Vatileaks-Prozess: Ex-Kammerdiener klagt über Haftbedingungen

POPE'S BUTLER ON TRIAL

Foto: dpa/Osservatore Romano

Vatileaks-Prozess: Ex-Kammerdiener klagt über Haftbedingungen
Der ehemalige Kammerdiener des Papstes hat beim Vatileaks-Prozess mit schweren Vorwürfen gegen den Vatikan die Aufmerksamkeit von sich abgelenkt.

Paolo Gabriele (46) will rund zwei Wochen lang in einer Zelle im Vatikan untergebracht gewesen sein, in der ununterbrochen elektrisches Licht brannte, das seine Augen geschädigt habe. Der Angeklagte im Skandal um die Verbreitung interner Vatikan-Dokumente präsentierte sich am zweiten Prozesstag in der Rolle des Justizopfers.

Das Gericht ordnete daraufhin umgehend Ermittlungen zu den Haftbedingungen an. Vatikansprecher Federico Lombardi äußerte hingegen Zweifel an den Angaben des Angeklagten. Die vatikanische Gendarmerie bestätigte die Angaben des Angeklagten über Isolationshaft. Das Licht in seiner ersten Zelle sei jedoch angeschaltet geblieben, "um mögliche autoaggressive Handlungen zu verhindern" sowie aus Sicherheitsgründen. Später habe Gabriele ausdrücklich darum gebeten, das Licht auch nachts nicht zu löschen, weil es ihm das Gefühl gebe, nicht allein zu sein. Zudem sei ihm eine Augenblende ausgehändigt worden, um eine völlige Verdunklung zu ermöglichen.

Ob es vor diesem Hintergrund wie ursprünglich geplant, Ende der Woche zu einem Urteil kommen wird, erscheint offen. Drei Stunden hörte das Gericht am zweiten Prozesstag den Ex-Kammerdiener. Aus Protest gegen schockierende Zustände im Vatikan habe er begonnen, Dokumente von den Schreibtischen der beiden Privatsekretäre des Papstes zu kopieren und zu sammeln, wiederholte Gabriele sein früheres Geständnis. Seine Haltung anderen Menschen gegenüber sei nicht von der Suche nach "Gerede" geprägt, sondern vom Wunsch zu helfen.

Gänswein gibt sich wortkarg

Während Gabriele gelöst auftrat und seine guten Absichten beteuerte, war der Auftritt vor dem vatikanischen Gericht dem Privatsekretär des Papstes, Georg Gänswein, offenbar unangenehm. Als Zeichen des Respekts vor Gänswein stand Gabriele während des zweiten Verhandlungstags mehrfach auf. Dieser wirkte im Unterschied zu dem Ex-Kammerdiener steif. Er beschränkte seine Antworten anders als Gabriele auf das Nötigste.

Bei seiner Zeugenaussage wurde Gänswein vom Richterkollegium nicht unterbrochen. Der Vorsitzende Richter Giuseppe Dalla Torre unterbrach dagegen mehrfach Gabriele, wenn er über die Umstände seines Werdegangs berichtete. Seine Angaben etwa über seine Haltung zum Papst ließ er nicht ins Protokoll aufnehmen.

Rätsel gaben am zweiten Verhandlungstag auch die Aussagen des Angeklagten über zwei Fundstücke auf, die bei der Durchsuchung seiner Privatwohnung sichergestellt wurden. Weder das in den Ermittlungsakten zitierte Goldstück noch den Scheck über 100.000 Euro, der auf den Papst ausgestellt ist, habe er je zu Gesicht bekommen.