Erziehung zur Toleranz im Kindergarten in Belgrad

Evangelischer Kindergarten in Serbien

Foto: epd-bild/Danja Antonovic

Erziehung zur Toleranz im Kindergarten in Belgrad
"Arche Noah" - so heißt der evangelische Kindergarten in Belgrad, gegründet vor 16 Jahren mit Unterstützung der Diakonie. Zu einer Zeit, in der in Serbien freie Kitas noch vollkommen unbekannt waren.

"Unser Ziel ist es nicht, die Kinder an die Kirche zu binden. Wir wollen, dass aus diesen kleinen Menschen große Menschen werden, die ihre eigene Meinung haben und tolerant gegenüber anderen sind", sagt Snezana Andjelic, Leiterin der Kita "Arche Noah" in Belgrad. In Deutschland ausgebildet, gründete sie vor 16 Jahren den evangelischen Kindergarten in ihrer Heimatstadt.

Snezana Andjelic (47) ist schmal, nicht sehr groß. Sie hat ungebändigte roten Locken und blaue Augen, die blinzeln, wenn sie erzählt. 1996 ist Snezana Andjelic Studentin der Psychologie und Soziologie in Münster. Sie ist knapp dreißig, ihre Kinder besuchen den kirchlichen Kindergarten in der Studentenstadt. Die Art, wie dort die Kinder auf das Leben vorbereitet werden, beeindruckt sie sehr. Sie träumt von einem solchen Kindergarten in ihrer Heimatstadt Belgrad.

Oft geht sie am Gebäude des Diakonischen Werks Westfalen vorbei, bis sie eines Tages Mut fasst: "Dort war eine Tür, da stand 'Hilfe für Osteuropa'. Da habe ich angeklopft, von meinen Träumen erzählt und gefragt ob mich jemand unterstützen könnte. Zu meiner Überraschung war die Antwort - Ja."

Bürokratische Hürden erschweren Gründung einer konfessionellen Kita

Noch herrschen raue Zeiten auf dem Balkan. Die Kriege sind im vollen Gange, Serbien steht unter Embargo. Trotz der unübersichtlichen politischen Lage, entscheidet sich Familie Andjelic für ihre Heimat. Sie kehren nach Serbien zurück. "Zwar hatte ich die Hilfe vom Diakonischen Werk zugesagt bekommen, doch in Serbien funktionierte gar nichts", erinnert sich Snezana Andjelic. Der Bankverkehr war unterbrochen, die Reisen erschwert: "Als wir nach Hause fuhren, wussten wir nicht, was uns erwartet. Wortwörtlich sind wir mit Gottes Hilfe in Belgrad angekommen."

Erst hier aber beginnen die Schwierigkeiten. Zu dieser Zeit sind konfessionelle Kindergärten in Serbien unbekannt, ihre Gründung, vor allem, wenn es um einen kirchlichen, nicht serbisch-orthodoxen Kindergarten handelt - suspekt. So muss Snezana zuerst mit Vorurteilen kämpfen, erklären, wer Martin Luther und wer die Protestanten sind. Sie ist in allen Medien, ein gefragter Gast in den serbischen Talk-Shows. Immer wieder sagt sie: "Wir wollen nicht missionieren, aber als Christen wollen wir die Verantwortung für die Erziehung unserer Kinder übernehmen." Sie überzeugt die Bürokraten und erhält die Erlaubnis, die Kita zu gründen. Und vor allem: sie überzeugt Nachbarn und Eltern im Belgrader Stadtteil Zvezdara, dass es ihren Kindern in der "Arche Noah" gut gehen wird.

"Junge, gefestigte Menschen, die ihre eigene Meinung haben"

Das war vor 16 Jahren, als das Milosevic-Regime noch die Macht im Land hatte. "Wir haben Generationen von Kindern begleitet", sagt Snezana. "Unsere Kinder von damals sind heute Studenten, junge, gefestigte Menschen, die ihre eigene Meinung haben. Und darauf sind wir stolz."

Zvezdara ist ein ruhiger, grüner Belgrader Bezirk. Enge Gassen und alte Villen, umgeben von sozialistischen Plattenbauten, prägen das Stadtbild. In einer Art-deco-Villa ist die "Arche Noah", untergebracht. Das Diakonische Werk Westfalen hat den Kauf der alten Villa ermöglicht, sich um die Ausbildung serbischer Erzieherinnen in Deutschland gekümmert. Jährlich kommen etwa 30 Kinder in die Einrichtung. Sie spielen und toben im begrünten Hinterhof - aufmerksam beobachtet von vielen Tieren an Bord der Arche Noah, die von einem bunten Wandbild herabsehen.

Das Konzept - Toleranz gegenüber den Anderen - verfolgte Snezana Andjelic konsequent. Sie arbeitete nach Montessori-Materialien, übernahm teilweise auch das Konzept der Offenen Kindergärten. Als sie Kinder mit Behinderungen aufnahm, waren nicht alle Eltern glücklich, aber sie setzte sich durch. Heute sind behinderte Kinder in der "Arche Noah" selbstverständlich. Private Kindergärten gibt es heute an jeder Ecke, doch die "Arche Noah" ist die einzige konfessionelle Kita Serbiens geblieben.