Diakonie warnt vor Insolvenzen bei Pflegeheimen

Ausgebildete Pflegefachkraft schiebt Mann im Rollstuhl

© epd-bild/Matthias Rietschel

Einen Rettungsschirm für die Pflegebranche fordert der Duisburger Diakonie-Vorstand Ulrich Christofczik.

Finanzierung der Pflege
Diakonie warnt vor Insolvenzen bei Pflegeheimen
Die Finanzierung der Pflege muss nach Ansicht des Duisburger Diakonie-Vorstandes Ulrich Christofczik schnell radikal reformiert werden. Angesichts der expodierenden Energiepreise könne Pflege für die Bedürftigen schnell unbezahlbar werden.

"Die Reformvorschläge liegen seit Jahren auf den Tisch", sagte der Geschäftsführer der Evangelischen Altenhilfe Duisburg GmbH dem Evangelischen Pressedienst. Doch sie würden von der Politik ignoriert, so der Sprecher der Ruhrgebietskonferenz-Pflege. Zudem müsse die Bundesregierung die Einrichtungen wegen der hohen Energiekosten schnell finanziell unterstützen. Andernfalls werde es Insolvenzen geben, so der Vorstand.

"So zynisch das klingen mag: Ich habe wirklich die Hoffnung, dass nun auch der letzte Politiker, die letzte Politikerin den Ernst der Lage erkennt und sich für Reformideen interessiert", sagte der Vorstand mit Blick auf die extrem hohen Energiepreise. Durch die Folgen des Krieges in der Ukraine werde deutlich, dass es so nicht weitergehen könne.

Christofczik, dessen Unternehmen in Duisburg und Umgebung 17 Pflegeeinrichtungen betreibt, betonte, selbst wenn die Politik nun Reformen anstoße, werde die Umsetzung lange dauern. Deshalb müsse die Bundesregierung sofort einen Rettungsschirm für die Pflegebranche beschließen, um Heime und Pflegebedürftige finanziell spürbar zu entlasten. Seit Jahren stiegen die Eigenanteile für Heimbewohner an - systembedingt: "Jede Kostensteigerung in den Einrichtungen, egal wodurch sie ausgelöst ist, muss letztlich der Bewohner über seinen Eigenanteil tragen."

Nordrhein-Westfalen habe den höchsten Satz bei den Eigenanteilen in ganz Deutschland von im Schnitt 2.670 Euro. Würden die Heimträger nun noch die hohen Energiepreise voll auf die Heimbewohner umlegen , "dann würden wir landesweit im Schnitt auf Eigenanteile um die 4000 Euro kommen". Dann könne kein normaler Mensch mehr seine Pflege bezahlen.

Deckelung von Eigenanteilen

Die Diakonie und ihre Fachverbände werben laut Christofczik seit Jahren für einen Umbau der Pflegefinanzierung. "Unser Modell der Deckelung der Eigenanteile läuft in der Branche unter 'Sockel-Spitze-Tausch'." Dieser Ansatz sei die einzige Möglichkeit, der Probleme Herr zu werden - vor allem, weil die Demografie die Lage noch zuspitze.

Die Ruhrgebietskonferenz-Pflege ist eine Arbeitgeberinitiative von rund 40 öffentlichen und privaten Pflegeunternehmen aus dem gesamten Ruhrgebiet mit insgesamt mehr als 20.000 Beschäftigten.

Mehr zu Notstand in der Pflege
Kopfportrait vom Diakonievorstand Karl Schulz
Die Suche nach Fachkräften treibt derzeit viele Branchen um. Auch Diakonievorstand Karl Schulz beschäftigt dieses Thema, aber ebenso die Folgen der aktuellen Krisen und die gesellschaftliche Stabilität.
junge Pflegerin
Christine Vogler (52), Präsidentin des Deutschen Pflegerats, dringt auf eine massive Aufwertung der Pflege. Wenn nicht schnell tiefgreifende Veränderungen kämen, werde es keine professionelle Pflege für alle Bedürftigen mehr geben.