Solarstrom vom Kirchendach fließt nur zäh

Kirchendach mit Solarpanelen

© rustycanuck/iStockphoto/Getty Images

Auch Kirchendächer können der Stromgewinnung dienen. Aktuell wird dieses Potential noch nicht ausreichend ausgeschöpft, finden Umweltschützer in den Gemeinden.

Kirche und Energiewende
Solarstrom vom Kirchendach fließt nur zäh
Kirchen haben Dächer wie andere Gebäude auch. Doch bis die der Stromgewinnung dienen können, müssten zu viele Hindernisse überwunden werden, klagen Umweltschützer in den Gemeinden. Man wolle doch für die Schöpfung konkret etwas tun.

Eine Solaranlage auf einer denkmalgeschützten Kirche - das ist bisher ein Tabu. Aber in der Energiekrise und angesichts des Klimawandels müssten doch Denkmalschutz und Energiegewinnung zusammengehen, haben sich jüngst die Evangelischen im Dekanat Fürth gedacht und etwas angestoßen: Sie wollen eine Photovoltaikanlage auf das Dach der Fürther Altstadtkirche St. Michael setzen.

"Die Herausforderungen des Klimawandels sind so groß, dass wir Flächen nicht ausschließen dürfen", meint der Fürther Dekan Jörg Sichelstiel. "Wenn eine Kirchengemeinde auf ihrem Dach Strom produzieren will, dann muss das möglich sein."

Beim Blick auf die riesigen Dachflächen von St. Lorenz in Nürnberg oder der Fürther Michaelskirche komme man natürlich auf die Idee, dass dort viel Strom produziert werden könnte, sagt der Umweltreferent der bayerischen Landeskirche, Wolfgang Schürger, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Dennoch ist der Fürther Vorstoß für ihn erst mal "schöne Symbolpolitik". Es gebe Massen von Dächern anderer kirchlicher Gebäude, die viel leichter zu belegen seien.

Ein Denkmal habe exemplarischen Charakter - wenn man darauf etwas setzen wolle, müsse das "schön aussehen", sagt der Umweltreferent und warnt: "Kulturschutz und Klimaschutz dürften nicht gegenseitig geopfert werden". Schürger weist aber auch darauf hin, dass sich im April die Baumamtsleiter aller Kirchen in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in einem Papier klar zu Photovoltaik auf kirchlichen Gebäuden bekannt hätten.

Beratung für Gemeinden

Wer eine Photovoltaikanlage plant, stellt fest, dass es sich "um einen äußerst komplexen Sachverhalt handelt", heißt es in einem landeskirchlichen Rundschreiben an die Dekanate. Es sei umfassendes Fachwissen gefordert, um die Wirtschaftlichkeit einer Anlage zu beurteilen und sie effizient zu betreiben.

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Deshalb wird den Gemeinden empfohlen, sich an den evangelischen Solarfonds anzuhängen, den es bereits seit 2009 gibt. Der berate die Gemeinden, sagt Schürger, und nach einer "schwierigen Phase" sei der Fonds als Kooperationspartner nun auch "wieder arbeitsfähig".

Denkmalschutz und Baureferat bremsen

Ein gemeinsames Solarprojekt gibt es auch für den Dekanatsbezirk Nürnberg unter dem Dach der Gesamtkirchengemeinde. Damit könnten Kosten gespart und Genehmigungsverfahren vereinfacht werden, um "zügig Erfolge" zu erzielen, heißt es im Konzept. Allerdings geht es zäh voran. Erst zwei Dächer, das der Wilhelm-Löhe-Schule und das "Haus für Kinder" in Rückersdorf, gehören ihm an. Zahlreiche weitere Objekte sind derzeit in Genehmigungsprozessen.

Auch auf das Dach seines Dienstsitzes würde der Leiter der Gesamtkirchenverwaltung, Jochen Reger, eine Solaranlage stellen. Dies blockiere aber die Denkmalschutzbehörde, indem sie wegen der Nähe zur Nürnberger Kaiserburg ziegelfarbene Module und eine völlig neue Dachkonstruktion fordere. Das sei viel zu teuer, entgegnet Reger. Aber auch das landeskirchliche Baureferat bremse, was er bei einem Verwaltungsgebäude schwer nachvollziehen könne. Vom selbsterzeugten Strom für den Eigenverbrauch, etwa zum Laden der E-Dienstautos, muss der Verwaltungsleiter also weiter träumen.

Kirchliche Genehmigung zu umständlich

Auch manche Kirchengemeinde hat in den vergangenen Jahren die Kirche eher als Solar-Verhinderin erlebt - gerade wenn sie eigenverantwortlich eine Anlage auf ein kirchliches Gebäude plante. Pfarrerin Sabine Nagel hat vor rund 25 Jahren auf dem Gemeindehaus ihrer damaligen Gemeinde eine Solaranlage "gegen kirchlichen Widerstand" durchgesetzt, "geändert hat sich seither überhaupt nichts", meint sie.

Die Pfarrerin an der Apostelkirche in Weilheim stellt fest, die kirchlichen Genehmigungsverfahren seien nach wie vor umständlich. Eine Prüfung der Betriebswirtschaftlichkeit einer Photovoltaikanlage sei wichtig, "aber wie steht es um eine Berechnung, was die Gemeinde damit für die folgenden Generationen tut?"

"Die Bewahrung der Schöpfung ist kirchliches Kernanliegen", schreiben die Vertreter des Dekanats Fürth in einer Eingabe an die evangelische Landessynode, das Kirchenparlament. Und weiter: "Kirchen und Häuser haben im Lauf ihrer Geschichte immer wieder Anpassungen an die Zeitumstände erfahren." Also müsse auch das Verbot, auf historischen Kirchen Photovoltaikanlagen anzubringen, auf den Prüfstand. Die Landeskirche solle dieses Anliegen unterstützen.

Die Kirchengemeinde St. Michael in Fürth lässt prüfen, ob eine Solaranlage auf St. Michael realistisch ist. Sie ist optimistisch, weil die Staatsregierung im Sommer eine Änderung des bayerischen Denkmalschutzgesetzes angekündigt hat, um mehr Sonnenenergie auch von denkmalgeschützten Gebäuden holen zu können. Allerdings hängt das geplante Gesetz noch immer in der Verbände-Anhörung, bei der auch die Kirchen gehört werden.

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