Tagestour auf dem Jakobsweg

Schild mit Jakobsmuschel vom Pilgerweg

© epd-bild/Angelika Osthues

Hinweisschild für einen Pilgerweg in Tecklenburg. In Deutschland machen sich immer mehr Pilger einfach mal für eine kurze Tagestour auf den Jakobsweg.

Pilgern vor der Haustür
Tagestour auf dem Jakobsweg
Pilgern - das ist beten mit den Füßen. Seit Jahrhunderten machen sich Menschen auf Pilgerreise - heute ist es einfacher denn je, sich einfach mal für eine kurze Tagestour auf den Jakobsweg zu begeben.

Immer wieder packt Menschen die Lust, loszupilgern, sie "sind dann mal weg" - auf dem Jakobsweg. Dass dieser oft direkt vor der Haustüre beginnen kann, ist dagegen nicht immer bekannt.

So gibt es beispielsweise im Schwarzwald zwei Jakobswege, die an das internationale Wegenetz anschließen, wie Irmgard Schuhmacher, zuständig im Landratsamt Rottweil für Archiv, Kultur und Tourismus, erklärt: Den Neckar-Baar-Jakobusweg, der von Horb aus bis nach Schaffhausen führt und der Kinzigtäler Jakobusweg, der den Schwarzwald quert und nach Frankreich weitergeht.

Funde und Dokumente hätten gezeigt, dass sich schon seit Jahrhunderten Menschen von ihrer Haustüre aus auf diesen Wegen zum Grab des Apostels Jakobus ins spanische Santiago de Compostela gemacht haben, so Schuhmacher. In der Chronik der Grafen von Zimmern aus der Mitte des 16. Jahrhunderts sei beispielsweise dokumentiert, dass die Herren von Zimmern mehrfach nach Santiago gepilgert sind. In Rottweil habe man bei Grabungen Jakobsmuscheln gefunden, ebenfalls ein Beleg dafür, dass das Pilgern dort lange Tradition hat. An solchen Belegen hätten sich die heutigen Wegführungen orientiert.

Pilgerwege verliefen damals vor allem auf den viel begangenen Haupt-Handelswegen, erklärt Monika Krämer, Tourismusbeauftragte im Landratsamt Freudenstadt. Das oberste Ziel sei damals die Sicherheit eines Weges gewesen und nicht unbedingt seine Schönheit. Auch heute gebe es im Schwarzwald andere Möglichkeiten, schöne Wege zu erleben, wie beispielsweise den Westweg zu wählen, der landschaftlich sicherlich reizvoller sei. "Aber auf dem Weg an Jakobskapellen geht es nicht nur um schöne Wege, sondern um spirituelles Erleben."

Laut dem Pilgerexperten Peter Müller, der mehrere Bücher über das Pilgern geschrieben hat, sind Jakobswege nach dem Fund des Grabes des Jakobus um 826-829 entstanden. Damals seien die Menschen nach Spanien losgezogen, weil sie glaubten, dass Gott ihnen dadurch ihre Sünden vergibt und sie durch den Besuch des Grabes nach ihrem Tod mit Jakobus einen letzten Fürsprecher im göttlichen Gericht haben.

Heute seien die Motive, für einige Zeit zu pilgern, andere: Die Sehnsucht nach Abenteuer, nach dem Unterwegssein im Hier und Jetzt oder der Wunsch, zur Ruhe zu kommen, Natur und Kultur zu erleben oder spirituell etwas zu erleben. "Im Grunde genommen geht es darum, sensibler für den Sinn meines Lebens zu werden", so Müller.

Nicht nur im Schwarzwald, auch an vielen anderen Ecken in Baden-Württemberg ist es möglich, sich auf Pilgerreise zu begeben: So lädt der Deutsche Wandertag dieses Jahr von 3. bis 7. August ins Remstal ein. Dort werden mehrere angeleitete Wanderungen auf dem Jakobsweg angeboten wie eine Tour auf dem "Buen Camino" nach Winnenden mit dem Jakobsaltar in der Schlosskirche oder nach Endersbach.

Mehr zu Jakobsweg
Seit sieben Jahren sind Pilger auf dem wiederbelebten Brauschweiger Jakobsweg zwischen dem Magdeburger Dom und Schloss Corvey bei Höxter unterwegs.
Pilger können künftig den Braunschweiger Jakobsweg zwischen Elbe und Weser anhand einer neuen Karte erkunden. Das Set besteht aus vier Abschnittskarten, die den Weg im Maßstab 1:50.000 darstellen und auch Gedanken zum Pilgern enthalten, teilte die braunschweigische Kirche mit.
Pilgerstempel der evangelischen Paulus-Kirchengemeinde in Berlin
Der berühmte Jakobsweg, der nach Nordspanien führt, begeistert weltweit zunehmend mehr Menschen. Die Zahl der Pilger nach Santiago de Compostela war zuletzt kontinuierlich gestiegen. Vom Pilgerfieber angesteckt ist nun auch Berlin.