"Es geht nicht um Abstrafen Schlesingers"

Portrait von Patricia Schlesinger

© epd-bild/Christian Ditsch

Der Rundfunkrat berät über eine sofortige Auflösung des Vertrags der zurückgetretenen Intendantin, Patricia Schlesinger.

Medienpsychologe zu RBB-Krise
"Es geht nicht um Abstrafen Schlesingers"
Der Medienwissenschaftler Jo Groebel fordert im Umgang mit der zurückgetretenen RBB-Intendantin Patricia Schlesinger von den Aufsichtsgremien des Senders ein "völlig korrektes Prozedere". Es gehe nicht darum, Schlesinger abzustrafen.

Groebel sagte am Montag im Inforadio des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB): "Zu sagen: Jetzt muss sich gerächt werden, und jetzt muss die Frau bestraft werden - das ist nicht richtig." Je unkorrekter alles vorher war, umso korrekter müsse jetzt gehandelt werden. "Es geht darum, dass endlich wieder zurückgekehrt wird zu einem völlig korrekten Prozedere - und das ist ja ziemlich sicher zu erwarten", sagte Groebel.

Für Montag waren im Fall Schlesinger eine Sondersitzung des 30 Mitglieder zählen RBB-Rundfunkrats und des Verwaltungsrates des Senders geplant, dem acht Mitglieder angehören. Der Rundfunkrat wollte Medienberichten zufolge über eine sofortige Auflösung des Vertrags der zurückgetretenen Intendantin beraten, die bislang nur beurlaubt ist. Hintergrund sind Vorwürfe der Vetternwirtschaft und Vorteilsnahme.

Groebel betonte, von der Anlage her seien der öffentlich-rechtliche Rundfunk und seine Gremien nicht schlecht organisiert. Brisant werde es im "Graubereich". Da werde gekungelt, man kenne einander und schiebe sich Sachen zu, was juristisch nicht "direkt fassbar" sei. "Da muss man ran", forderte er. Die gegenseitige Kontrolle müsse wieder angewendet werden: "Das ist vielleicht viel wichtiger, als mal wieder neue Gesetze einzuführen."

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