Herbert Feuerstein: Ein Leben zwischen Wahnwitz und Hochkultur

Herbert Feuerstein

Foto: WDR/Bettina Fürst-Fastré

Herbert Feuerstein.

Herbert Feuerstein: Ein Leben zwischen Wahnwitz und Hochkultur
Er war Harald Schmidts verbaler Prügelknabe in der Comedyshow "Schmidteinander", als Chef des Satiremagazins "MAD" bereicherte er die deutsche Sprache um Begriffe wie "würg", "hechel" oder "lechz" – dabei wollte Herbert Feuerstein doch ein stockseriöser Musiker werden.

Der ehemalige Klavierstudent und spätere TV-Star führte ein Leben zwischen Wahnwitz und Hochkultur, am 15. Juni wird der Journalist und Entertainer 75 Jahre alt. Das WDR-Fernsehen würdigt ihn am 16. Juni (22.25 Uhr) mit der Sendung "Herr Feuerstein wird 75 und Herr Pastewka feiert ihn". Darin besucht der Jubilar mit dem Comedian Bastian Pastewka die Stätten seiner Kindheit in Österreich und lässt dabei natürlich keinen Spaß aus, sagt er doch über sich selber: "Für einen guten Gag habe ich schon mal die Wahrheit verdreht – daran hat sich bis heute nichts geändert."

Von Backpfeifen zu Harald Schmidt

Geboren wurde Herbert Feuerstein am 15. Juni 1937 im Bahnhofsgebäude im österreichischen Zell am See in der Dienstwohnung seines Vaters, der Fahrdienstleiter einer eingleisigen Schmalspurbahn war. Als junger Mann studierte er Klavier, Cembalo und Komposition am Salzburger Mozarteum, mit seinem Mitstudenten Thomas Bernhard diskutierte er nächtelang über Politik und Glenn Gould. Das Studium warf Feuerstein hin, weil es sich mit seinem Nebenjob als Musikkritiker nicht vertrug – die drei Mitglieder eines studentischen Streichtrios verpassten ihm nach einer unfreundlichen Rezension Backpfeifen, und als Feuerstein dann auch noch eine Komposition des Hochschulpräsidenten verspottete, fiel er in Ungnade und ging.

Danach versuchte der Mann mit der spitzen Zunge sein Glück in Amerika und arbeitete dort bis 1969 als Journalist, unter anderem als Korrespondent für "Pardon". Zurück in Europa wurde Feuerstein Chefredakteur der deutschen Ausgabe der Satirezeitschrift MAD, die er mit mal subversivem, mal kindischem Humor bis 1992 prägte. Es folgten erste Fernsehauftritte, und 1990 passierte es dann: In der Ratesendung "Pssst..." lernten sich Feuerstein und Harald Schmidt kennen, schon wenig später alberten sich die zwei in WDR und ARD durch 50 Folgen von "Schmidteinander" mit unvergessenen Figuren wie Peer Theer oder Comtessa Gunilla.

Die Grenze zwischen Ernst und Humor ausloten

Das Konzept stammte von Feuerstein, der als Sidekick den geknechteten Fußabtreter Schmidts gab – angeblich war die Animosität nicht immer nur gespielt. Aber bei Feuerstein weiß man ja nie so genau, wo die Grenze zwischen Ernst und Humor verläuft, wobei sein Fach vor allem die Selbstironie ist: Der 1,65 Meter große Spaßmacher mit der dicken Brille (O-Ton Harald Schmidt: "Bitte begrüßen Sie jetzt den Mann, der für jeden Buchstaben eine spezielle Brille hat") lässt keine Gelegenheit aus, sich über seine vermeintlichen Schwächen lustig zu machen.

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Feuerstein, der zum dritten Mal verheiratet ist, seit Jahren die deutsche Staatsbürgerschaft hat und in Brühl bei Köln lebt, kann auf eine beachtliche Fernsehkarriere zurückblicken – mit Sendungen wie "Feuersteins Reisen", "Wochenshow", "Was bin ich", Auftritten in "Genial daneben" oder Filmrollen wie in der Pro-Sieben-Märchenparodie "Rumpelstilzchen". Doch mit Beginn des neuen Jahrtausends ist Feuerstein zu seinen Wurzeln zurückgekehrt, der Schöngeist im Gewand eines Hofnarren, der schon mit sieben Jahren Klavier lernte, widmet sich seit einigen Jahren wieder der Hochkultur. Er spielt den Amtsdiener Frosch in der "Fledermaus", den Teufel im "Jedermann" oder macht mit seinem Programm "Feuerstein führt Klassik ein" Anfänger mit der Welt der sinfonischen Musik bekannt.

TV-Auftritte Feuersteins sind mittlerweile selten geworden. "Ich habe schon lange keine Lust mehr aufs Fernsehen", erklärt er, überhaupt werde ihm alles schnell langweilig: "Wenn Sie das Bundesverdienstkreuz haben wollen, müssen Sie 20, 30 Jahre dasselbe machen. Das war mir nie die Lebenszeit wert. Ich muss immer das Bestehende anzweifeln."