Ex-Propst von Jerusalem: Keine Apartheid in Israel

Ex-Propst von Jerusalem: Keine Apartheid in Israel
Nach Auffassung des früheren evangelischen Propstes von Jerusalem, Uwe Gräbe, ist es "unpassend", in Israel von einer Art Apartheid zu sprechen. Denn auch in Israel wohnten Araber, denen der jüdische Staat gewisse Berufschancen eröffne.

Zugleich kritisierte der Geistliche, die Zäune und Trennmauern zwischen Israel und den palästinensischen Gebieten seien eine "radikale und schmerzhafte Trennung". Wer hinter der Mauer lebe, erhalte nur schwer eine Arbeitsgenehmigung für Israel, sagte er am Donnerstag dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Gräbe befürwortete eine Zwei-Staaten-Lösung für den Nahostkonflikt. Doch diese verbaue Israel mit seiner Siedlungspolitik systematisch. "Derzeit gibt es über 300.000 Siedler in der Westbank und 200.000 in Ostjerusalem - eine halbe Million Menschen lassen sich nicht einfach umsiedeln."

Kritik an Abschottung

Der Theologe bemängelte zudem die generelle Abschottung Israels von seinen Nachbarländern. Derzeit werde an der ägyptischen Grenze ein hocheffektiver Zaun gebaut, sagte Gräbe Auch an der Grenze zum Libanon stehe ein elektronischer Sicherheitszaun. Nach illegalen Grenzübertritten von Syrern und Palästinensern im vergangenen Jahr sei auch auf dem Golan eine Sperranlage errichtet worden,

Nur an der isarelisch-jordanischen Grenze gebe es noch keinen Zaun, weil er sich kaum finanzieren ließe, sagte Gräbe. Israel habe Angst, dass sich auch in Jordanien eines Tages das politische Blatt wenden könnte. Dann könnte es dazu kommen, dass die Muslimbrüder in den rebellierenden Nachbarländern kein Interesse daran haben, die Grenzen zu Israel oder zu der palästinensischen Autonomie so zu schützen, wie dies durch die bisher herrschenden Regimes geschehen sei.

Gräbe war sechs Jahre Propst in der deutschsprachigen evangelischen Erlösergemeinde in Jerusalem. Aktuell arbeitet er als Nahostreferent in der Evangelischen Mission in Solidarität in Stuttgart.

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