Der Präsident, der Islam und die Berliner Gegenwart

Antrittbesuch Gaucks im Land Berlin

Foto: dpa/Rainer Jensen

Bundespräsident Joachim Gauck mit jungen Musliminnen.

Der Präsident, der Islam und die Berliner Gegenwart
Die vier jungen Berliner Mädchen freuen sich über den prominenten Besuch: "Ich bin in Deutschland geboren, also ist Joachim Gauck auch mein Bundespräsident", sagt die 16-jährige Müge. Es sei schon etwas Besonderes, das deutsche Staatsoberhaupt in der Berliner Sehitlik-Moschee begrüßen zu können. "Das finde ich gut", sagt Müge. Gauck besucht die Sehitlik-Moschee am Montag im Rahmen seines Antrittsbesuchs im Land Berlin. Die Moschee ist das größte muslimische Gotteshaus in der Bundeshauptstadt.

Gaucks Distanzierung von den Worten seines Vorgängers im Amt, Christian Wulff, der Islam gehöre zu Deutschland, wollen die vier 16- bis 20-jährigen Mädchen nicht überwerten, die Gauck am Montag persönlich treffen. "Wir sind offen alles", sagt die 19-jährige Tugba. In der deutschen Mehrheitsgesellschaft fühlten sie sich auch als Kopftuchträgerin kaum ausgegrenzt. "Wir sind auf dem Weg zur Akzeptanz", meint Tugba.

Wenig später werden die Mädchen in dem imposanten Kuppelbau im osmanischen Stil am Columbiadamm in Berlin-Neukölln dem Bundespräsidenten die Hand schütteln. Man stellt sich auf zum gemeinsamen Foto und lächelt etwas steif in das Blitzlichtgewitter.

Gaucks Besuch in Berlins größtem muslimischen Gotteshaus sei ein großes Geschenk nicht nur an die Gemeinde, sondern an die Muslime in Deutschland, sagt ein Gemeindevorsteher beim Rundgang durch den 1.500 Menschen fassenden Betsaal. Er spricht von einem wichtigen Symbol für das tägliche gedeihliche Miteinander der Kulturen in Deutschland. Und er betont, dass nur die Solidargesellschaft das Fundament eines Gemeinwesens sein könne, gerade in Zeiten von Krisen und Umbruch.

"Daran müssen wir arbeiten"

Der Bundespräsident dankt und sagt: "Daran müssen wir alle arbeiten." Er erinnert an die Errungenschaften der Aufklärung, die es zu bewahren gelte: "Demokratie, Menschenrechte, die Achtung der Würde des Anderen - egal welcher Herkunft, Religion und Kultur". Der Besuch einer Moschee "musste einfach sein", sagt der Bundespräsident am Ende seiner Visite. Auch weil seine Einstellung zum Islam im Vergleich zu seinem Vorgänger in Frage gestellt wurde. "Ich habe aber großen Respekt vor anderen religiösen Traditionen", betont Gauck.

Gauck hatte sich im Mai von der Einschätzung Wulffs distanziert, der Islam gehöre zu Deutschland. Diesen Satz könne er so nicht übernehmen, "aber seine Intention nehme ich an", sagte er seinerzeit der Wochenzeitung "Die Zeit". Nach dem Besuch der Berliner Sehitlik-Moschee sagt Gauck am Montag, etwas habe ihn besonders gefreut: Die Begegnung mit jungen Muslimen, "die absolut hier sind", diese Mischung aus Tradition und Berliner Gegenwart. "Das war schön", betont der Bundespräsident.