Zu Besuch im Klostergarten

Jenny Rosenberg untersucht Beeren am Strauch

© epd-bild/Carolin George

Jenny Rosenberg pflegt den jahrhundertealten Gemüse- und Obstgarten des evangelischen Klosters Ebstorf.

Grüne Oasen
Zu Besuch im Klostergarten
Klostergärten dienten einst der Krankenpflege durch Heilkräuter und der Selbstverpflegung der Bewohnerinnen und Bewohner mit Obst und Gemüse. In Niedersachsen gibt es noch einige Dutzend Klostergärten - manche davon können besichtigt werden.

Wenn Jenny Rosenberg am Montagmorgen die Tür des Gewächshauses im Garten des Klosters Ebstorf öffnet, fasziniert sie der Anblick jedes Mal aufs Neue. "Der Unterschied zum Feierabend am Freitag ist jetzt im Sommer riesig", erzählt sie.

"Besonders die Gurken wachsen wahnsinnig schnell. Das finde ich immer wieder beeindruckend." Gemeinsam mit drei Kolleginnen pflegt die 36-Jährige den jahrhundertealten Gemüse- und Obstgarten des evangelischen Klosters - einen von mehreren Dutzend historischen Klostergärten in Niedersachsen.

Klostergärten haben eine lange Geschichte. Sie waren oft nach einem klaren Schema mit Wegekreuzen angelegt und dienten der Krankenpflege durch Heilkräuter und zur Selbstversorgung durch den Anbau von Gemüse und Obst. So gab es bereits im Mittelalter in den Klöstern Hochbeete.

Im Kloster Ebstorf wachsen heute Gurken, Tomaten und Salatköpfe, Bohnen und Kohlrabi, Mohrrüben und Pastinaken, Mangold und Rote Bete, Erdbeeren und Johannisbeeren - und im Gewächshaus Gurken. Jeden Montag, Mittwoch und Freitag ist Erntetag, etwa zwei Stunden sind die Mitarbeiterinnen dann im Nutzgarten unterwegs. Obst und Gemüse werden anschließend auf Konvent und Angestellte verteilt, einige Sorten werden auch haltbar gemacht. "Gurken legen wir ein", erzählt Jenny Rosenberg.

Übergang zur Eigenversorgung

Auch um die historischen Damengärten kümmert sich das Team. Die Damengärten stellen eine jahrhundertealte Tradition in den evangelisch gewordenen Klöstern dar. Seit es kein gemeinschaftliches Essen mehr gab, etwa seit dem 16. und 17. Jahrhundert, wurde jeder Konventualin ein Stück Garten zur Verfügung gestellt - oder anders gesagt: zugewiesen. Sie sollten selbst Gemüse und Früchte anbauen.

"Die Damen hatten von da an ihre Versorgung selbst zu regeln", sagt die Landschaftsarchitektin Inken Formann, die zur Gartenkultur der evangelischen Frauenklöster und Damenstifte in Norddeutschland promoviert hat. Sie leitet heute das Fachgebiet Gärten und Gartendenkmalpflege der Staatlichen Schlösser und Gärten in Hessen. "Wegbereitend für diese Entwicklung zum privaten Haushalt war die weltoffene Haltung der Damenstifte und der gegenüber den Ordensgemeinschaften geringer ausgeprägte Gemeinschaftsgedanke."

Kräuter- und Ziergärten

Heute nutzt jedes der noch 15 bewohnten evangelischen Klöster in Niedersachsen die Gartenanlagen ein wenig anders. Das Kloster Lüne in Lüneburg zum Beispiel ist berühmt für seinen Kräutergarten, der als echtes Kleinod gilt und durch den historische Wasserläufe rinnen, die den Quellen des Klosterteiches entspringen.

Im Kloster Isenhagen in Hankensbüttel bei Gifhorn liegt bis heute ein großer Selbstversorgergarten. Eine Hauswirtschafterin kocht wochentags ein Mittagessen für den gesamten Konvent und nutzt dafür die Ernte aus dem Klostergarten. "Zurzeit können wir dort wie aus einem Füllhorn schöpfen", sagt Äbtissin Susanne Jäger. Außerdem pflege jede Konventualin in historischer Tradition ihren eigenen kleinen Damengarten als Ziergarten. "Dies zählt zum Prinzip des ora et labora - bete und arbeite."

Die Klöster Ebstorf, Lüne, Medingen und Isenhagen zählen zu den sechs sogenannten Lüneburger Klöstern. In diesen früheren katholischen Frauenklöstern leben heute Gemeinschaften alleinstehender, evangelischer Frauen unter Leitung einer Äbtissin. Die Klöster werden finanziell getragen von der Klosterkammer Hannover, einer Sonderbehörde des Landes Niedersachsen.

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