Wo die Weihnachtsmänner wohnen

1.000 Weihnachtsmänner und ein Christkind

Foto: epd-bild/Dieter Sell

Wo die Weihnachtsmänner wohnen
Alles ist rot, überall pausbäckige Gesellen, freundlich lächelnd. Das niedersächsische Himmelpforten gibt den Weihnachtsmännern ein Zuhause. 1.000 Rotröcke und ein Christkind bevölkern ein ehemaliges Waschhaus.

Der kleinste Kerl misst gerade mal neun Millimeter, der größte prangt mit lebensechten 1,80 Meter an der Wand. Die beiden Gesellen mit rotem Mantel und weißem Bart gehören zu einer Sammlung von Weihnachtsmännern, für die im niedersächsischen Himmelpforten bei Stade ein eigenes kleines Museum entstanden ist. An diesem Freitag wird es eröffnet. In einem grundsanierten historischen Waschhaus sind dann ganzjährig 1.000 Weihnachtsmänner zu sehen - und ein Christkind.

Das ganze Haus glänzt rot, aus allen Ecken lächeln freundlich füllige Männer mit weißem Rauschebart und pelzbesetzter Kutte. Mal als Zahnbürste, Radiergummi, Hampelmann, Brieföffner oder Seifenspender, mal vom Toilettenpapier, von Geschirrtüchern, Kerzen, Eierwärmern oder Kugelschreibern. Die Sammlung reicht von Kitsch bis Kunst und zeigt Figuren aus Holz, Kunststoff, Keramik, Glas, Stoffen, Metall, Papier und Ton.

"Wertvollstes Exemplar ist eine mexikanische Pinata", schwärmt Rolf Wieters vom Förderverein "Christkinddorf Himmelpforten - 1.000 Weihnachtsmänner", der die Rotröcke in den Ort geholt hat. Dabei handelt es sich um einen pausbäckigen Weihnachtsmann aus Pappmaché und Krepppapier: Ähnlich wie beim deutschen Topfschlagen wird die mit Süßigkeiten gefüllte Figur so lange mit Stöcken traktiert, bis sie zerbricht und die Leckereien schnell eingesammelt werden.

Gegenüber ist das Postamt

Auf Initiative des Fördervereins hat die Kreissparkasse Stade die Sammlung 2009 von Reingard Niemann aus dem schleswig-holsteinischen Glücksburg gekauft und als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt. Nach einer Odyssee durch verschiedene Ausstellungsorte hat sie nun schräg gegenüber dem örtlichen Weihnachtspostamt in Himmelpforten eine feste Heimat bekommen. "Das freut mich riesig", sagt die 73-jährige Weihnachtsmann-Freundin Niemann, die zur Eröffnung kommen will. Immer zum Fest hat sie ihre Sammlung in ihrem Haus aufgebaut. Vom Bad bis zum Schlafzimmer. "Das Wohnzimmer war ganz rot", schmunzelt Niemann. Mit den Jahren wurde es dann aber doch zu viel. "Der Aufbau war immer wie ein Umzug und hat jeweils eine Woche gedauert."

Angefangen hat alles vor 40 Jahren, als Niemann mit ihren vier Kindern Weihnachtsmänner bastelte. Dafür wurden nach schwedischem Vorbild Besenstiele schräg abgeschnitten und rot-weiß bemalt. Später sammelte die Frau, die einen eigenen Kunstgewerbeladen betrieb, auf Messen und auf Reisen. Freunde brachten einzelne Exemplare aus Übersee mit. So wie das eiförmige Nähset aus China, den angelnden Weihnachtsmann aus Florida und die Kalebasse aus Uruguay.

Räuchermännchen im Schottenrock

In Himmelpforten soll die Schar nun weiter wachsen. Dazu tragen auch Prominente wie Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) und der Liedermacher Rolf Zuckowski bei. Der Politiker hat passend zu seinen familiären Wurzeln ein Räuchermännchen im Schottenrock beigesteuert, der Musiker Zuckowski eine Schneekugel mit Spieluhr.

Für Himmelpforten ist das Haus neben dem Weihnachtspostamt und dem alljährlichen Christkindmarkt im Dezember die dritte festliche Attraktion. "Das passt großartig zu unserem Ort", freut sich Wieters. Das findet auch Reingard Niemann, in der manchmal noch die alte Sammel-Leidenschaft aufflackert. "Mich juckts natürlich immer noch", gibt sie zu. Doch ihr Ehemann Peter bremst sie dann und fragt ein wenig argwöhnisch: "Du willst doch nicht schon wieder anfangen?"