Stadionpfarrer: Kritik kommt zwölf Jahre zu spät

Der evangelische Stadionpfarrer Eugen Eckert in der Kapelle der Commerzbank-Arena in Frankfurt am Main

© epd-bild/Heike Lyding

Die Binde sei ein Zeichen für Toleranz und Solidarität, die Konsequenzen seitens der Fifa beim Tragen der Binde dagegen "nur eine Marginalie", sagt Stadionpfarrer Eugen Eckert.

Fußball-WM in Katar
Stadionpfarrer: Kritik kommt zwölf Jahre zu spät
Die Entscheidung der deutschen Fußballnationalmannschaft, bei der WM in Katar ohne die "One Love"-Kapitänsbinde aufzulaufen, stößt beim Frankfurter Stadionpfarrer Eugen Eckert auf Befremden. Doppelmoral sei jedoch ein Problem der ganzen Gesellschaft.

Er habe sich eine andere Entscheidung gewünscht, sagte Eckert, der auch Mitglied des Arbeitskreises Kirche und Sport der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist, dem Evangelischen Pressedienst.

Nachdem die iranische Mannschaft die Hymne ihres Landes demonstrativ nicht mitgesungen habe, um ein Zeichen im Blick auf die anhaltenden Proteste im Iran zu setzen, seien die von der Fifa für das Tragen der Binde angedrohten Konsequenzen "nur eine Marginalie", sagte Eckert. Er verstehe jedoch, dass der DFB diese Angelegenheit nicht auf dem Rücken der Spieler austragen wolle, die teilweise nur ein Mal in ihrem Leben zu einer WM fahren können.

Am 21. November war bekanntgeworden, dass der deutsche Nationaltorhüter Manuel Neuer nicht mit der "One Love"-Kapitänsbinde auflaufen werde. Zuvor hatten der englische und der niederländische Fußballverband ihren Verzicht bekanntgegeben.

Die Binde ist ein Zeichen für Toleranz und Solidarität. Katar steht in der Kritik, weil die Rechte von Frauen, Arbeitsmigranten und sexuellen Minderheiten dort nicht gewährleistet seien.

Verständnis zeigte Eckert für die Rolle der Medien. Es sei keine Doppelmoral, einerseits von der Berichterstattung des Fifa-Ereignisses zu profitieren und andererseits Entscheidungen der Fifa zu kritisieren, sagte er. Es sei deren Recht, Sportereignisse zu übertragen.

Das Problem der Doppelmoral stelle sich für die Gesellschaft insgesamt, sagte Eckert. Einerseits wolle man Katar für die Menschenrechtslage im Land kritisieren, andererseits nehme man gern das Erdgas aus dem Golfstaat. Schon bei der Vergabe der WM an Katar im Jahr 2010 hätte man protestieren müssen. "Wir alle sind zwölf Jahre zu spät dran", sagte der Stadionpfarrer.

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