst das Innenministerium hat eine Prognose finanziert, die 54 deutsche Medaillen in London erwartet.

Die Deutschen sind dabei übrigens nicht die einzigen, die ihren olympischen Auftritt an Edelmetall festmachen. Die Kommentatoren in den englischen Zeitungen forderten unbedingt eine Medaille für die Gastgebernation ein, die Reiterin Lizzie Armitstead dann fürs kollektive britische Aufatmen holte. Michael Phelps machte in den USA damit Schlagzeilen, dass er keine Medaillen holte (auch wenn in den USA die Spiele nicht live zu sehen sind - siehe #nbcfail auf Twitter).

Die Geschichten machen die Spiele aus

Dabei sind es nicht die Medaillen allein, die die Olympischen Spiele für so viele Zuschauer interessant machen. Es sind Geschichten wie die von Eric Moussambani, der bei den Spielen in Sydney 2000 Mühe hatte, die 100 Meter zu schwimmen und vom Publikum frenetisch bejubelt wurde. Dieses Jahr sind es Menschen wie der fast blinde Bogenschütze Im Dong-hyun, der rwandische Flaggenträger Adrien Niyonshuti, der vor dem Bürgerkrieg davon fuhr oder Guor Marial, der Marathonläufer aus dem Südsudan, der unter der Olympischen Flagge startet, weil der Südsudan noch kein olympisches Komitee hat.

Solche Geschichten machen die Olympischen Spiele zu einem Erfolg, egal, wie erfolgreich die eine oder andere Nation ist. Olypmische Spiele nehmen jeden Athleten mit dem an, was er leisten kann. Er muss nicht gewinnen, um seine Teilnahme zu rechtfertigen. Da  könnten sich die Medaillenzähler bei Luther bedienen: Jeder Mensch steht allein vor Gott, seine Gnade kann und muss er sich nicht erarbeiten. Das gilt auch für Medaillen: Kein Athlet sollte sich rechtfertigen müssen, nur weil er Gold verpasst hat. Auch wenn Medaillen nicht wie Goldregen fallen, können es gute Spiele werden - für jeden einzelnen.