Katholiken fordern mehr Demokratie in der Kirche

Katholiken fordern mehr Demokratie in ihrer Kirche

© epd-Bild/Michael Schick

Aktivistinnen der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) demonstrieren bei der Tagung des Synodalen Wegs in Frankfurt (Archivbild). Die "KirchenVolksKonferenz" richtet jetzt einen dringenden Appell an die deutschen Bischöfe.

Appell an die Bischofskonferenz
Katholiken fordern mehr Demokratie in der Kirche
Auf einer "KirchenVolksKonferenz" haben Initiativen die katholische Kirche zu umfassenden Reformen aufgefordert. Vor der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz verlangten sie Mitsprache und Geschlechtergerechtigkeit in der Kirche.

In einem flammenden Appell an die Bischöfe haben 36 katholische Verbände, Orden und Initiativen grundlegende Veränderungen in der Kirche angemahnt. "Die römisch-katholische Kirche wird wegen Missbrauch und Vertuschung sowie Menschenrechtsverletzungen und vielfältiger Diskriminierungen ihrer Verantwortung immer weniger gerecht", heißt es in einem in Köln veröffentlichten "Gemeinsamen Wort".

"Es geht uns darum, den Kern des Christentums wieder freizulegen," erklärte der Sprecher der Reformbewegung "Wir sind Kirche", Christian Weisner. Im Zentrum der "KirchenVolksKonferenz" stand vor allem die Forderung nach Demokratisierung sowie Geschlechtergerechtigkeit innerhalb der Kirche.
Die gemeinsame Erklärung solle eine Antwort auf die existenzielle Krise der katholischen Kirche sein, sagte Weisner.

Darin fordern die Teilnehmer "eine theologische, spirituelle Rückbesinnung auf die frohe Botschaft von Jesus". Sie verlangen "Gewaltenteilung" und mehr Mitbestimmung des Kirchenvolks. Zudem setzen sie sich dafür ein, "eine geschlechtergerechte und vielfältige Lebensformen anerkennende Kirche zu schaffen." Reformer fordern seit langem den Zugang von Frauen zu spirituellen Ämtern sowie die Anerkennung von Homosexualität sowie Trans- und Intersexualität.

Einer, den das betrifft, ist Michael Brinkschröder vom Katholischen LSBT+ Komitee: "Ich habe das Vertrauen in die klerikale Struktur der Kirche verloren", sagt er. Zentrale Aufgabe eines glaubwürdigen Reformprozesses seien grundlegende Veränderungen der Hierarchie.

Kritik am Synodalen Weg

Die Erklärung der Konferenz unterstützt ausdrücklich die Forderungen des Synodalen Wegs. Im Zuge dieses Prozesses verhandeln Laien und Bischöfe über Veränderungen in der Kirche. Die "Kirchenvolkskonferenz" wolle ein "Signal der Ermutigung und Dringlichkeit" an den Synodalen Weg senden, erklärte Weisner.

Maria Mesrian von der Reforminitiative "Maria 2.0." prangerte vor allem die Abstimmungsmodalitäten des Synodalen Wegs an, bei dem für Beschlüsse eine Zwei-Drittel-Mehrheit der Bischöfe notwendig ist. "Mit dieser Sperrminorität können nun dieselben Bischöfe, die Täter gedeckt und Taten vertuscht haben, dringend notwendige Reformen zur Beseitigung der systemischen Ursachen des Missbrauchs verhindern. Das ist absurd."

"Wir brauchen eine Revolution"

Auch der Bundesvorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), Gregor Podschun, äußerte sich skeptisch zu den Erfolgsaussichten des kirchlichen Reformprozesses. "Wir brauchen eine demokratische Kirche", forderte er. Der Synodale Weg könne dies jedoch nicht leisten, weil er Teil des Systems sei. Letztlich müsse aber auch er selbstkritisch feststellen, dass er als Vertreter eines katholischen Verbandes das System stütze, beschreibt Podschun sein Dilemma. "Wir brauchen eine Revolution", lautet sein Fazit. "Ich glaube, dass sich die Kirche selbst zerstören muss, um sich wieder neu aufzubauen."

Den inneren Konflikt zwischen Bleiben und Gehen haben einige Konferenzteilnehmerinnen und -teilnehmer bereits entschieden. "Ich kann meinen Glauben auch leben, ohne Mitglied der Kirche zu sein", sagt etwa Doris Bauer. Sie gehört der Initiative "Emmaus-Wege" an, in der sich ausgetretene Katholikinnen und Katholiken zusammengeschlossen haben.

Gehen oder Bleiben?

Dies sei eine zunehmend größere Gruppe von Menschen, die zwar die Institution Kirche nicht mehr unterstützen wollten, sich aber nach wie vor als katholisch betrachteten. "Für uns ist es wichtig, nach wie vor mit dem Kirchenvolk verbunden zu bleiben", sagt Bauer. Auch in den Reformprozess möchte sich die Initiative einschalten.

"Strukturen verändern geht nur von Innen", glaubt hingegen Michael Brinkschröder trotz aller Enttäuschung. Der Kölner Theologe Hans-Joachim Höhn plädierte für eine Vernetzung und Synodalität als Leitidee einer Kirche von morgen. "Wir brauchen die Mutigen, die vorangehen, nicht diejenigen, die um sich selbst kreisen", forderte er.

Die "KirchenVolksKonferenz" fand unmittelbar vor der Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz statt, die sich ab 26. September in Fulda unter anderem mit dem Synodalen Weg befassen will. An dem Treffen der Reformer in Köln unter dem Motto "Wir gehen schon einmal voran - für eine synodale Zukunft der Kirche der Zukunft" waren Vertreterinnen und Vertreter von Gruppen wie "Wir sind Kirche", "Maria 2.0" oder die Aktion #OutInChurch und Betroffeneninitiativen beteiligt. Aber auch große katholische Verbände wie der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB), die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd), der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), Ordensvertreterinnen sowie aus der Kirche Ausgetretene waren dabei.

Mehr zu Katholische Kirche
Kruzifix und Rosenkranz
Der Münsteraner Historiker Klaus Große Kracht fordert von den katholischen Bistümern mehr Aufarbeitungswillen beim Thema sexueller Missbrauch. Noch immer habe nur die Hälfte der Bistümer Missbrauchsskandale aufgearbeitet in Deutschland.
Papst Franziskus reicht Kardinal Marx die Hand, daneben Kardinal Woelki.
Beim Besuch katholischer deutscher Bischöfe im Vatikan stand der Streit um den Synodalen Weg im Mittelpunkt. Zur Debatte stand ein Aussetzen des deutschen Reformprozesses.