Bischöfin: Alte Sprachen unverzichtbar für Pfarrberuf

Hebräische Bibel aus dem Jahr 1709 in der Falkenburger Bibelscheune

© epd/Jens Schulze

Eine hebräische Bibel aus dem Jahr 1709. Alte Sprachen sind im Theologiestudium unverzichtbar, sagt die badische Landesbischöfin Heike Springhart.

Reform des Theologiestudiums
Bischöfin: Alte Sprachen unverzichtbar für Pfarrberuf
Das Erlernen alter Sprachen ist nach Ansicht der badischen Landesbischöfin Heike Springhart unverzichtbar für den Pfarrberuf. Die Kenntnis von Hebräisch, Griechisch und Latein habe einen wesentlichen Anteil an der Ausbildung eigener Urteils- und Übersetzungsfähigkeit und mache sprachfähig.

Das Theologiestudium ziele auf die Ausbildung sprachfähiger Pfarrerinnen und Pfarrer, die konstruktiv Theologie treiben können, sagte Springhart im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst. Damit könnten sie eine Kirche repräsentieren, "die auf solidem Grund das Evangelium so verkündigt, dass es Menschen von heute erreicht", erläuterte die habilitierte Theologin.

So erschließe sich etwa über die hebräische Sprache eine ganz eigene Sprachwelt, die sich von der deutschen und europäischen Gedankenwelt völlig unterscheide. "Dies fördert die interkulturelle Kompetenz." In einer zunehmend säkularisierten Welt sei dies eine sinnvolle Voraussetzung für das Theologiestudium.

Zwar sei das Erlernen der alten Sprachen eine Hürde, sagte die Bischöfin. In der Begleitung von jungen Menschen habe sie jedoch festgestellt, dass es sie nur in seltenen Fällen vom Theologiestudium abhalte. Weil das Studium internationaler werde und wesentliche Texte in englischer Sprache verfasst würden, seien zudem solide Englischkenntnisse unabdingbar.

Der Personaldezernent der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Jens Böhm, hatte eine Reform des klassischen Theologiestudiums gefordert. Seiner Auffassung nach werden junge Menschen vor allem vom Erlernen der alten Sprachen Latein, Griechisch und Hebräisch abgeschreckt. Für das Pfarramt und für das Studium halte er Englisch für sinnvoller als Latein, so Böhm.

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