Menschenrechtler beklagt Gewalt gegen Minderheiten in Indonesien

Menschenrechtler beklagt Gewalt gegen Minderheiten in Indonesien

In Indonesien werden nach Expertenmeinung die Rechte von Minderheiten auch 14 Jahre nach dem Ende der Suharto-Diktatur mit Füßen getreten. Der Indonesien-Experte von "Human Rights Watch", Andreas Harsono, beklagt eine Zunahme von religiös motivierten Anschlägen.

Besonders empörend sei die anhaltende Straflosigkeit. "In den meisten Fällen religiöser Gewalt wird gegen die mutmaßlichen Täter weder ermittelt noch werden diese angeklagt", sagte Harsono dem Evangelischen Pressedienst (epd) vor Beginn des Indonesien-Besuchs von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Montag.

Mehr als 400 Kirchen in fünf Jahren geschlossen

Neben der islamischen Glaubensgemeinschaft der Ahmadiyya sind laut Harsono besonders Christen von Diskriminierung und Anfeindungen betroffen. "Mehr als 400 Kirchen sind in den vergangenen fünf Jahren geschlossen worden", sagte der Menschenrechtler. In der Vergangenheit hatten sich lokale Behörden oft dem Druck militanter Islamisten gebeugt, selbst wenn Gerichte für die Kirchen entschieden hätten.

Harsono warf Präsident Susilo Yudhoyono Versagen beim Schutz religiöser und ethnischer Minderheiten vor. Auch Diskriminierung und Gewalt in der Provinz Papua oder auf den Molukken-Inseln, wo es Unabhängigkeitsbestrebungen gebe, höhle die Rechtsstaatlichkeit aus. Allein im Mai und Juni seien in Papua mindestens 17 Menschen getötet worden, sagte Harsono.

Der Vielvölkerstaat Indonesien ist die größte muslimische Nation der Welt. Etwa 88 Prozent der rund 240 Millionen Einwohner sind islamischen Glaubens. Rund neun Prozent sind Christen.