Propst sieht Zukunft der Kirche optimistisch

Portrait von Klaus-Volker Schütz

© epd-bild/Thomas Neu

Klaus-Volker Schütz war 22 Jahre Propst für Rheinhessen, zuletzt auch für die Rhein-Lahn-Region. Ende dieses Monats geht der 65-jährige evangelische Theologe in den Ruhestand.

Mainzer Theologe geht in Ruhestand
Propst sieht Zukunft der Kirche optimistisch
22 Jahre lang war Klaus-Volker Schütz als Propst in Mainz zuständig für die evangelischen Kirchen in Rheinhessen, zuletzt zusätzlich auch für die Rhein-Lahn-Region. Der Blick über den Tellerrand - speziell nach Asien - war ihm immer wichtig.

Dass ein deutscher Theologe auch in der Kunstsprache Bahasa Indonesia predigen kann, dürfte eher selten vorkommen. Klaus-Volker Schütz hat es bei seinen zahlreichen Besuchen in Indonesien häufiger getan. Der evangelische Mainzer Propst war stets eine treibende Kraft für die Partnerschaft zwischen der hessen-nassauischen Landeskirche EKHN und deren Partnerkirche auf der Insel Sulawesi. Nach 22 Jahren im Amt wechselt Schütz Ende dieses Monats in den Ruhestand.

Als Propst für Rheinhessen und Mitglied der EKHN-Kirchenleitung war der gebürtige Frankfurter nicht nur zuständig für zuletzt 200 Gemeinden, wo er Pfarrer ordinierte, ihnen bei Problemen zur Seite stand, bei Personalkonflikten vermittelte und als Dienstvorgesetzter der Dekane fungierte. Er war auch an vielen kirchlichen Reform- und Spardebatten der zurückliegenden Jahre beteiligt, seit er im Jahr 2000 in das Propstamt gewählt worden war. Flächenmäßig vergrößerte sich seine eigene Propstei als Folge einer jahrelang diskutierten Strukturreformen um 50 Prozent - durch die Erweiterung um das Nassauer Land, die Kirchengemeinden im Rhein-Lahn-Kreis.

Der scheidende Propst für Rheinhessen und das Nassauer Land, Klaus-Volker Schütz, sieht die Zukunft der evangelischen Kirche trotz rückläufiger Mitgliederzahlen und notwendiger Sparmaßnahmen optimistisch. "Es gibt sehr viele positive Entwicklungen", sagte der 65-Jährige in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Beispielhaft nannte er den starken Ausbau der kirchlichen Hospiz- und Palliativarbeit und den Aufschwung bei Pilgerreisen auch unter Protestanten. Der Glaube, Menschen hätten im 21. Jahrhundert keine religiösen Grundbedürfnisse mehr, sei falsch.

"Strukturen werden den Glauben nicht retten", ist sich der 65-jährige Theologe dennoch sicher. An alle, die in der Kirche Verantwortung tragen, appelliert er daher, das Wesentliche nicht aus den Augen zu verlieren: "Wenn wir im Sinne von Seelsorge an der Seite der Menschen sind, wird es mit der Kirche gut weitergehen." Sowohl Mitglieder, als auch Nichtmitglieder würden von der Kirche zuallererst Beistand in schweren Situationen und an Wendepunkten des Lebens erwarten. Trotz aller unbestreitbaren Probleme blicke er prinzipiell optimistisch in die Zukunft der Kirche, denn Menschen hätten unbestreitbar religiöse und spirituelle Grundbedürfnisse.

"Kirchen müssen enger zusammenrücken"

Im Rückblick auf seine Amtszeit nennt Schütz, der sich mit öffentlichen Stellungnahmen zu tagesaktuellen Themen eher zurückhielt, eine Reihe prägender Erlebnisse. Beispielsweise sei da das 500. Reformationsjubiläum 2017 gewesen, als das evangelische Dekanat Mainz mit einem eigens gebauten Luther-Motivwagen am Rosenmontagsumzug teilnahm - obwohl die Protestanten Fastnacht und Karneval traditionell eher reserviert gegenüberstehen.

Dass es nicht gelungen sei, in der Ökumene zu mehr Gemeinsamkeit mit der katholischen Kirche zu finden, bedauert der Propst, der in engem persönlichen Austausch mit dem verstorbenen Mainzer Kardinal Karl Lehmann stand. Beide Kirchen - die katholische noch mehr als die evangelische - seien wohl momentan zu sehr mit eigenen Problemen beschäftigt, befürchtet er. Dabei müssten die Kirchen gerade jetzt enger zusammenrücken, etwa bei der gemeinsamen Nutzung von Gemeindehäusern. "In den Herzen der Menschen ist das gemeinsame Abendmahl längst beschlossene Sache", ist er dennoch sicher.

Blick über den Tellerrand öffnet Perspektiven

Um zuversichtlich zu bleiben und weiter an Innovationen für kirchliches Leben zu arbeiten, helfe der Blick auf andere Regionen der Welt, wirbt Schütz: "Wie arm wären wir, wenn wir uns nicht aufmachen würden, immer wieder über den eigenen Tellerrand zu schauen."

In Indonesien etwa könnten Christen eine Kirche mit viel größerem Gemeinschaftssinn erleben, bei der mit großer Energie an Gemeindeentwicklung gearbeitet werde und von einer Krise nichts zu spüren sei - und Glaubensgeschwister mit einer völlig anderen Mentalität, die ihr Leben nicht im Minutentakt mit dem Kalender verplanen. Hier gelte es für Europäer, auch ihren eigenen Lebensstil kritisch zu hinterfragen. "Wenn Sie in Indonesien sind, merken Sie, wie hoch individualisiert wir sind und wie uns dieser Individualismus auch schadet", sagte der Theologe.

Schütz plant weitere Hilfsprojekte im Ausland

Nach der Verabschiedung in den Ruhestand wird Schütz Asien nicht aus dem Blick verlieren. Als stellvertretender Vorsitzender der Karl-Kübel-Stiftung will er ehrenamtlich deren Hilfsprojekte in Indien, Myanmar und anderen Ländern begleiten. Mit der Offenbacher Pfarrerin Henriette Crüwell habe die EKHN eine vorzügliche Nachfolgerin gewählt, ist sich der Propst sicher.

Zur Propstei Rheinhessen und Nassauer Land zählen sechs evangelische Dekanate mit zusammen mehr als 200 Kirchengemeinden in den Städten Mainz und Worms sowie in den Landkreisen Mainz-Bingen, Alzey-Worms und Bad Kreuznach. 2017 wurde das Propsteigebiet um die Kirchengemeinden im Rhein-Lahn-Kreis erweitert. Die Pröpste gehören der Kirchenleitung der EKHN an, fungieren als Seelsorger für die Pfarrerinnen und Pfarrer ihres Gebietes und als Dienstvorgesetzte der Dekaninnen und Dekane.

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