Kirche soll auch mit Klimaaktivisten kooperieren

Portrait von der Präses der Synode Anna-Nicole Heinrich

© epd-bild/Jens Schulze

Anna-Nicole Heinrich sieht es als Aufgabe der Kirche, die Schöpfung Gottes zu bewahren. Hierfür möchte sie mehr Kooperationspartner generieren, unter anderem auch Klimaaktivisten. (Archivbild)

Synodenpräses Heinrich
Kirche soll auch mit Klimaaktivisten kooperieren
Die Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Anna-Nicole Heinrich, hat sich für eine Vernetzung der Kirche auch mit radikalen Klimabewegungen ausgesprochen.

Dabei müsse man sich ja nicht an Sabotage-Touren beteiligen, sagte Heinrich dem Evangelischen Pressedienst (epd). Menschen aus den Reihen der Kirche könnten jedoch beispielsweise im Basislager von Klimaaktivisten für Gespräche und gutes Essen sorgen oder erschöpften Menschen einen Raum geben, um wieder Halt zu finden.

"Wir brauchen für das Anliegen der Bewahrung der Schöpfung viel mehr Kooperationspartner", betonte Heinrich. "Das bedeutet allerdings nicht, einfach mitzumachen, sondern das zu tun, was wir gut können: für Menschen da sein, sie unterstützen, Brücken bauen und ihre Anliegen auch weiter in die politische Debatte und demokratische Prozesse eintragen."

Die Kirche könne mit ihren Angeboten Hoffnung stiften und Kraft geben für die nächste große Demo, denn Aktivismus sei "hart anstrengend", sagte die 26-Jährige. "Du musst immer nur vorn stehen und sagen, 'wir verändern die Welt', obwohl du vielleicht gar nicht mehr daran glaubst." In Berlin habe es etwa während der Pandemie digitale Andachten für bis zu 2.000 Klimaaktivisten gegeben, um auch mal über den Frust zu reden. Viele der Teilnehmer seien sonst mit Kirche eher nicht in Berührung gekommen. "Solche physischen und digitalen Orte brauchen wir viel mehr."

Ein Beispiel für die gute Netzwerkarbeit der Kirchen sei das Bündnis "United4Rescue", das sich für eine Pflicht zur Seenotrettung von Flüchtlingen einsetzt, gegen eine Kriminalisierung der Retter kämpft und faire Asylverfahren und "Sichere Häfen" fordert, sagte Heinrich.

Mit ihren Angeboten müsse die Kirche dafür sorgen, dass sich unterschiedlichste Menschen willkommen fühlten, forderte Heinrich. Dabei sei es wichtig, dass Einrichtungen Schwerpunkte setzten und nicht untereinander konkurrierten. In Städten könnte eine Gemeinde beispielsweise eher die Seniorenarbeit übernehmen, während eine andere auf Angebote für junge Familien setze. Auch müssten die Gemeinden eine "multilokale Zugehörigkeit" ermöglichen, damit Menschen je nach Lebensmittelpunkt und Interesse in mehreren Gemeinden beheimatet werden könnte. "Die größte Aufgabe der Kirche und ihren Einrichtungen der Zukunft ist ihre Vernetzung im Hintergrund."

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