Weltklimakonferenz in Ägypten hat begonnen

Weltklimakonferenz COP27 in Ägypten

© Peter Dejong/AP/dpa

Präsident des COP27-Klimagipfels, Sameh Shoukry, spricht auf bei der Eröffnungssitzung des UN-Klimagipfels in Scharm el Scheich. Dort wollen Vertreter aus rund 200 Staaten zwei Wochen lang debattieren, wie die Erhitzung der Erde eingedämmt werden kann.

Delegierte aus über 190 Ländern
Weltklimakonferenz in Ägypten hat begonnen
Ägypten richtet für knapp zwei Wochen die Weltklimakonferenz aus. Es geht darum, konkrete Maßnahmen gegen die Erderwärmung schneller umzusetzen. Obwohl nicht auf der Tagesordnung, rückt auch die schwierige Lage politischer Gefangener in den Fokus.

Mit Appellen für mehr Klimaschutz hat in Ägypten die 27. Klimakonferenz der Vereinten Nationen begonnen. Der Konferenzpräsident und ägyptische Außenminister Samih Schukri rief am Sonntag bei der Auftaktveranstaltung in Scharm el Scheich die "Ära der Implementierung" der Zusagen im Kampf gegen die Erderwärmung aus. Die internationale Gemeinschaft müsse zeigen, dass sie es ernst meine und niemanden zurücklasse. Der Chef des UN-Klimasekretariats, Simon Stiell, fügte hinzu, die Klimakonferenz in Paris habe die Einigung gebracht, die Konferenzen in Kattowitz und Glasgow den Plan. In Scharm el Scheich müsse es an die konkrete Umsetzung gehen - den Worten müssten Taten folgen.

Bei den knapp zweiwöchigen Beratungen ringen Delegierte aus mehr als 190 Ländern um eine schnellere Umsetzung des Pariser Klimaabkommens von 2015 und einer Begrenzung der Erderwärmung auf möglichst 1,5 Grad Celsius. Ein Schwerpunkt ist auch das Thema Schäden und Verluste: Entwicklungsländer fordern, dass Industriestaaten als Verursacher des Klimawandels für klimabedingte Zerstörungen aufkommen.

Die Bundesregierung kündigte derweil an, man werde sich "mit geeinten Kräften dafür einsetzen, den internationalen Klimaschutz voranzutreiben". Neben Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) wollen auch Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne), Entwicklungsministerin Svenja Schulze (SPD), Umweltministerin Steffi Lemke (Grüne) und Landwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) nach Scharm el Scheich reisen. Scholz wird am Montag und Dienstag dort erwartet.

Baerbock, deren Ministerium federführend in Sachen internationale Klimapolitik ist, erklärte, "die Menschheit steuert auf einen Abgrund zu, auf eine Erwärmung von über 2,5 Grad". Auf der Klimakonferenz wolle sich Deutschland einsetzen für ein "robustes Arbeitsprogramm" mit konkreten Minderungsschritten beim CO2-Ausstoß.

Versicherung gegen Klimaschäden

Schulze wies darauf hin, dass es "bereits heute erhebliche Klimaschäden gibt, gerade in den ärmsten Ländern". Es ist daher eine zentrale entwicklungspolitische Aufgabe, mit praktischen Lösungen konkrete Hilfe zu leisten. Sie nannte dabei den von Deutschland vorgeschlagenen "Schutzschirm gegen Klimarisiken", eine Art von Versicherung gegen klimabedingte Schäden und Verluste in armen Ländern.

Die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Luise Amtsberg (Grüne), machte indes in Berlin auf die Situation des Journalisten und Aktivisten Alaa Abd el-Fattah und seines Anwalts Mohammed el-Baqer hin, "die beide unter teils schwierigsten Bedingungen inhaftiert sind". Sie forderte von Ägypten die Freilassung Fattahs, "der wegen seines Hungerstreiks in akuter Gefahr ist", sowie die Freilassung weiterer politischer Gefangener. Alaa Abd el-Fattah ist einer der bekanntesten inhaftierten Demokratieaktivisten in dem nordafrikanischen Land.

Umweltverbände fordern Stopp fossiler Energien

Umweltverbände haben vor dem Weltklimagipfel (COP27) am Samstag dazu aufgerufen Investitionen in fossile Energien wie Öl und Gas zu beenden. "Auf der 27. Weltklimakonferenz kommt es darauf an, dass alle Vertragsparteien des Pariser Klimaabkommens ihre bisherigen Verpflichtungen zur Reduzierung von Treibhausgasen deutlich erhöhen", sagte der Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Sascha Müller-Kraenner, dem "RedaktionsNetzwerk Deutschland" (Samstag).

Die EU müsse ihr Klimaziel auf eine Treibhausgasreduktion von mindestens 60 Prozent bis 2030 anpassen - und den Ausbau der erneuerbaren Energien, Energieeffizienz und die Sanierung von Gebäuden vorantreiben. "Was nicht zum Erreichen der Klimaziele beiträgt, ist eine Ausweitung der Öl- und Gasförderung weltweit." Es müsse einen Finanzierungsstopp für neue fossile Großprojekte geben, verlangte Müller-Kraenner.

Auch der Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND), Olaf Bandt, forderte die Bundesregierung dazu auf, das Versprechen der G7-Staaten einzuhalten, Direktinvestitionen in fossile Energien im Ausland zu beenden. "Denn jedes Öl- und Gasfeld, das neu erschlossen wird, gefährdet das 1,5-Grad-Limit und trägt zu tödlichen Klimafolgen bei."

Zudem müsse die Kompensation von Schäden und Verlusten durch die Klimakrise ein zentrales Thema der COP27 sein, sagte Bandt. "Die Klimakrise passiert hier und jetzt. Das prangert der globale Süden schon lange an." Es müssten daher klare Mechanismen und verbindliche Finanzzusagen für die vom Klimawandel am stärksten betroffenen Länder geben.

WWF-Geschäftsführerin Heike Vesper will ebenfalls, dass die Bundesregierung die internationale Klimafinanzierung aufstockt, und zwar "der deutschen Verantwortung entsprechend auf jährlich 8 Milliarden Euro, mit denen der Globale Süden in seinen Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen zur Bewältigung der Klimakrise unterstützt wird".

Nabu-Präsident Jörg-Andreas Krüger sagte, der russische Angriffskrieg auf die Ukraine dürfe nicht dazu führen, dass die großen existenziellen Krisen - die Erderhitzung und die Krise der Natur - aus dem Blick geraten. Das Treffen in Scharm el Scheich sei "ein Schlüsselmoment für den Klimaschutz".

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