Bischof: Protestanten können verändertes Papstamt anerkennen

Bischof: Protestanten können verändertes Papstamt anerkennen
Der evangelisch-lutherische Landesbischof Karl-Hinrich Manzke aus Bückeburg kann sich vorstellen, dass die Protestanten unter bestimmten Umständen den Papst als Sprecher aller Christen anerkennen.

Dafür müsse sich das Papstamt allerdings in seinem Selbstverständnis grundlegend verändern, sagte der Bückeburger Bischof dem Evangelischen Pressedienst nach einem ökumenischen Studientag des katholischen Bistums Hildesheim. "Ich bin gespannt darauf, ob die katholische Theologie da mitgehen kann."

Manzke verwies darauf, dass der Bischof von Rom seit dem dritten Jahrhundert eine herausgehobene Rolle in der Christenheit spiele. Das habe auch der Reformator Martin Luther anerkannt. Aus protestantischer Sicht dürfe sich das Papstamt allerdings nicht über die Bibel und die Tradition stellen und müsse auf seine bisweilen beanspruchten kirchenrechtlichen Eingriffsmöglichkeiten in Kirchen in aller Welt verzichten. "Wenn es im Sinne eines pastoralen Einheitsdienstes zu verstehen ist, wollen wir dem Bischof von Rom die Ehrerbietung nicht schuldig bleiben", sagte Manzke.

"Auch Mauerfälle haben sich schneller als gedacht ereignet"

Das 1870 beschlossene Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes und seiner rechtlichen Vorrangstellung wäre damit hinfällig, unterstrich der Bückeburger Bischof. Er sprach von einem "ehrgeizigen Projekt". Auf die Frage, ob es Jahrhunderte dauern werde, bis sich das Papstamt verändere, sagte Manzke: "Auch Mauerfälle haben sich schneller als gedacht ereignet."

Für Manzke sind Protestanten und Katholiken nicht in erster Linie durch das Papstamt voneinander getrennt, sondern durch das katholische Verständnis der Kirche und ihrer Ämter als einer hierarchischen Organisation. Der Bischof bezog sich auf ein Papier einer Arbeitsgruppe aus lutherischen und katholischen Theologen zur Papstfrage von 2010, das beim ökumenischen Studientag in Hildesheim vorgestellt und diskutiert wurde.

Evangelische und katholische Theologen diskutieren bereits seit längerem die Möglichkeit, ob und wie der Papst die gesamte Christenheit repräsentieren kann. Manzke steht an der Spitze der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Schaumburg-Lippe mit rund 60.000 Mitgliedern an der Grenze von Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen.