So kann Integration für Geflüchtete gelingen

Willkommenscafé im Martin-Niemöller-Haus in Berlin

© Darka Gorova

Das Willkommenscafé im Martin-Niemöller-Haus in Berlin-Dahlem ist eine von zehn Integrationsgeschichten, die Amal-Redakteur:innen im Rahmen des Projektes GOOD NEWS vorstellen.

"Amal, Berlin!" baut Brücken
So kann Integration für Geflüchtete gelingen
Ähnlich wie 2015 bröckelt die Willkommenskultur, die Hilfsbereitschaft für Geflüchtete aus der Ukraine droht nachzulassen. "Amal, Berlin!" stellt zehn Personen oder Projekte vor, die zeigen wie Integration von Geflüchteten in Berlin gelingen kann. Julia Gerlach erklärt, wie das geht.

Zwar haben wir alle dazugelernt und im Frühjahr 2022 schien es anfangs so viel leichter, die Geflüchteten aufzunehmen. Jetzt setzt allerdings langsam Müdigkeit ein. Integration scheint doch insgesamt ein schwieriges Thema.

Mit unserem neue Storytelling-Projekt wollen wir dem Frust etwas entgegensetzen. Schließlich – das zeigt der Blick auf den Alltag – klappt es doch in der Regel gut mit dem Zusammenleben. Viele, der in den letzten Jahren nach Deutschland geflohenen haben einen Platz gefunden, neue Projekte auf die Beine gestellt, engagieren sich, sind erfolgreich.

Was ist Erfolg? Wann ist man glücklich? Gerade wenn es um die Integration von Geflüchteten geht, gibt es auf diese Frage sehr viele unterschiedlichen Antworten. Um diese geht es in der Serie von Porträts, die von der Amal-Redaktion produziert wurde. Zehn Personen und Projekte werden vorgestellt, die alle auf ihre Art erfolgreich sind und Brücken schlagen zwischen Neuangekommenen und Alteingesessenen.

Brücken bauen

Da wird etwa Mohammad Najjar vorgestellt: Er kam 2015 als Geflüchteter aus Syrien und hatte nichts. Mit harter Arbeit und viel unternehmerischem Geschick hat er ein Bauunternehmen aufgebaut, das in Berlin, deutschlandweit und inzwischen auch im Ausland gut im Geschäft ist. Er wurde ausgezeichnet, weil er ein besonderes Konzept entwickelt hat, Geflüchtete in die Firma zu integrieren.

Es sind aber nicht nur solche typischen "Vom Tellerwäscher zum Millionär-Stories". Es wird auch Lina Hussainzadeh vorgestellt, die aus einer sehr einflussreichen Familie in Afghanistan stammt und nach einer dramatischen Flucht in Deutschland vor vielen Problemen stand. Sie hat sich durchgebissen, hat Wohnung, Job und endlich eine eigene Identität gefunden. "Hier interessiert sich niemand für meine Schwiegerfamilie und ich bin endlich ich", sagt sie. Lina Hussainzadeh arbeitet als Integrationslotsin und es mache sie glücklich, anderen helfen zu können, sagt sie.

Zu einem ganz ähnlichen Schluss kommen auch die Frauen der St.-Annen-Gemeinde in Berlin Dahlem. Angesichts des Krieges in der Ukraine, wollten sie etwas tun. Sie schickten einen Bus zur polnisch-ukrainischen Grenze. Auf dem Hinweg voll beladen mit Hilfsgütern. Auf dem Rückweg fuhren 80 Frauen und Kinder mit, die seitdem von der Gemeinde versorgt werden.

Die Frauen in Dahlem sind nicht die einzigen, die so etwas im Frühjahr 2022 auf die Beine stellten. Sie haben es aber geschafft, das Engagement bis heute aufrechtzuerhalten. So ist etwas Neues entstanden und auch ihre Erfolgsgeschichte wird in dieser Serie erzählt. Insgesamt zehn Beispiele werden vorgestellt und als Video oder als Text präsentiert.

Das Projekt GOOD NEWS

Begonnen hat das Projekt mit einem Aufruf, der sowohl auf den Seiten von Amal, Berlin als auch beim Kirchenkreis Teltow-Zehlendorf verbreitet wurde. So wurden zwei sehr unterschiedliche Zielgruppen angesprochen: Die Leser:innen von Amal, Berlin! sind überwiegend recht frisch in Berlin angekommene Geflüchtete aus arabischen Ländern, Iran und Afghanistan.

Bei den zum Teil wohlhabenden Mitgliedern der evangelischen Gemeinden in Teltow-Zehlendorf hat Engagement für Geflüchtete eine lange Tradition. Das ist ihre Schnittmenge. So kam eine lange Liste von Nominierten zusammen: Insgesamt knapp 100 Nachrichten gingen ein. Aus diesen wählte eine Jury die besten aus, die dann umgesetzt wurden. Die Serie wird nun sowohl auf Arabisch, Dari/Farsi und eine Geschichte auch auf Ukrainisch auf Amal, Berlin! veröffentlicht.

Deutsche Fassungen der Berichte erscheinen beim Tagesspiegel, bei evangelisch.de und auf den Seiten der Evangelischen Kirche und sie werden beim Sommerempfang in Teltow-Zehlendorf vorgestellt. Bei Amal, Berlin! sind sie auch nachzulesen. Das Projekt ist entstanden mit Unterstützung durch die Flick Stiftung.

Seien Sie neugierig und interessiert. evangelisch.de wird in den kommenden Wochen alle zehn Personen und Projekte hier vorstellen: www.evangelisch.de/amal-berlin-good-news

evangelisch.de dankt "Amal, Berlin!" für die Kooperation.

Mehr zu Flüchtlinge
Ana Alboth in ihrer Wohnung
Sie kennt die Situation an vielen Grenzen Europas. Deshalb wird die polnische Journalistin Ana Alboth nicht müde, auf die schlechte Behandlung von Geflüchteten hinzuweisen. Sie ist skeptisch, dass sich daran kurzfristig viel ändert.
Atefeh Kheirabadi und Mehrad Sepahnia in Filmstudio zu Hause
Atefeh Kheirabadi und Mehrad Sepahnia sind typisch für die internationale Bohème in Berlin. Sie machen experimentelle Kurzfilme und sind immer pleite. Was treibt sie an, trotzdem immer weiterzumachen? Was heißt Erfolg für sie?

"Amal, Berlin!" ist ein Projekt des Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik (GEP). Die Redaktion von "Amal, Berlin!" besteht aus geflüchteten Journalist:innen. Sie berichten auf Arabisch und Farsi/Dari über alle wichtigen Neuigkeiten in Berlin und Deutschland insgesamt. Zielgruppe sind die Neuangekommenen aus Afghanistan, Syrien und dem Iran, die noch nicht genug Deutschkenntnisse besitzen, um die hiesige Presseberichterstattung zu verstehen.